Kunst auf dem Mond

Kunst auf dem Mond : Mond-Kunststück

Die erste Mondlandung vor 50 Jahren ist der Anlass für eine Neuauflage der Statuette „Fallen Astronaut“ von Paul van Hoeydonck. Es ist das einzige Kunstwerk auf dem Mond. Der belgische Zero-Künstler van Hoeydonck (93) und der US-Astronaut Alfred Worden (86) erzählen in Düsseldorf von ihrem einmaligen gemeinsamen Abenteuer.

„Ein kleiner Schritt für einen Mann, ein großer Schritt für die Menschheit.“ Diese Worte funkte US-Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 nach Houston, nachdem er als erster Mensch den Mond betreten hatte. Ein großer Schritt für Paul van Hoeydonck: Dass er als erster und bisher einziger Mensch ein Kunstwerk für den Mond erschaffen durfte, das am Rande eines Kraters dort einige Missionen später von den Apollo-15-Astronauten abgelegt wurde. Ein nicht zu unterschätzender Schritt für die Menschheit: Dass ein Symbol von hier unten, ein Artefakt, eine Statuette aus Aluminium, ein irdischer Gruß, im August 1971 dort oben abgelegt wurde.

Es gab strenge Auflagen der Nasa: Die Figur musste winzig sein, gerade mal achteinhalb Zentimeter ist sie hoch. Leicht sollte sie sein, denn an Bord einer Mondrakete zählt jedes Gramm. Auch durfte sie keine scharfen Kanten aufweisen, nicht magnetisch sein, musste extremes Sonnenlicht und Kälte aushalten. Der belgische Künstler Paul van Hoeydonck (93) hatte seinen „Man on the Moon“, wie er ihn anfangs nannte, abstrahiert und mit runder Silhouette ausgestattet. Und er schweißte ihn in eine blaue Acryl-Kapsel ein, damit er aufrecht auf der Mond­oberfläche platziert werden konnte. Auch das akzeptierte die Nasa nicht, man ließ allein die nackte glatte Statuette zu, die weder ethnische noch geschlechtsspezifische Merkmale aufweist.

Im Handgepäck von Commander David Scott ging sie auf die weite Reise. Liegend fand sie ihren Bestimmungsort. Auf Wunsch der Raumfahrer erhielt sie zudem einen Auftrag, eine Mission. Sie wurde zum Memorial, zum Denkmal für alle bis dahin 14 verunglückten Astronauten umgewidmet und hieß fortan „Fallen Astronaut“. Ihr zur Seite platzierte man ein Schild mit den Namen der gestorbenen Helden, darunter Amerikaner und Russen.

Der Künstler, dessen Name erstmals ein Jahr nach der Apollo-Mission bekannt gegeben wurde, hätte es lieber gesehen, dass das Grundsätzlich-Menschliche im Fokus geblieben wäre. Den „Triumph der Menschheit im All“ drückte für ihn der Mondmensch aus, „er setzt ein universelles Zeichen für Hoffnung. Und nicht für Tod“, sagt Hoeydonck, der am kommenden Donnerstag gemeinsam mit Alfred Worden, (86), Pilot der Apollo-15-Kommandokapsel Endeavour, in Düsseldorf von seinem größten Abenteuer im Leben erzählen wird.

Dass er von Jugend an fasziniert vom Kosmos ist, dass er, der von 1959 - 1966 der Zero-Gruppe zugerechnet wurde und Kontakte mit den Gründern aus Düsseldorf hatte, immer das Thema Universum in seine Wandarbeiten, Collagen und Reliefs einarbeitete. Dass er in den USA endlich in einer Galerie mit seiner Kunst ankam. Und dass dort, bei Dick and Bobby Waddell, eine Mitarbeiterin die Idee formulierte: „Warum bringen wir nicht ein Kunstwerk von Paul auf den Mond?“

Das ganze Projekt lief zögerlich an, die Nasa zeigte sich erst nicht begeistert. Doch der Künstler bekam persönlichen Kontakt zu den Astronauten, die sich freuten, dass einer ihre kosmische Energie und Euphorie teilte. Bei einem Toast im Kontrollzentrum hieß es schließlich: „Lasst uns Pauls Statuette mitnehmen.“ Präsident Nixon musste noch zustimmen, der soll nur gefragt haben, ob Hoeydonck Republikaner oder Demokrat sei. Als Nixon hörte, dass es ein Belgier war, akzeptierte er die Kunstexpedition zum Mond.

Anlässlich der ersten Mondlandung vor 50 Jahren hat sich der hochbetagte Künstler dazu durchgerungen, die Mondskulptur in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Breckner neu aufzulegen. Ursprünglich sollte sie nicht kommerzialisiert werden. So wird die kleine Figur zu einem Preis angeboten, der für jeden erschwinglich sein dürfte. 1971 Stück wurden gefertigt in Erinnerung an das Jahr, als Menschen erstmals das einzige Kunstwerk auf dem Mond ablegten.

Das All ist voll von Technologie-Trümmern. Auch Golfbälle haben die Astronauten auf dem Planeten hinterlassen. Ob der Mann auf dem Mond noch da ist, wo er vor fast 50 Jahren abgelegt wurde, ist fraglich, aber nicht wichtig. Das Zeichen zählt.

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