Krefeld Krefelder Fundtiere ohne Heimat

Krefeld · Weil der Vertrag zwischen Tierheim und Stadtverwaltung ausgelaufen ist, sollen derzeit Bürger herrenlose Vierbeiner aufnehmen.

Es ist deutschlandweit wohl die ungewöhnlichste Form der Fundtierbetreuung: In Krefeld werden Bürger, die ein herrenloses Tier entdecken, jetzt von der Stadtverwaltung gebeten, die Vierbeiner übergangsweise selbst zu betreuen. Es ist ein Akt purer Verzweiflung: Am vergangenen Wochenende war ein jahrelang bestehender Vertrag der Stadt Krefeld mit dem Tierheim ausgelaufen - die Stadt steckt im Nothaushalt und fand keine finanzielle Einigung mit dem Tierheim über einen neuen Vertrag. Seit Sonntag muss die Stadt also selbst die Fundtiere aufnehmen. Dazu hat sie eine eigene Hotline eingerichtet. Ein Gebäude, in dem Fundtiere untergebracht werden können, wurde bisher allerdings nicht gefunden.

Die Krefelderin Pauline K. (21) fand am Montag einen schwarzen Labrador-Mischling in der Krefelder Nordstadt und hat ihre Wohnung freiwillig vorerst zum privaten Tierheim umfunktioniert. Gestern bekam Pauline K. dann einen Anruf vom städtischen Fundamt. "Die fragten mich, ob ich den Hund noch ein paar Tage länger bei mir halten kann, bis die Stadt eine Lösung gefunden hat, wo die Tiere untergebracht werden können." Mittlerweile postet Pauline K. in Eigeninitiative bei Facebook Bilder des Hundes, um den Halter selbst zu finden. Die Stadt sieht keine Handhabe - der Chip, mit dem sich der Halter des Hundes ermitteln lässt, fehlte wohl.

Viele Bürger in Krefeld wundern sich mittlerweile über die Verhandlungspraxis der Stadt: Bereits 2011 kündigte das durch einen Verein betriebene Krefelder Tierheim den Vertrag mit der Stadt, weil es unter den bisherigen finanziellen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten konnte. Jahrelang geschah wenig - erst kurz vor Vertragsablauf begannen neue Verhandlungen zwischen Stadt und Tierheim. Die Fronten verhärteten sich allerdings so sehr, dass das Tierheim ab dem 1. Februar keine Fundtiere mehr annahm. Dort können Tierhalter nun nur noch ihre privaten Tiere abgeben, nicht aber die auf der Straße gefundenen Tiere.

Krefelds Kämmerer Ulrich Cyprian denkt nun darüber nach, eine Quarantänestation des Krefelder Zoos zum Tierheim umzufunktionieren. Heute soll es dazu entscheidende Gespräche mit dem Zoo-Aufsichtsratschef Wilfried Bovenkerck (SPD), dem Mitgesellschafter Zoofreunde und der Zooleitung geben. Einfach verzichten kann der Krefelder Zoo allerdings nicht auf diese Einrichtung - bei der Quarantänestation handele es sich um eine Pflichteinrichtung für einen Tierpark, betont der Zoo.

Dass Tierheime benachbarter Städte kurzfristig einspringen können, ist eher unwahrscheinlich. Die Finanzdecke ist dafür meist zu dünn, viele Heime werden nur geringfügig von der Kommune unterstützt. Während sich für Haustiere wie Hunde und Katzen eher leicht zumindest vorübergehend Pflegeplätze finden, kann die Situation bei Wildtieren schwierig werden. In solchen Fällen helfen unter Umständen private Hilfsinitiativen.

(RP)