Deutsch-Türkisches Theater: Ulüm (Ulm) Theater

Deutsch-türkisches Theater : Abenteuer Migration auf der Bühne

Die Theatergruppe Ulüm erzählt Geschichten vom Einleben in Deutschland – für Zuschauer mit und ohne Migrationshintergrund.

Das Thema Migration ist längst Stoff für die Bühne. Aber es gibt nur wenige türkische Theater, die ihre Programme auch auf Deutsch anbieten. So ein Ensemble ist das Theater Ulüm aus Ulm, das gerade mit dem aktuellen Stück „Oh Gott, die Türken integrieren sich“ und „Hochdeutschtürkisch – Alter, was geht?“ durch Deutschland tourt und am Samstag auch in die Region kommt. Demnächst wird das Stück „Hochdeutschtürkisch – Alter, was geht?“ in der Gesamtschule Scharnhorst in Dortmund aufgeführt.

Bei dem Stück „Oh Gott, die Türken integrieren sich“ nehmen die Schauspieler die Zuschauer mit auf eine lange Zeitreise: Sie erzählen Geschichten vom Ankommen und Bleiben in Deutschland und bringt in komischen wie nachdenklichen Episoden Unterschiede zwischen Deutschen und Türken zur Sprache.

„Ulüm ist die türkische Aussprache der Stadt Ulm“, sagt Atilla Cansever, Gründer und Leiter des Theaters. In den 1960er Jahren kamen die ersten türkischen Arbeitsmigranten, damals Gastarbeiter genannt, nach Deutschland und hatten anfangs Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. So entstanden Städtenamen wie Ulüm oder Kölün (Köln).

Deutschland holte die Gastarbeiter auf Zeit, wollte durch sie den Arbeitskräftemangel ausgleichen. Doch die Gastarbeiter blieben. Sie holten ihre Familien nach und bauten sich in ihrer neuen Heimat ein neues Zuhause auf. Und genau davon handelt das Theaterstück: In tragikomischen Sketchen erzählt die Theatergruppe die Migrationsgeschichte einer typisch türkischen Familie Namens Das (Dasch). Ob ein Arztbesuch, die Arbeits- und Wohnungssuche oder der Einbürgerungstest: Die siebenköpfige Gruppe spielt verschiedene Alltagssituationen vor, bei denen es wegen unterschiedlicher Traditionen zu Missverständnissen und lustigen Zwischenfällen kommt.

Gegründet wurde das Theater Ulüm 1998 in Ulm. Ihre Anfänge reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Aufgebaut haben es Atilla Cansever und seine Schauspielkollegin Hatice Onar. Es ist eins der wenigen türkischsprachigen Theater in Deutschland. Mit „Oh Gott, die Türken integrieren sich“ und einigen anderen Stücken, die auch in deutscher Sprache gespielt werden, möchten sie dem deutschem Publikum sowie anderen Nationalitäten die Möglichkeit geben, die Abenteuer der Migranten zu verstehen. „Wenn wir unsere Stücke nur in türkischer Sprache bringen, dann bleiben wir auch nur unter uns. Wir möchten verstanden werden und Vorurteile brechen“, sagt Atilla Cansever. Sie behandeln in ihren Stücken Themen wie Integration, Zweisprachigkeit, Generationskonflikte, doppelte Staatsbürgerschaft sowie Frauenrechte und wollen dabei ihr Publikum unterhalten. Denn die Zuschauer zum Lachen zu bringen, wie Cansever sagt, sei ihre einzige Waffe.

Beim Publikum kommt das an. Zum Beispiel findet Gülaziz Kizilay: „Die Migrationsgeschichte wird von den Schauspielern gut dargestellt. Wir können uns damit sehr gut identifizieren, weil wir das genauso erlebt haben.“ Besonders beeindruckt waren die Besucher von dem schauspielerischen Können und dem Wechsel zwischen der deutschen und türkischen Sprache. „Sie haben problematische Themen auf eine lustige Art und Weise dargestellt. Solche kulturellen Themen sollten viel öfter ausgesprochen werden. Insbesondere in kleineren Städten, sagt Nicole Bos. Denn das fördere, wie sie sagt, den Austausch mit und untereinander. „Nicht nur die Türken, die hier herkommen, müssen sich integrieren, sondern auch wir müssen sie aufnehmen. Sie gehören zu unserer Gesellschaft dazu“, sagt Manfred Hochschon, der mit seiner Frau gekommen ist.

Die rund 500 Zuschauer, Deutsche wie Migranten der ersten, zweiten und dritten Generation, ließ sich mitreißen und verabschiedeten sich von den Schauspielern mit einem langem Applaus.