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Museum Folkwang in Essen: Lagerfeld zeigt, was hinter der Sonnenbrille steckt

Museum Folkwang in Essen : Lagerfeld zeigt, was hinter der Sonnenbrille steckt

Ein Modezar kommt ins Ruhrgebiet. In einer Ausstellung im Museum Folkwang in Essen zeigt Karl Lagerfeld was hinter der dunklen Sonnenbrille steckt: Ein Meister der Inszenierung.

Der Mann weiß, wie man sich und andere zum Glänzen bringt. In der ersten umfassenden Retrospektive seines Schaffens präsentiert sich Karl Lagerfeld als belesener Mann des Auges. "Parallele Gegensätze. Fotografie - Buchkunst - Mode" heißt die vom Modezar selbst konzipierte und mitkuratierte Schau, die bis zum 11. Mai im Museum Folkwang zu sehen ist.

Der Titel ist treffend, wird doch in dem scheinbaren Gegensatz von Lagerfelds vielen Interessen zwischen Popkultur, Luxuswelt und Bibliothek schnell der alles untermalende rote Faden sichtbar: Lagerfeld setzt in Szene - egal, ob sich selbst als Kunstfigur mit weißgepudertem Haar und dunkler Sonnenbrille, ob seine spektakulär leicht schwingende Haute Couture, ob die klassische Schönheit von Männern wie Frauen in seinen Fotografien.

"Alles, was er tut, tut er für die Öffentlichkeit. Er ist Kommunikator und Multiplikator", beschreibt Hans-Jürgen Lechtreck vom Museum Folkwang den 78-Jährigen. Lagerfeld sei ein "Typ der unheimlich viel macht und das alles gleichzeitig."

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Die vom Verleger Gerhard Steidl und Chanel-Kreativdirektor Eric Pfrunder zusammengestellte Ausstellung beginnt mit einem Einblick in das kreative Chaos des Inszenierungsmeister: Am Eingang zur Ausstellung ist sein Arbeitsplatz mit all seinen Werkzeugen nachempfunden: Eine große Balgenkamera auf ihrem Stativ, ein massiger Schreibtisch mit Notizbüchern und Kreide für spontane Eingebungen und vor allem: stapelweise Bücher über Fotografie und Klassische Kunst - 300.000 Exemplare soll seine eigene Sammlung umfassen.

"Ich betrachte die Welt und die Mode durch das Auge der Kamera", schrieb Lagerfeld in einem Vorwort zu einem seiner Fotografiebände. Insbesondere die Fotografie der Zwanzigerjahre habe ihn immer berührt. Seine Konzentration auf die alten Tugenden von Fotografie und Ästhetik, sein Wissen um Kunst und Wirkung, spricht aus allen seinen Arbeiten im Essener Museum: In den auf Leinwand gezogenen Modefotografien zitiert und ehrt er den Meister des amerikanischen Realismus Edward Hopper. Im Nebenraum macht er Oscar Wildes ewig jugendlichen Dorian Gray in großformatigen Porträts zum Thema. Die Ausrichtung an klaren Linien weist dabei eher auf traditionelles Ästhetikverständnis denn auf Experimentierfreude hin.

Lagerfeld hat viel gelesen, viel gesehen. "Das Zusammenfließen einer bildnerischen und literarischen Bildung", mache für ihn Lagerfelds Schaffen aus, sagt Museumsdirektor Tobia Bezzola. Für Bezzola ist die Ausstellung mehr als nur der Coup, mit Lagerfeld eine Portion Glamour ins Ruhrgebiet geholt zu haben. Einem Modeschaffenden im Museum einen Platz einzuräumen, sei die konsequente Weiterentwicklung der Folkwang-Tradition. Die "Kunst in Handel und Gewerbe" als etwas gleichwertiges zur hohen Kunst zu würdigen, sei Antrieb des Kunstsammlers und Folkwang-Gründers Karl Ernst Osthaus gewesen.

Neben zahlreichen Fotografien, Entwürfen, Lagerfelds Filmen und Büchern zeigt die Ausstellung, die Lagerfeld am Freitagabend selbst eröffnen sollte, auch das, was die Welt mit ihm verbindet: Mode und Laufstege. Zu sehen sind seine Haute-Couture-Kollektion aus dem vergangenen Jahr und die Miniaturmodelle seiner gigantischen Einrichtungen für die Modeschauen in Paris, etwa der dreidimensionale Entwurf einer Arena mit echten Bäumen, in der er seine Modekunst perfekt aussehen ließ.

(lnw)