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Jazz-Musiker Heiner Rennebaum

Jazz aus Düsseldorf : Kraft aus der Stille

Der Jazz-Gitarrist und Hochschuldozent Heiner Rennebaum geht nach 30 Jahren Bühnenabstinenz wieder auf Tournee.

Es ist Weiberfastnacht, und Heiner Rennebaum wirkt leicht verzweifelt. Der gebürtige Sauerländer hat wenig Karnevals-Ambitionen und schon geahnt, dass man sich an diesem Tag besser nicht in der Düsseldorfer Innenstadt trifft. Als ein halbwegs stilles Plätzchen abseits des kostümierten Trubels gefunden ist, erzählt der Jazz-Gitarrist, dass er mittlerweile generell zur Ruhe tendiert, auch musikalisch. Das hört man seinem tollen neuen Album „Heiner Rennebaum Doppelquartett Live“ an, das er mit einem Jazz-Quartett und einem Streichquartett bei einem Auftritt in der Jazz-Schmiede aufgenommen hat. Nach 30 Jahren Bühnen-Abstinenz will er mit dieser Formation jetzt auf Tour gehen.

„Kritiker waren erstaunt, als sie das Album gehört haben“, erzählt der 63-jährige Heiner Rennebaum, der seit 1990 auch Jazz-Gitarre an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf unterrichtet. „Früher habe ich eher so ‚high energy‘ gespielt.“ Mit früher meint er die 1980er Jahre als er mit der Fusion-Band Rimaak unterwegs war, mit der er 1986 auch den Förderpreis der Stadt Düsseldorf als Gitarrist und Komponist erhielt. Oder das Heiner-Rennebaum-Quintett, mit dem er experimentelle Klänge spielte. Ganz früher, da war er 14 Jahre alt, lebte er in Menden, hatte ein Idol, das Jimi Hendrix hieß, und spielte in Schülerbands Rock- und Popmusik. Aufbauend auf den Klavierunterricht, den er als Kind genossen hatte, brachte er sich selbst das Gitarrespiel bei und ging mehr und mehr in die Jazz-Richtung, entdeckte mit Freunden das Werk von Miles Davis, Herbie Hancock oder Weather Report – Fusion-Jazz, der die Energie von Funk und Rock aufnahm. „Heute gibt es ja in jedem kleinen Ort gute Lehrer und das Internet mit Video-Tutorials“, sagt er. „Wir mussten uns damals alles selbst beibringen.“

Natürlich musste sein Studium etwas mit Musik zu tun haben. Er entschied sich für Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule. „Ein Jazzstudium gab es damals noch gar nicht in Deutschland.“ Fünf Jahre nach seinem Abschluss meldete sich sein ehemaliger Lehrer John D. Thomas, bei dem er Jazz- und E-Gitarre studiert hatte und bot ihm an, seine Dozentur zu übernehmen. Seitdem ist Rennebaum Hochschullehrer, mit einem Partner richtete er sich außerdem ein Studio ein, in dem er unter anderem eigene Musik oder Sounds für Werbung und Informationskampagnen aufnimmt.

Obwohl Heiner Rennebaum mit seiner Band Rimaak einen größeren Bekanntheitsgrad erreichte, auch Festivals spielte und in überregionalen Medien Erwähnung fand, hängte er das Live-Musikgeschäft 1990 an den Nagel. Auf Dauer sei es zu anstrengend gewesen, am Ball zu bleiben, Auftritte zu organisieren. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es ganz“, sagt er. Und tatsächlich: Bis zum vergangenen Jahr hat er nur noch genau zweimal vor Publikum gespielt: 2003 mit seinem elektronischen Acid-Jazz-Studioprojekt Bonobo Club in Düsseldorf, weil er die Chance bekam, dazu Videos an das Schauspielhaus zu projizieren.

Doch zuletzt, da spukten ihm wieder Ideen für ein Live-Konzept im Kopf herum. „Das Komponieren ist ein einsames Geschäft“, weiß er und mochte deshalb den Gedanken, einige Kompositionen seines Soloalbums „Pianavia“ für ein Ensemble mit Streichern zu erweitern und auch neue Stücke zu schreiben. Schon „Pianavia“ ist außergewöhnlich ruhig geraten; Musik, die ihre Kraft aus der Stille gewinnt, ein Ausloten der Töne bis zu ihrem Verklingen wie bei einer Klangschalen-Meditation. „Privat höre ich mittlerweile viel Arvo Pärt oder Henryk Górecki“, erzählt der Jazz-Musiker und lacht: „Vielleicht macht das das Alter.“ Außerdem meditiere er regelmäßig – „ohne dass eine Religion oder Weltanschauung dahinter steht. Ich bin Agnostiker wie alle anderen.“

Für die neue Formation konnte er auf sein gutes Netzwerk setzen: Mit Max Hilpert sitzt der Sohn des Kraftwerk-Mitglieds Fritz Hilpert am Schlagzeug, der auch das Album gemastert hat. Geiger Markus Wienstroer spielt sonst Gitarre und hat schon mit Leuten wie Marius Müller-Westernhagen oder Till Brönner zusammengearbeitet. Bassist Alex Morsey begleitete unter anderem den Trompeter Matthias Schriefl und Saxofonist Jan Klare ist mindestens NRW-weit sehr umtriebig bekannt, zum Beispiel als der Formation The Dorf oder auch als Theatermusiker.

Mit diesen Musikern entfaltete Heiner Rennebaum jetzt seine neue Vision einer mäandernden, minimalistisch-melodiösen Jazz-Ambient-Musik und hofft auf eine erfolgreiche Tour, die vielleicht Festivalauftritte nach sich zieht – oder die Lust auf eine neue Platte.

Info Heiner Rennebaums Doppelquartett ist live zu erleben am 1. März in der Berger Kirche in Düsseldorf. Das Album „Heiner Rennebaum Doppelquartett Live“ ist bereits bei Umland Records erschienen.