Benrath: Düsseldorf nimmt teil an Wölfls Tanzuniversum

Benrath : Düsseldorf nimmt teil an Wölfls Tanzuniversum

Es sind nicht die Tänzer, die den ersten Blick auf die Bühne des Benrather Marstall lenken, seit Jahren Heimat von VA Wölfls Kompagnie Neuer Tanz.

Zwei "Tannoy Westminster Royal SE"-Lautsprecher beherrschen den grellweißen Raum - nussbaumgetäfelte Schränke, die aus den 60er Jahren zu stammen scheinen, größere und teurere Boxen gibt es nicht. Dazwischen ein Tänzer im Anzug. "Thank you for coming", wiederholt er, der Einstieg in einen neuen Abend von VA Wölfls eigener und einzigartiger Welt. Ein Blues-Boogie wie von John Lee Hooker wird zum Leitmotiv, Tanzstile wie Rumba und Cha Cha Cha werden - nun eben nicht parodiert.

Die Aneignung populärer Musik gerät beim Neuen Tanz zu einem wunderbar melancholischen Akt der Verfremdung. Wenn Peter Hastik mit entwaffnendem Lächeln diese einfachen Schritte tanzt, ist da hinter der Party-Stimmung eine Wehmut, so wie auch im Gruppentanz "from the future", eine Hommage an die Szenen aus der TV-Serie "Raumpatrouille".

Immer wieder formen VA Wölfs Tänzer menschliche Skulpturen, so als sei all die Bewegung für den Künstler nur ein Mittel zum Stillstand, zum Tableau. Zwischen den spielerischen Momenten auch ein Schock: "Mein Körper ist ein Zeugnis brutaler Demokratie", sagt Kristin Schuster in ihrem schicken Kostüm. Dann zieht sie mit der Hand ein Rechteck über ihren Bauch, brutal über die Lautsprecher verstärkt klingt und sieht das aus wie eine Entleibung.

Immer wieder bricht VA Wölfl seine Versuchsanordnungen auf, sein Tanztheater ist auch Metatheater, weist auf die Umstände des Tuns hin. "Raus", verabschiedet sich der Performer schließlich, der am Anfang fürs Kommen gedankt hatte. Fast zögerlich folgt das Publikum der Aufforderung.

(RP)
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