Open Source: Warum es bitter ist, dieses Festival in Düsseldorf zu verlieren

Open Source in Düsseldorf : Warum es bitter ist, dieses Festival zu verlieren

Das Open Source Festival holte die musikalische Gegenwart in die Stadt. Nun findet die letzte Ausgabe an der Galopprennbahn statt. Das ist schade.

Jetzt ist das auch vorbei, am Wochenende ist zum letzten Mal Open Source (OSF), und das ist bitter. Dort traten Künstler auf, die man in Düsseldorf sonst nicht zu sehen bekommt, man musste also nicht mit ICE, Thalys oder Easyjet nach Berlin, Paris oder London reisen, um das Neue zu erleben. Es genügte, mit dem Rad über den Berg zu kommen. In den besten Jahren funktionierte das Programm des OSF, vor allem das Line Up auf der Carhartt-Bühne, wie eine gute Zeitschrift: Guck mal, das gibt es gerade, das ist los, so geht’s zu.

Das OSF konnte eine Inspiration sein, es hatte Gegenwartsbezug, und das tat der Stadt gut, die ansonsten allzu oft auf die Verwaltung ihres kulturellen Erbes setzt. Nun gibt es wieder ein Ereignis, von dem man dereinst sagen wird, dass das super war und man stolz sein dürfe, dass so etwas hier stattgefunden habe. Düsseldorf würdigt das Jetzt am liebsten retrospektiv. Bei Kraftwerk was das ähnlich: Als die Leistung dieser Gruppe längst notariell beglaubigt war, verkaufte sie acht Konzerte in der Kunstsammlung aus. 1981, als die Gruppe den Beginn der HipHop- und Techno-Kultur mit inspirierte, war die Philipshalle beim Heimspiel nicht voll.

Das OSF passte zu Düsseldorf: tolerant, cool und doch jovial, gemeinschaftsstiftend, bisschen mondän, Herz am rechten Fleck. Es war ein Fest für die Familie, man konnte auf der Wiese vor der Hauptbühne picknicken oder dösen, man konnte an den Bierständen abstürzen, man konnte Leute umarmen, und wer Lust auf Ekstase hatte, hob halt ab. Hautfarbe egal, Herkunft egal, sexuelle Orientierung auch: Hauptsache froh im Kopf. Der charakteristischste Moment war denn auch 2018 der Auftritt von Mykki Blanco, die Frau ist und Mann und Rapper und Aktivistin zugleich. Sie sprang von der Bühne ins Publikum, ging auf in der Crowd: Energietransfer, große Gemeinschaft, und wer dabei war, flog durch die folgende Arbeitswoche wie ein Glühwürmchen.

Insofern passt es gut, wie sich das OSF im Fall Talib Kweli verhalten hat. Der fürs aktuelle Festival gebuchte Künstler war mit Postings aufgefallen, in denen er sich als BDS-Unterstützer zu erkennen gab. Die Organisation stellt das Existenzrecht Israels in Frage und will den Staat wirtschaftlich, politisch und kulturell boykottieren. Die Kampagne wurde vom Bundestag als antisemitisch eingestuft. Kwelis Antwort auf die Anfrage der Festivalmacher, wie er es denn nun mit BDS halte, zeugte von Verblendung. Kweli ist ein Ideologe, die Ausladung war konsequent, sie war eine Entscheidung auf dem Boden des Grundgesetzes, im Sinne der Stadt, pathetisch gesprochen: zum Wohl einer weltoffenen Polis.

Die Veranstalter hätten sich in jener Phase mehr Unterstützung aus der Politik erhofft, Zuspruch, Rückendeckung. Auch als erste Hinweise kamen, das OSF werde zu Ende gehen, hielt niemand eine Räuberleiter hin, berichten sie. Weiß man im Rathaus nicht, was da verloren geht?

Das 14. OSF wird das letzte sein. Angemessen ist, das nicht mit einem Trauerzug zu begehen, sondern mit einer Marching Band aus feiernden Menschen. New Orleans in Grafenberg: Hingehen und tanzen.

Hello Goodbye.

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