Boykott-Aufrufe gegen Israel Thema bei Ruhrtriennale 2018

„Freiheit der Künste“ : Ruhrtriennale debattiert über Boykott-Aufrufe gegen Israel

Eine kritische Ministerin, eine umstrittene Intendantin und zwei Israel-Boykott-Unterstützer: Das Podium der Ruhrtriennale-Diskussion um die „Freiheit der Künste“ am Samstagnachmittag verspricht Kontroversen. Zwei Demonstrationen gibt es auch noch.

Das Kulturfestival Ruhrtriennale debattiert am Samstag um 15 Uhr auf offener Bühne über den Umgang mit Boykott-Aufrufen im Kulturbereich. Anlass ist die umstrittene Einladung der Pop-Band „Young Fathers“, die die israelkritische Boykott-Kampagne BDS unterstützt. Triennale-Intendantin Stefanie Carp (62) hatte die Gruppe zum Festival erst ein-, dann aus- und zuletzt wieder eingeladen. Die Gruppe sagte schließlich von sich aus ab.

Carp geriet in diesem Zusammenhang unter großen politischen Druck. Nach einer Debatte im Kulturausschuss des Landtags sah sie sich gezwungen, in einem Brief an die Ausschussmitglieder zu betonen, dass sie in keiner Weise das Existenzrecht Israels in Frage stelle. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der enge Beziehungen zu Israel unterhält, sagte vor dem Hintergrund der Diskussion seine Teilnahme an dem Festival komplett ab.

Die Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen; BDS) setzt sich für einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik ein. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hält die BDS-Bewegung „in ihren Handlungen und Zielen“ für antisemitisch.

Das Konzert des schottischen Trios war für den gleichen Tag am gleichen Ort angesetzt gewesen. Die Diskussion steht unter dem Titel „Freedom of Speech/Freiheit der Künste“. Carp will unter anderem mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) dem belgischen Choreografen Alain Platel sowie dem US-Komponisten Elliott Sharp diskutieren. Platel und Sharp gelten als BDS-Befürworter. Moderator ist der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Die jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf aus Köln hat zur Teilnahme an einer Protestkundgebung vor der Veranstaltung aufgerufen. Die Demonstration richtet sich vor allem gegen den Umgang Carps mit dem Thema BDS-Kampagne und die Teilnahme von zwei Befürwortern an der Diskussion. Eine linke Gruppierung hat gleichzeitig eine Solidaritätskundgebung für Carp angekündigt.

(see/dpa)
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