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Revolverheld in der Lanxess-Arena

Revolverheld in Köln : Vom Feiern des Augenblicks

In der Kölner Lanxess-Arena boten Revolverheld ein großes Konzert mit Spielfreude und Spontanität

Als Revolverheld in der Kölner Lanxess-Arena ihren größten Hit anstimmen, ahnt man, dass dieses Konzert auch in einer verlassenen Scheune hätte stattfinden können, ohne Strom. Ein altes Klavier hätte aus einer windschiefen Ecke die wenigen Akkorde beigesteuert, die jetzt aus dem Keyboard kommen, das Publikum hätte den Raum mit ihren Handylichtern ausgeleuchtet und Sänger Johannes Strate hätte auch dort nicht gesungen, nur dirigiert. „Ich lass für dich das Licht an“ heißt der Song, mit dem Revolverheld in der riesigen Halle eine intime Gemeinschaft schaffen und ein tolles Finale für ein großartiges Konzert voller Spielfreude und Spontanität.

Nach bald 14 Jahren Bandgeschichte, sechs Top-Ten-Alben und unendlicher Rotation im Radio kennt man die Hits der norddeutschen Band in- und auswendig. Ihren perfekten Indie-Rock-Sound mit der nach vorn gemischten Stimme des Sängers, dessen Worte sich direkt einbrennen: das Feiern des Augenblicks, das Fernweh, das oft an das Land Schweden gekoppelt ist, die Nostalgie der bald 40-Jährigen, die von Musik auf Kassetten träumen.

Doch irgendwie schafft es die Band, in Köln das Gefühl aufkommen zu lassen, man höre das alles zum ersten Mal. Sie schafft es vor allem durch die spontanen Zwiegespräche zwischen Sänger Johannes Strate und Gitarrist Kristoffer Hünecke, die die Situation, auf solch einer großen Bühne zu stehen, als etwas wirklich Besonderes und Neues verkaufen: „Die Ehrlich Brothers haben einen Monstertruck auf der Bühne, also wollten wir zwei. Aber es hieß, das sei zu teuer.“ Jetzt funktioniert die Show ganz ohne Monstertruck, dafür mit Knalleffekten, die Luftschlangen oder Konfetti durch die Halle schleudern. Mit Reminiszenzen an die Blue Man Group, wenn die Revolverhelden am Anfang hinter dem geschlossenen Vorhang stehen und als Schatten auf Trommeln schlagen. Mit einer Tanz-Choreographie zu „Immer noch fühlen“, die wie eine Boyband-Satire daher kommt („Die Trainerin hat uns die ganze Zeit nur angeschrien“). Und mit überdimensionalen Luftballons, die die rund 14.000 Fans bei „Ich werde nie erwachsen“ begeistert durch die Gegend stupsen.