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Sammy Amara von den Broilers aus Düsseldorf über die Corona-Krise

Gastbeitrag Sammy Amara : Die Ungewissheit in Sachen Corona ist furchtbar

Erst einmal vorab: Ich komme mir blöd vor, in meiner Position zu klagen. Es gibt größere Probleme, als dass ich jetzt keine Kunst machen kann. Am Beginn von Krisenzeiten wird die Kunst am wenigsten gebraucht.

Ich weiß aber auch: Das wird sich ändern. Je länger so eine Phase anhält, je mehr die Moral sinkt und die Frustration steigt, desto wichtiger wird es, dass die Leute Ablenkung finden.

Die Leute erfahren gerade einen Verlust von Freiheit. Viele haben verlernt, mit sich selbst umzugehen und mit sich selbst alleine sein zu können. Langeweile setzt ganz früh ein. Deshalb wird alles aufgesogen, was Zerstreuung bietet.

Es gibt positive Nebeneffekte: Die Situation macht solidarisch. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wir sitzen alle im selben Boot. Das merken wir jetzt. Wichtig ist nur, dass man darüber andere Probleme nicht vergisst. Um beim Stichwort „Boot“ zu bleiben: das Flüchtlingselend zum Beispiel.

Komische Zeiten. Ich habe meiner Band gerade in die SMS-Gruppe geschrieben: „Dieses Ungewisse ist so furchtbar beschissen.“ Mit unserem Live-Manager telefoniere ich jeden Tag. Ich möchte wissen, ob es schon eine Änderung gibt, die uns beruflich betrifft. Und „uns“ bedeutet natürlich: ganz viele Mitarbeiter. Wir sollten Festivals spielen im Sommer, „Rock am Ring“ etwa. Würde ich im Moment nicht drauf wetten, dass es stattfindet. Aber wir planen im Moment so, als würde es stattfinden.

Wir fragen uns gerade, ob wir dieses Jahr wirklich wie geplant mit neuem Material kommen. Nehmen wir an, es darf im Sommer nichts stattfinden: Haben die Leute da nicht andere Probleme, als eine neue Platte zu kaufen? Oder ist es dann besonders wichtig, den Leuten etwas zu geben, woran sie sich festhalten können?

Die Situation ist so neu für uns. Keine Ahnung.