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Gamescom in Köln: Wladimir Kaminers böse Videospiel-Welt

Köln : Wladimir Kaminers böse Videospiel-Welt

Erfolgsautor Wladimir Kaminer reißt die Mauern ein zwischen analoger Erzählkunst und digitalem Storytelling. "Literatur und Computerspiele sind beides Werkzeuge, um eine Geschichte zu erzählen", sagt er im Interview. Und unter dem Titel "Je Doller dosto Jewski" hat Kaminer darum auch gleich das Drehbuch für ein Videospiel geschrieben, das er gestern bei der Computerspielmesse Gamescom in Köln vorstellte.

Angelehnt an Dostojewskis "Schuld und Sühne" ist sein Script eine bitterböse, sarkastische Lösung des Generationenkonflikts voller schwarzem Humor: Die Hauptfigur, Herr Spalter, nimmt das Leben selbst in die Hand - mit der Axt Fixka. Bei Kaffeefahrten und im Musikantenstadl tötet er damit "Omas", die auf dem Geld sitzen, von dem er als junger Mann profitieren möchte. So wird er plötzlich zum Helden einer jungen Generation. Am Ende tritt Spalter gegen den finalen Gegner an: eine Feuer speiende Kanzlerin. Sie hält die junge Seele des Landes gefangen.

"Die junge Generation wird in eine Welt geboren, die fest in den Händen alter Menschen ist", meint Kaminer. Und natürlich wollen die Jungen darum etwas Neues schaffen und die Welt verändern. In seinem Computerspiel-Drehbuch überdreht Kaminer diesen Gedanken. "Und ich hatte sehr viel Spaß dabei."

Ob er noch einmal ein Drehbuch für ein Spiel schreiben würde? "Ich finde den Gedanken recht unterhaltsam, große Werke der Weltliteratur interaktiv umzusetzen." Berührungsängste hat er dabei nicht. Schließlich seien Computerspiele ideal dazu geeignet, im Altbewährtem etwas Neues zu sehen. Zumal gerade die Online-Titel, bei denen Hunderte oder Tausende Menschen weltweit übers Internet spielen, längst auch "ein Kommunikationsmittel sind, über das sich die Welt erschließt".

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(RP)