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Festival "Die Digitale" in Düsseldorf

Festival „Die Digitale“ : Das Kreuz mit der Digitalisierung

Die fünfte Ausgabe des Festivals „Die Digitale“ kann wegen Corona nur in abgespeckter Form stattfinden. Das Motto in diesem Jahr lautet „Digital Secrets“.

Vielleicht wird einigen Besucher der Düsseldorfer Altstadt in diesen Tagen eine ungewöhnliche Prozession aufgefallen sein: Eine Gruppe um den portugiesischen Künstler Filipe Vilas-Boas trug den klein geschriebenen Buchstaben „F“, wie er als Logo für den Konzern Facebook fungiert, auf den Schultern durch die Straßen wie Jesus sein Kreuz. Die Aktion, die auf Hoffnung und Unterdrückung aufmerksam machen will, die mit der Welt der Sozialen Medien verbunden sind, gehört zum Festival „Die Digitale“. Es findet bereits zum fünften Mal statt, und sein Programm wird wegen der aktuellen Corona-Maßnahmen wahrscheinlich auf eine Ausstellung im Weltkunstzimmer zusammengestaucht, die Sonntagabend schon wieder schließen muss.

Als Thema haben die Kuratoren Werner Pillig und Peter Witt dieses Jahr „Digital Secrets“ gewählt, also „Digitale Geheimnisse“. Auf den Plakaten ist ein digital verfremdetes Teil-Portrait von Julian Assange zu sehen, der mit seiner Plattform Wikileaks für Transparenz in der digitalen Welt gekämpft hat und heute mit dem Tod bedroht wird. „Wie sehr bedroht die Überwachung durch Staat und Unternehmen unsere eigenen privaten Geheimnisse?“, fragen die Kuratoren. „Wie sehr hat sich unser bürgerliches Verständnis von Privatheit inzwischen gewandelt?“

„Auf der einen Seite stehen die Nutzer der Sozialen Medien, die viele Daten freiwillig preisgeben“, sagt Peter Witt. „Auf der anderen Seite hüten die Unternehmen hinter Plattformen wie Google, Facebook oder Amazon ihre Algorithmen wie Staatsgeheimnisse – dabei betreffen sie uns alle und steuern unser Leben, unsere Handlungen.“ Aus über 130 Einsendungen habe man rund 30 sehr internationale künstlerische Positionen ausgewählt und mit einigen selbst angefragten Werken die Schau im Weltkunstzimmer zusammengestellt.

Dazu gehören zwei namhafte, bereits verstorbene Künstler: Der Filmemacher Harun Farocki hat in seiner Videoinstallation „Ernste Spiele“ untersucht, wie Videospiele sowohl als Trainingsinstrumente im Militär als auch als Therapie eingesetzt werden. Michael Wolf hat sich für „Foto Prints“ von 2011 mit der automatisch produzierten Bilderflut des Kartierungsprojekts Google Street View auseinandergesetzt und ist dabei auf massenhaft Bilder gestoßen, in denen Menschen den Kamerawagen ihren Mittelfinger zeigen.

Auch Paolo Cirio hat einen ungeheuren Rechercheaufwand betrieben: Für die Installation „Sociality“ hat er sich mit 15000 Patente auseinandergesetzt, die Nutzer der Sozialen Medien manipulieren, überwachen, polarisieren, täuschen.

INFO
 Die Ausstellung im Weltkunstzimmer ist Freitag 17-21 Uhr, Samstag 14-20 Uhr und Sonntag 14-18 Uhr geöffnet. Das Konzert-Begleitprogramm an anderen Off-Orten ist größtenteils abgesagt oder wird verschoben.
www.die-digitale.net