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Köln: US-Fotografin Lee Miller fängt die zerstörte Stadt in Bildern ein

Köln : US-Fotografin Lee Miller fängt die zerstörte Stadt in Bildern ein

Ausgebrannte Lastwagen, verlassene Panzer und Schützengräben säumen den Weg. Über Aachen führt der Weg der Befreier nach Köln. Im März 1945 kommen die Truppen der US-Army dort an. In ihrer Begleitung ist eine auffallend schöne Frau mit blonden Haaren und einer Kamera: Elizabeth "Lee" Miller, damals 37 Jahre alt und als Kriegsberichterstatterin akkreditiert für die britische "Vogue".

Drei Tage bleibt das einstige Top-Model, das Man Rays Schülerin und Geliebte war und später eine gefeierte Mode- und Porträtfotografin wurde, in der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Lee Millers Ansinnen längst geändert: "Ich dokumentiere und mache keine Kunst." 96 von rund 200 Aufnahmen, die damals in Köln entstanden, präsentiert der Fotoband "Lee Miller — Köln im März 1945", der jetzt im Greven Verlag erschienen ist. Er zeigt das Stadtgebiet unmittelbar nach der Befreiung. Distanziert, realitätstreu und unverklärt. Oder, wie Walter Filz in seinem Beitrag zum Buch schreibt: "Jenseits von Mythen und Kosmetik." Die Auswahl der im Lee-Miller-Archiv in Sussex (England) wiedergefundenen Fotografien ist bewusst subjektiv. Und auch mutig.

Gleich zu Anfang liegt da ein toter Junge in Uniformjacke mit abgerissenen Armen. Ein Flakhelfer. Lee Millers Kommentar dazu lautet: "Das ist ein guter Deutscher. Der ist tot." Schlimmer wird es nicht. Aber auch nicht versöhnlicher.

Millers Köln ist eine Stadt, in der allerorten die weißen Fahnen aus den Fenstern wehen, während die aus dem Gefängnis Befreiten mit riesigen Augen in die wiedergewonnene Welt starren, ein Platz, der Menschenmassen vor einer scheinbar unberührten Kirche zeigt — und inmitten des Gewimmels von Beinen liegt da eine Säule, die wirkt, als entstamme sie einer Filmkulisse. Und sei vergessen worden.

Normalität, das ist auch das "Feind hört mit"-Zeichen auf einer Häuserwand. Während der Feind längst zum Freund geworden ist. Oder der Blick auf den Dom, der so zerbombt gar nicht war.

Auf dem Titelbild ist im Vordergrund der gotische Vierungsturm der Kathedrale zu sehen, dahinter die kaputte Hohenzollernbrücke. Die nicht von Bomben, sondern von Pionieren der deutschen Wehrmacht gesprengt wurde, als die sich davonmachten. Ein Motiv, das, so Walter Filz, "Lee Miller ebenso fasziniert wie alle anderen Kölner Fotografen". Ansonsten sucht man so gut wie vergeblich nach bekannter Ruinen-Ästhetik. Schönheit ist für Miller im März 1945 längst nicht mehr das Thema, das sie hauptsächlich bewegt.

Info Historische Gesellschaft Köln e.V. und Zentral-Dombau-Verein zu Köln von 1842 (Hrsg.): Lee Miller - Köln im März 1945. Greven Verlag, 120 Seiten, 24,90 Euro.

(RP)