Kritik von Contergan-Opfern

Kritik von Contergan-Opfern

Sydney/London (dpa) Die Entschuldigung der Firma Grünenthal bei den Contergan-Geschädigten ist bei vielen Opfer-Verbänden nicht gut angekommen. "Zu wenig, zu spät", kommentierten Anwälte, die Opfer des Arzneimittelskandals in Australien vertreten. Das britische Contergan-Opfer Nick Dobrik sagte dem Sender BBC: "Wir sind der Meinung, eine ernsthafte Entschuldigung muss die Fehler einräumen, die gemacht wurden. Das hat die Firma nicht getan, und damit die Opfer beleidigt." Auch Martin Johnson, Direktor der Stiftung Thalidomide, warf Grünenthal vor, das Unternehmen versuche weiter, den Mythos aufrechtzuerhalten, niemand habe wissen können, welche Schäden das Medikament anrichten könne. Das aber sei nicht richtig. Contergan war in Großbritannien unter dem Namen Thalidomide verkauft worden. Björn Håkansson, der Chef des schwedischen Opferverbandes, sprach von einer wertlosen Entschuldigung. "Nach 50 Jahren kriechen sie zu Kreuze, nachdem sie in mehreren Ländern verklagt wurden", sagte er mit Blick auf die Herstellerfirma Grünenthal. "Das hätten sie nie getan, wenn sie nicht unter Druck stünden."

Der Hersteller des Schlafmittels, das Anfang der 60er Jahre bei ungeborenen Kindern schwere Schäden verursachte, hatte am Freitag erstmals das Wort "Entschuldigung" in den Mund genommen. Weltweit kamen etwa 10 000 Kinder mit schweren Missbildungen zur Welt.

(RP)
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