Ruhrtriennale: Nach Ärger um Intendantin

Nach Ärger um Intendantin : Ruhrtriennale bekommt größere Chefetage

Die Ruhrtriennale hat in diesem Jahr vor allem im Vorfeld Wirbel gemacht. Am Ende kam sogar der Ministerpräsident nicht mehr zu dem Edel-Festival in ausrangierten Industriestandorten des Reviers. Jetzt wird die Intendanz von Stefanie Carp (62) nicht vorzeitig beendet, sondern nach ihrem ersten Jahr personell verstärkt.

Wie geht es weiter bei der Ruhrtriennale?

Intendantin Carp bekommt einen starken Vize. Der neue Künstlerische Betriebsdirektor Jürgen Reitzler wird ab sofort Stellvertreter der Intendantin. Er soll mithelfen, dass die beiden nächsten Spielzeiten besser vorbereitet werden. 2020 endet Carps Vertrag. Schon im Frühjahr 2019 soll die Nachfolge bestimmt werden.

Warum gab es die Querelen?

In ihrer ersten Spielzeit hat Carp ein extrem politisches Programm aufgelegt. Heftig kritisiert wurde sie für ihren wankelmütigen Umgang mit der schottischen HipHop-Band „Young Fathers“, die der BDS-Bewegung nahesteht. Die Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) begründet ihre Aktivitäten mit der Politik Israels gegenüber den Palästinensern. Carp lud die Gruppe aus und doch wieder ein, nachdem andere Künstler mit Absage gedroht hatten. Am Ende sagte die Band selbst ab.

Wie kam Carps Entscheidung an?

Extrem schlecht: Ministerpräsident Armin Laschet sagte seinen Besuch des Kulturfestes ab. NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) war verärgert. Bei einer Diskussion mit Carp und den Kulturpolitikern des Landtags ging es hoch her. Jüdische Gemeinden von NRW warfen der Intendantin vor, es scheine, als wolle sie die Kritik an ihrem Umgang mit dem Vorwurf des Antisemitismus nicht hören. Der NRW-Landtag verurteilte die anti-israelische BDS-Kampagne. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung meinte: „Das gesamte Krisenmanagement war desaströs.“

Welche Rolle soll der Stellvertreter spielen?

Die Bestellung eines starken Theatermannes an ihrer Seite soll hier offenbar Ausgleich schaffen: Laut Ruhrtriennale soll der „erfahrene Spitzenmann“ als Vize mithelfen, dass die beiden nächsten Spielzeiten von Carp besser vorbereitet werden. Reitzler hat Prokura, also Handlungsvollmacht als Stellvertreter.

Warum ist die Ruhrtriennale so wichtig?

Das experimentelle Festival ist ein kulturpolitisches Aushängeschild des Landes. Die einstigen Industriehallen im Ruhrgebiet werden zu Spielstätten für aufwendige Inszenierungen. Von allen Festivals in NRW bekommt die Ruhrtriennale die höchste Förderung. Fast der ganze Jahresetat von rund 15 Millionen Euro kommt vom Kulturministerium.

Was sagt Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen?

Die parteilose Ministerin verhehlt Bedenken nicht: Dass Carp als Intendantin der Ruhrtriennale bleiben könne, sei „Ergebnis einer ausführlichen Erörterung und Abwägung ihres Verhaltens in der Kontroverse um die BDS-nahe Band Young Fathers“. Carp habe zusagt, den einstimmigen Beschluss des NRW-Landtages zur BDS-Bewegung zu beachten und umzusetzen. Antisemitische Aktionen und Gruppierungen fänden im Rahmen der Ruhrtriennale keine Plattform.

Wie lief die erste Triennale-Spielzeit in künstlerischer Sicht?

Das war ein Erfolg: Gefällig war das Programm nicht. Mehr als 60.000 Besucher kamen zu den rund 30 Musiktheater-Produktionen, Konzerten, Installationen und Diskussionen. Die Auslastung lag bei 80 Prozent. Viel beachtet wurden das Eröffnungsstück „The Head and the Load“ von William Kentridge und Christoph Marthalers „Universe, incomplete“.

(dpa/see)
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