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31. Haldern-Pop-Festival: Ganz Haldern feiert mit Patti Smith

31. Haldern-Pop-Festival : Ganz Haldern feiert mit Patti Smith

Bei der 31. Festival-Auflage brillierten vor 7000 Fans Sam Smith und Hozier.

Sie bangen. Sie wollen rein. Hunderte Fans in der Schlange vor dem Spiegelzeit möchten All the Luck in the World sehen und Teil dieses fantastischen Auftritts sein. Doch ihnen bleibt nur die Leinwand. Die, die es geschafft haben, sind glücklich. Die Jungs aus Irland spielen nicht, sie zaubern - mit einer bewegenden Sanftmütigkeit. Bei "Never", dem Song aus der Trivago-Werbung, hofft man einfach nur, dass dieses Lied und dieser Moment nie enden wird.

All the Luck in the World sind ein Höhepunkt beim 31. Haldern-Pop-Festival. Knapp 7000 Zuschauer erleben auf der Reitwiese drei Tage lang Indie, Rock und Pop von 60 Bands. Das Wetter hätte am zweiten Festivaltag allerdings nicht viel schlechter sein können. Sintflutartiger Dauerregen verwandelt das Festivalgelände in ein Areal voller Matsch. Den Fans ist das egal.

Sam Smith, der gute Chancen auf den Titelsong zum neuen James-Bond-Film hat, darf als einziger zweimal auftreten. Mit seiner hohen Gospel ähnlichen Stimme und seinem Akustikset passt der 22-jährige Brite perfekt auf die Bühne der Kirche St. Georg. Für das spirituelle Ambiente sind seine Lieder aus dem Album "In the Lonely Hour" prädestiniert. Auf der Hauptbühne trotzt er dann mit einer größeren Band und mehr Lautstärke dem Wetter. "Es tut mir so leid, dass es so nass ist", sagt er. Er lässt den Regen vergessen. Bei "Money On My Mind" dirigiert er mit seinem linken Arm förmlich das Publikum, das die Regenschirme tanzen lässt. Als er seinen Nummer-eins-Hit "La la la" singt, hält er den Kopf schief. Er blickt die Zuschauer fragend an. Gut so? Bei Darbietungen wie der von Smith, romantisch in der Dunkelheit, zeigt das Haldern Pop seinen gesamten Charme.

Richtig stimmungsvoll ist es bei Patti Smith. Als die fast 70-jährige US-Rockröhre auf der Hauptbühne "Because the Night" in den Abendhimmel schmettert, singt, hüpft und jubelt ganz Haldern mit ihr.

Einzigartig und typisch Haldern ist die Atmosphäre im Spiegelzelt. Es ist schwitzig, muffig, die Luft kaum auszuhalten. Aber es ist perfekt. Der 24-jährige Ire Hozier, der mit den zerzausten langen Haaren aussieht, als sei er gerade erst aufgestanden, legt eine glanzvolle Performance hin. Bei "Take Me to Church" wagt niemand, zu reden. Das düstere Lied wird besänftigt durch die Sonne, die in das Zelt scheint. Deutlich schneller, aber nicht minder fesselnd ist seine Coverversion von Ameries "One Thing". Wie Hozier bezaubert auch Enno Bunger, einer der wenigen deutschsprachigen Künstler des Aufgebots, mit viel Gefühl im Zelt. Die Stimmung an den drei Tagen ist ergriffen. Doch richtige Mitgeh-Auftritte wie die der Black Lips, der Fat White Family und der von Patty Smith sind selten. Die Bands stehen hauptsächlich für eine Musik zum Genießen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Haldern Pop 2014 mit Patti Smith und viel Matsch

(RP)