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Porträt der Cartoonistin Bettina Schipping aus Düsseldorf

Bettina Schipping : Mit Cartoons gegen die Corona-Angst

Bettina Schipping zeichnet gegen die Krise. Die Cartoonistin, die auch für das Familienmagazin „Libelle“ tätig ist, hat in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit bekommen.

Eine giftgrüne Corona-Kugel, Stiefel an den dürren Beinchen, hält triumphierend ein Bierglas in der ausgestreckten Hand, aus dem eine ebenfalls giftgrüne Flüssigkeit quillt. Das Kügelchen-Gesicht, die Augen weit aufgerissen, schnalzt genüsslich mit der rosa Zunge, und in der Sprechblase darüber erscheint die Parole: „O‘ steckt is!“ Darunter: „Die Pandemie ist eröffnet!“

Dieser Cartoon der Düsseldorferin Bettina Schipping war das Aushängeschild der launig betitelten Sammlung „Ansteckende Cartoons“ in der Havengalerie Bremen. „Die Galeristin hatte ich beim Deutschen Karikaturenpreis kennengelernt“, erzählt Bettina Schipping. „Sie plante schon früh eine Ausstellung zu Corona und fragte mich nach Beiträgen. Da hatte ich schon einiges zum Thema gezeichnet und konnte ihr gleich einen kleinen Packen schicken. Dass mein Cartoon dann aufs Cover kam, hat mich natürlich besonders gefreut.“

Darf man sich lustig machen über eine Krankheit, die für Betroffene großes Elend mit sich bringen kann? „Ich finde, ja“, antwortet Bettina Schipping. „Es ist eine Gratwanderung, das schon. Man muss aufpassen, dass man nicht in die Geschmacklosigkeit abrutscht.“ Davor, glaubt sie, sei sie gefeit. „Mein Humor ist nicht wirklich böse, nicht schwarz genug. Grundsätzlich aber hat jedes Thema das Recht, veräppelt zu werden.“ Gerade dann, wenn es einem Angst macht. „Indem man darüber scherzt, distanziert man sich, erhebt sich gleichsam darüber und schaut einen Moment auf die Sache herab. Das macht sie nicht ungeschehen, aber es tut gut, ein Ventil dafür zu finden. Es gibt einem das Gefühl, am längeren Hebel zu sitzen.“ Das Lachen darüber habe eine befreiende Wirkung. Auch ihre eigenen Ängste klammerte Bettina Schipping mit dem Zeichnen von heiteren Cartoons aus. „Im Frühjahr war ich besorgt und fühlte mich wie im falschen Film. Nie hätte ich geglaubt, dass Corona nach den ersten Bildern aus China so schnell bei uns ankommen würde. Dann war das Virus plötzlich mitten unter uns. So real und so krass.“

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Wie viele andere hat sie sich verkrochen, aus ihrer Altstadt-Wohnung auf die menschenleere Straße geblickt und über die Stille gestaunt. Und sie hat gezeichnet, nicht nur Cartoons zur Pandemie. Zeit dafür hatte sie, in ihrem festen Job gab es in diesen Wochen kaum etwas zu tun. Bettina Schipping ist verantwortlich für die Gestaltung des Düsseldorfer Familien-Magazins „Libelle“. Vor 14 Jahren fing sie als Illustratorin an, übernahm später die gesamte Grafik. Sie liebt ihren Job und ihr eingespieltes Team. Es fügt sich gut, dass ihre zweite Passion daneben noch Platz findet.

Mit dem Zeichnen hat es bei ihr früh angefangen. „Schon in der Schule hatte ich Spaß daran, Episoden unserer Kursfahrten zu verarbeiten. Immer in der Kombination von Bild, Text und Sprechblase.“ In den Zeitschriften ihrer Eltern suchte sie nach Bilderwitzen, mochte schon damals Til Mette und Tetsche im „Stern“. Und sie hatte einen Helden: „Donald Duck! Den wollte ich heiraten. Vielleicht, weil er so ein Losertyp war. Ich dachte, dem muss man aus der Patsche helfen.“

In Neuss aufgewachsen, studierte Bettina Schipping Grafikdesign an der FH Düsseldorf. Vielleicht, so schwebte ihr vor, könnte sie Illustratorin für Kinderbücher werden. Bei der Ausstellung der Examensarbeiten wurden ihre Pläne in eine andere Richtung gelenkt. Sie bekam ein Angebot aus einer Werbeagentur, fühlte sich sicherer im festen Job. Bis sie, längst Mutter zweier Kinder, zur „Libelle“ wechselte. Und eines Tages dachte: „Da war doch mal was, du hattest doch noch etwas anderes vor, jetzt packst du das an.“

Sie reichte ihre Cartoons bei Wettbewerben ein, war für den Deutschen Karikaturisten-Preis nominiert und hat in den kommenden Monaten noch einige Ausstellungen. Ist sie nun Cartoonistin oder Karikaturistin? „Eher Cartoonistin“, antwortet sie. „Karikaturen sind politischer und mit real existierenden Menschen verbunden. Meine Arbeiten sind bestenfalls gesellschaftskritisch.“ Fallen ihr spontane Ideen und witzige Wortspiele ein, greift Bettina Schipping umgehend zu Feder und Tusche. „Dann muss das auch raus, sofort.“