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Kultur in NRW: Museen und Bühnen arbeiten an der Wiedereröffnung

Kultur in NRW : Wie Museen und Bühnen zurück zum Alltag finden

Der Kulturbetrieb in NRW kommt nur langsam wieder in Gang. Museen können die Hygieneauflagen zwar vergleichsweise einfach umsetzen. Besucher kommen aber nur zögerlich. Noch schwieriger haben es die Theaterbühnen.

Normalerweise herrscht am ersten Donnerstag jeden Monats Trubel im Kölner Museum Ludwig. Denn dann hat das Kunstmuseum immer bis 22 Uhr geöffnet und bietet außerdem Führungen, Lesungen oder Konzerte an. Doch am ersten Mai-Donnerstag blieb es ungewohnt ruhig. Statt der üblichen mehreren Tausend Besucher seien im Laufe des Tages nur 470 gekommen, sagt Museumssprecherin Anne Niermann. „Es war alles recht entspannt.“ Die Besucher trugen Mundschutz und hielten problemlos Abstand voneinander.

Auch im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, das ähnlich wie das Museum Ludwig am 5. Mai als eines der ersten Museen in Nordrhein-Westfalen wieder öffnete, war die Resonanz bei den Besuchern zunächst verhalten. „Das Publikum ist deutlich verängstigt und sieht den Museumsbesuch als Gefahrenquelle an“, beobachtet Museumsmitarbeiter Gerd Dethlefs. Dabei ließen sich die Hygiene-Auflagen in den größeren Häusern recht gut umsetzen, sagt Dethlefs, der zugleich die Geschäftsstelle der Vereinigung westfälischer Museen leitet. Nach seiner Beobachtung haben die meisten westfälischen Museen bereits wieder die Türen geöffnet oder bereiten sich gerade darauf vor. Wie in Geschäften gilt hier Maskenpflicht sowie die Abstandsregel von mindestens 1,5 Metern. Außerdem wird nur eine begrenzte Zahl von Besuchern eingelassen.

Derzeit sei das aber kein Problem, sagt Dethlefs. Kleinere Häuser mit engeren Räumlichkeiten sicherten den Abstand zwischen den Besuchern häufig, indem sie Rundgänge auswiesen, so dass die Besucher nur in eine Richtung liefen, beobachtet Dethlefs. Einige größere Häuser wie etwa die Bundeskunsthalle in Bonn bieten die Möglichkeit, online Tickets für bestimmte Zeitfenster zu kaufen. Damit könnten die Besucher dann sicher sein, sofort ohne Wartezeit eintreten zu können, erklärt Kunsthallen-Sprecher Sven Bergmann.

Während die Museen darauf hoffen, dass die Besucher nach und nach zurückkehren, kämpfen die Bühnenbetriebe noch mit der Umsetzung der Hygieneauflagen. Das Düsseldorfer Kulturministerium gab in der vergangenen Woche grünes Licht für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab dem 30. Mai. Dennoch gebe es nur vereinzelt Überlegungen, noch vor dem Herbst wieder zu starten, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands Mitte des Deutschen Bühnenvereins, Robert Kuth. Die Hygiene-Auflagen seien für Bühnenbetriebe nur schwer zu erfüllen. So muss nicht nur der Abstand zwischen den Zuschauern gewährleistet sein. Auch die Künstler müssen 1,5 bis zwei Meter auseinanderrücken.

Diese Auflage macht auch großen Häusern zu schaffen. Man arbeite mit Hochdruck an der Umsetzung der notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, erklärt Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg. Doch noch ist offenbar nicht klar, ob es gelingt, die geplanten Stücke unter den neuen Bedingungen aufzuführen. „Zeitgleich arbeiten wir natürlich an Programmalternativen“, sagt Meyer. Denkbar wären etwa kleinere Formate, bei denen weniger Akteure auf der Bühne stehen.

 "Wir vermissen euch, bleibt gesund" steht auf einem Banner am Schauspielhaus Bochum.
"Wir vermissen euch, bleibt gesund" steht auf einem Banner am Schauspielhaus Bochum. Foto: dpa/Caroline Seidel

Auch beim Theater Bonn wird die Spielzeit trotz der Lockerungen nicht wieder aufgenommen. Es gebe zahlreiche Fragen zu klären, sagt Sprecherin Felicitas Weber. So müssten zum Beispiel die Abstandsregeln auch hinter der Bühne gewahrt werden, etwa in der Maske, bei Kostümanproben oder bei der Technik. Derzeit arbeite man an Lösungen. Eine der wenigen Bühnen, die trotz der strengen Auflagen spielen kann, ist das Theater Oberhausen. Dort wird Elfriede Jelineks Stück „Prinzessinnendramen“ als Hörspaziergang im Freien inszeniert. Wann die Bühne wieder bespielt werden kann, steht jedoch auch in Oberhausen noch nicht fest. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Sprecherin Monika Madert.

Auf eine schnellere Rückkehr in den Spielbetrieb hofft hingegen das Team der Kölner Philharmonie. Dort prüfe man Möglichkeiten, ab Anfang Juni wieder Konzerte anzubieten, sagt Sprecher Othmar Gimpel. Wegen der Abstandsregeln würden für die 2.200 Plätze wahrscheinlich zunächst nur 200 Tickets verkauft. Nach ersten Erfahrungen könne man die Besucherzahl möglicherweise später auf 500 hochfahren. Denkbar seien auch Konzerte mit kleinerer Besetzung, für die dann auch der Ticketpreis reduziert würde.

Am weitesten entfernt von der Rückkehr auf die Bühne sind hingegen kleinere Privat-Theater. So bereiten etwa dem Haus der Springmaus in Bonn nicht nur die Hygiene-Anforderungen Kopfzerbrechen. „Uns beschäftigt vor allem die Tatsache, dass wir nicht vor vollem Haus spielen können“, sagt Mitarbeiter Volker Ohl. Denn der Aufwand für eine Vorstellung bleibe gleich, auch wenn nur weniger als ein Drittel der Plätze besetzt werden könnten. „Da kann es sein, dass die Kosten den Nutzen übersteigen.“ Derzeit versucht das Kabarett-Theater im Geschäft zu bleiben, indem es die Bühnen zweier neuer Bonner Autokinos mit bespielt. „Wie es im Herbst weitergeht, ist aber noch völlig offen“, sagt Ohl.

Eine Auswahl der Museen, die bereits geöffnet haben, finden Sie hier.

(chal/epd)