Diskussion über Rechtspopulismus beim Asphalt Festival

Asphalt Festival in Düsseldorf : Diskussion über Kunst: Raus aus der gemütlichen Stabilität!

Dorothee Krings, Redakteurin unserer Zeitung, regte mit ihren Thesen über die Polarisierung unserer Gesellschaft eine Diskussion über die Rolle des Künstlers in der Gegenwart an.

In Zeiten des drastischen gesellschaftlichen Wandels und des Erstarkens des Rechtspopulismus drehte sich ein Abend des Asphalt-Festivals um die Frage: „Kunst in einer sich polarisierenden Welt – wofür kämpfen wir?“ Darüber diskutierten Künstler und Kulturschaffende in der Glashalle des Weltkunstzimmers. Den einleitenden Impulsvortrag hielt Dorothee Krings, Kulturredakteurin der Rheinischen Post. Den Begriff Polarisierung verknüpfte sie mit der zunehmenden Ungleichheit, auch bei der Verteilung des Vermögens. Dies wirke sich auf alle Lebensbereiche aus – Wohnen, Freizeit, Ernährung, Konsum, Urlaub. Die sozialen Milieus beeinflussen die Entwicklung der Menschen. Traditionelle Gruppen driften auseinander, durch Städte ziehen sich Grenzen, als betrete man ein fremdes Land. Die Spaltung führe zu Neid, zu immer leichtfertiger bezogenen Positionen, zum Verschieben von Schmerzgrenzen, denn: „Auf Worte folgen Taten.“

Das liberale Bürgertum müsse alarmiert sein und klare Kante zeigen, damit der geschützte Raum der Öffentlichkeit, in dem jeder seine Meinung sagen darf, nicht gefährdet werde. Dass Künstler sich gegen Rechtspopulismus engagieren, könne nicht verlangt werden: „Sie sind frei, sich zu beschäftigen, womit sie wollen. Wenn diese Freiräume aber beschnitten und die Künstler vereinnahmt werden, ist die Zeit gekommen, sich einzubringen.“ Indem sie wachsam sei und falsche Vereinfachungen entlarve, könne die Kunst vormachen, wie man sich auf solche Anstrengungen einlässt und gestärkt daraus hervorgeht.

Die geschliffenen Thesen beflügelten eine lebhafte Diskussion. Moderator Bojan Vuletic, künstlerischer Leiter des Festivals, wollte wissen: „Ist Polarisierung eine Inspiration für Künstler?“ Choreograph Ben J. Riepe stellte seine eigene Position in den Fokus, die sich ständig verändere. Ihm gehe es in seinen Projekten um kulturellen Austausch und das Bedürfnis, diese Prozesse mitzuteilen. Auch für Regisseur Helge Schmidt ist Zorn kein direkter künstlerischer Impuls. Auslöser für sein jüngstes Theaterstück „Cum-Ex Papers“ über den Milliarden-Steuerraub war ein Zeitungsartikel, bei dem er sich überlegte: „Wie konnte das passieren, wie kann ich an der Schraube drehen?“

Hannah Hofmannn vom Künstlerkollektiv Hofman & Lindholm hat beobachtet, dass gesellschaftliche Gruppen nicht mehr zuzuordnen sind, alles habe sich komisch vermischt. Künstler seien aufgefordert, ihren eigenen Raum zu definieren und zu öffnen. Ihr Theaterpartner Sven Lindholm sieht einen Unterschied zwischen der Freiheit der Kunst und der Künstler („Menschen haben Emotionen“) und riet zum Ausbruch aus einer „gemütlichen Stabilität.“ Christine Peters, Expertin Performing Arts der Kunststiftung NRW, beklagte eine Sprachverwahrlosung und riet als Gegenmaßnahme zu Allianzen mit den Medien. Stefan H. Kraft, Theaterpädagoge und Regisseur, legte den Finger in die Wunde: „Es gibt ein enormes Reichweitenproblem. Wer schaut denn an, was wir machen? Wir Kulturschaffende haben uns in eine exklusive Blase begeben.“

Ein Zuhörer stimmte zu. „Die Diskussion bringt nichts, es ändert sich ja nichts.“ In der Kunst, da herrsche Einigkeit, sei intensivere Kommunikation nötig, um die bildungsbürgerliche Schwelle zu überwinden und mehr Menschen zu erreichen.

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