Kevin Spacey wird 60. Die Anklage gegen ihn wurde fallen gelassen

Kevin Spacey : Der Verstoßene wird 60

Das bisher einzige Verfahren gegen Schauspieler Kevin Spacey wurde eingestellt.

(dpa) So oft haben wir dieses Erfolgsgesicht gesehen. Es hat uns berührt als frustrierter Vorstadtvater in „American Beauty“, einen Schauer über den Rücken getrieben als ruchloser Politiker Frank Underwood in „House of Cards“. Im Sommer 2019 spielt Kevin Spacey keine Rolle mehr. Seine Bühne war in den letzten Wochen ein Provinz-Gericht auf der US-Ostküsten-Insel Nantucket.

Kein roter Teppich mehr, kein Lächeln für die Kameras – nur die aufgeregten Reporter sind noch immer da. Spaceys Wangen wirken etwas runder als man sie aus unzähligen Produktionen kennt, seine Haut ist fahl und konkurriert mit dem Grau seines Anzugs. Der Glamour ist verflogen nach seinem tiefen Fall, nach den Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs.

Von der Kunstfigur Underwood war nichts zu sehen, als der Beschuldigte Spacey im 11.000-Seelen-Ort Nantucket im Juni schweigend in den Gerichtssaal ging, wie TV-Bilder zeigten. Er hätte zu dieser Anhörung nicht erscheinen müssen, doch seine Anwesenheit kann als Zeichen für den Stellenwert gesehen werden, den der Fall für ihn einnimmt. Es war die einzige Anschuldigung gegen Spacey, die es bislang vor ein Strafgericht geschafft hat. Es ging um einen unsittlichen Angriff und Körperverletzung, Spacey soll im Juli 2016 in einem Restaurant auf Nantucket einen damals 18 Jahre alten Mann betrunken gemacht und unsittlich berührt haben. Der Schauspieler hatte auf unschuldig plädiert.

Spacey, der am Freitag 60 Jahre alt wird, musste mit einem Prozess, und im Falle eines Schuldspruchs, mit einer Haftstrafe rechnen. Doch kurz vor seinem Geburtstag kam die Wende. Eine gute Woche zuvor ruderte die Staatsanwaltschaft zurück. Die Anklage wurde fallen gelassen, weil das mutmaßliche Opfer, heute 21 Jahre alt, nicht vor Gericht aussagen wollte. Die Glaubwürdigkeit des Hauptzeugen war schon seit einer Weile angeschlagen. Der zuständige Richter Thomas Barrett stellte schon Anfang Juli in Aussicht, die Anklage könne verworfen werden. Die Einstellung des Verfahrens muss für den früheren „House of Cards“-Star eine große Genugtuung sein, doch ob er je wieder als Schauspieler Erfolg haben kann, scheint weiter fraglich.

Mehr als 30 Jahre lang konnte Spacey machen, was er wollte. Als junger Mann ging er nach New York und ergatterte seine ersten Rollen am Theater, spielte am Broadway und bekam 1991 einen Tony für seine Rolle in Neil Simons Erfolgsstück „Lost in Yonkers“. Später wandte Spacey sich dem Kino zu und sorgte als Serienmörder in „Sieben“ für Aufsehen, erhielt 1996 den Nebenrollen-Oscar für „Die üblichen Verdächtigen“ und vier Jahre später die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller in „American Beauty“. Seine Paraderolle fand er mit Frank Underwood in „House of Cards“, die mit dem Golden Globe belohnt wurde.

Die Erfolgsserie endete ohne Spacey. Netflix beendete die Zusammenarbeit, nachdem ihm ab Herbst 2017 in mehr als 30 Fällen sexuelle Übergriffe und Belästigung vorgeworfen wurden. Filmemacher wandten sich von dem Star ab, aus dem Film „Alles Geld der Welt“ von Ridley Scott wurde Spacey herausgeschnitten.

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