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Essen: Die Toten Hosen füllen das Stadion

„Laune der Natour“ : Fulminanter Tourauftakt der Hosen in Essen

Vor 20.000 Fans haben die Toten Hosen in Essen ihre „Laune der Natour“ gestartet. Das Publikum freute sich über die Klassiker, aber auch die neuen Hits. Und das Essener Stadion war endlich mal wieder voll.

Der Himmel nahm ihnen ihre eigenartige Schreibweise des Titels nicht krumm: Beim ersten von zwei Konzerten mit der „Laune der Natour“ konnten die „Toten Hosen“ und ihr Publikum im Essener Stadion einen milden, trockenen Frühsommerabend genießen. Dazu passte das karibisch aufgemotzte Logo der Band, ein Totenkopf inmitten tropischer Farbenpracht.

Und es gab viel Lokalkolorit. Campino erinnerte sich an einen Besuch vor etlichen Jahren im alten Stadion, wo die Hosen als Begleiter beim Spiel Fortuna gegen Rotweiß mit wüsten Beschimpfungen empfangen worden waren: „Heute schlagen wir zurück. Was kann es Schöneres geben für einen Fortuna-Fan als ein Auswärtsspiel bei Rotweiß Essen? Aufgepasst: Nur die Toten Hosen füllen euer neues Stadion bis auf den letzten Platz.“ Da wogte ein kleines Fahnenmeer auf mit den Logos der Band und dem Roten „F“ der in die Oberklasse aufgestiegenen Düsseldorfer. Aber es wehte auch ein einsames Banner des HSV, das man lieber nicht als böses Omen deuten will.

Fans freuen sich über die Klassiker

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Fünf Jahre nach ihrem Album „Ballast der Republik“ ist die Band mit einem neuen Programm auf Tour. Darunter sind zur Freude der Fans manche Klassiker, aber der ausverkaufte Abend machte deutlich, dass es auch die neuen Songs schnell ins Allgemeingut der Hosen-Fans geschafft haben. „Der Songkosmos wurde für die Fans zu einem Soundtrack ihres Lebens“, schrieb ein begeisterter Langzeit-Beobachter der Gruppe.

Bereits der Titelsong brachte Tausende auf dem Stadionrasen zum Kochen. Weiter ging es mit „Bis zum bitteren Ende“, „Weil du nur einmal lebst“ und als es dann beim „Liebeslied“ von Campino hieß: „Ich will eure Hände sehen“, wogte ein Meer von Armen und Handy-Lichtern in den Essener Abendhimmel. Weitere Kracher folgten: „Steh auf, wenn du am Boden bist“, „Halbstark“ und als bejubelte Alternative zu „Harry und Meghan“, der Song „Bonnie und Clyde“.

Hosen begeistern Großeltern wie Enkelkinder

Es ist ein Ausnahme-Phänomen der „Toten Hosen“, dass die Band es schafft, Menschen der unterschiedlichsten Altersgruppen zu begeistern. Seit 35 Jahren wachsen immer neue junge Fangruppen nach, und auch in Essen wurden tanzende Großeltern mit ihren Enkelkindern gesichtet. Das war nicht immer so. „Wir werden niemals einer Meinung sein“, hieß es noch vor zwanzig Jahren, wobei das eigentlich ein Liebeslied war. Campino erinnert sich: „Am Anfang sahen wir es als unsere Aufgabe, die Jungen von den Alten zu spalten. Es war in unserem Sinne, wenn die Eltern schimpften: du gehst nicht auf ein Konzert der Toten Hosen.“ Inzwischen aber, freut sich der Bandleader, nähmen die Kinder ihre Eltern mit in die Punk- und Rock-Arenen.

Das mag auch an den immer noch bescheidenen Eintrittspreisen liegen und daran, dass sich die Toten Hosen für Organisationen wie „Oxfam“ und „Pro Asyl“ engagieren. Beide sind Mitveranstalter der neuen Tournee.

Hervorragende Licht- und Video-Installation

Bekanntermaßen setzen die Toten Hosen weniger auf teure Pyrotechnik als vielmehr auf eine hervoragende Licht- und Video-Installation. Bei der „Laune der Natour“ ist die einfach hinreißend und fantastisch. Rotblaue Nachtstimmungen, ikonisch-geometrische Flashs und nostalgische Schwarzweiß-Einblendungen wechseln mit okkulter Symbolik und immer wieder dem karibischen Piraten-Flair.

Vielleicht nicht für alle, aber nach dem Musikverständnis der Toten Hosen ist auch ihr neues Programm Punk in Reinkultur. Da kommen die hosentypischen Vollgas-Kracher neben knalligem Powerpop, Balladen, Hymnen und wohldosiertem Pathos. Ihren verstorbenen Schlagzeuger Wölli hört man als Einspielung bei dem Song „Kein Grund zur Traurigkeit.“

Die Begeisterung der 20.000 Fans im Essener Stadion kannte keine Grenzen. Und der Tournee-Erfolg, das ist sicher, wird seine Fortsetzung finden bei den dreißig Konzerten von Luxemburg bis Berlin, von Braunschweig bis Bayreuth. „Wie viele Jahre kann das noch weitergehen?“, fragt ein Songklassiker der Toten Hosen. Nach diesem großartigen Essener Abend kann die Antwort nur lauten: hoffentlich noch ewig.