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Krimi-Talent im Hörsaal entdeckt

Krimi-Talent im Hörsaal entdeckt

Eigentlich wollte sie Lehrerin werden. Doch dann ist Nadine Buranaseda nach dem Studium sogleich Schriftstellerin geworden. Sie schreibt Jerry- Cotton-Folgen für den Bastei-Verlag und hat mit ihrem ersten Krimi Erfolg. Am 8. Oktober liest sie in Düsseldorf bei der Forensischen Nacht.

Zur Lesung geht sie nie ohne Leiche, auch ein Absperrband aus Plastik, wie man es vom Tatort her kennt, ist dabei, wenn Nadine Buranaseda vor Publikum tritt, um aus ihrem Erstlingswerk zu lesen. Die Resonanz auf "Seelengrab" ist bis jetzt schon sehr gut. Eine Frau hat ihr kürzlich das schönste Kompliment gemacht, als sie sagte: "Sie haben nicht nur sehr gut gelesen, sondern Sie haben mich auch berührt." Dass die 34-Jährige mit thailändischen Wurzeln väterlicherseits jetzt Karriere als Krimischriftstellerin macht, hätte sie sich nicht träumen lassen. Obwohl sie von Kind an vernarrt ins Lesen ist und Literatur als ihr größtes Hobby neben Musik angibt.

Ihr Krimi-Talent wurde im Studium entdeckt. Und das kam so: Buranaseda brauchte in einem der höheren Semester einen Schein im Fach Deutsch; in ihrem mediendidaktischen Seminar zum Thema "Derrick" konnten die Lehramtsstudenten damals auf verschiedene Art und Weise das Testat erwerben. Auch dadurch, dass sie einen Kurzkrimi schreiben. So entstand aus Buranasedas Feder der erste Krimi, den sie einreichte. Etwa 120 Manuskriptseiten war er schon lang. "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" hieß das in Bonn spielende Buch, das sie später binden ließ und mit einem Cover versah.

Ihr Professor war überaus angetan, es gab eine Eins und eine Vermittlung zum Bastei-Lübbe-Verlag. "Ich wusste damals gar nicht, wie mir geschah", erzählt die gebürtige Kölnerin, die 2003 ihr Studium mit dem ersten Staatsexamen beendete. Bald schon kam der Vertrag, und 2005 erschien ihr erster "Jerry-Cotton"-Beitrag – bis heute hat sie 14 Folgen für diesen Verlag verfasst. "Davon kann man viel lernen", sagt sie, "es gibt ein Team von fünf bis sechs Autoren, die die Hefte schreiben. Alle richten sich nach einem verbindlichen Serienexposée, das Personal ist bekannt, die Dienstwaffe und auch die anderen Details sind festgeschrieben."

Doch leben kann man davon nicht. Es wirkte indes wie eine große Ermunterung. Schon während des Studiums hatte sich Nadine Buranaseda intensiv mit kriminalistischen Dingen aller Art beschäftigt, in Fachliteratur eingelesen, besonders kundig ist sie in rechtsmedizinischen Details geworden. Das bescheinigt ihr eine Frau, die es wissen muss: die Direktorin der Rechtsmedizin in Düsseldorf, Professor Stefanie Ritz-Timme, die Buranaseda als Vorleserin zur 2. Forensischen Nacht in ihre Klinik gebeten hat.

Irgendwann bekam die Autorin dann eine Empfehlung zum Düsseldorfer Droste-Verlag, der voller Zutrauen auf die junge Autorin zuging und sie bat, mit einer Reihe von Bonn-Krimis zu beginnen. Ein Jahr lang hat sie an "Seelengrab" geschrieben, es hat ihr Riesenspaß gemacht, den mörderischen, psychologisch sehr ausgefeilten Plot auszuhecken, ihren zwei Hauptfiguren – den sympathischen, etwas rauen Ermittlern – Gestalt zu verleihen. "Mich interessieren die menschlichen Abgründe", sagte sie "und natürlich die spannenden Geschichten." Sie sei von Grund auf kriminalistisch-neugierig.

Der zweite Krimi ist auch schon in Arbeit, "Schattengrauen" heißt er bis jetzt. Als Allererstes darf stets ihr Mann das Manuskript lesen, schon während des Entstehens ist er ihr wichtigster Kritiker. Erzieher ist er von Beruf und künstlerisch in der Musik zu Hause. Das Paar lebt in Bonn in einem Künstlerhaushalt, Buranaseda jobbt neben dem Schreiben noch.

Vor ein paar Jahren haben die beiden buddhistisch geheiratet, als Nadine Buranaseda das erste Mal in Thailand war. Es war für sie eine sehr bewegende Reise, auf der sie die Familie ihres verstorbenen Vaters kennenlernte. Sicherlich hat sie auch neue Inspiration für neue Plots dort aufgenommen.

(RP)