Regionalverband Ruhr berät: Kraftwerk Datteln steht vor neuer Genehmigungschance

Regionalverband Ruhr berät : Kraftwerk Datteln steht vor neuer Genehmigungschance

Beim riesigen Kohlekraftwerk in Datteln hat sich Eon kühn über geltendes Planungsrecht hinweggesetzt. Der Konzern erlitt eine schmerzhafte Niederlage vor Gericht. Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache - aber das Verfahren bleibt zäh und langwierig.

Das 2009 gerichtlich gestoppte Eon-Steinkohle-Kraftwerk in Datteln steht vor einer neuen Genehmigungschance. An morgigen Freitag berät dazu die Versammlung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) über eine Änderung des Regionalplanes. Wenn das Gremium zustimmt, könnte die Stadt Datteln im nächsten Jahr ihren Bebauungsplan ändern und damit den Weiterbau erlauben.

Das zu 80 Prozent fertiggestellte 1100-Megawatt-Kraftwerk ist eines der größten seiner Art in Europa, war von Eon aber direkt am Dortmund-Ems-Kanal und damit rund fünf Kilometer vom genehmigten Standort entfernt errichtet worden. Deshalb ist für den Bau nachträglich grünes Licht durch ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren erforderlich.

Das Land hatte dem Verfahren vergangene Woche schon zugestimmt und auch im Essener Regionalparlament erwarten Beobachter eine klare Mehrheit für das Verfahren. Grüne und Umweltschützer lehnen das Großkraftwerk aber weiter aber. Weitere Klagen sind möglich - spätestens wenn der neue Bebauungsplan der Stadt vorliegt. Über das öffentliche Auslegen des Bebauungsplanes will der Stadtrat schon kommende Woche (18.12.) beraten. Der Plan umfasst über 20 Ordner und mit allen Anhängen tausende Seiten.

Kritiker argumentieren, dass das Kraftwerk viel zu nahe an einem Wohngebiet und einer überregional wichtigen Kinderklinik liege. Der Eon-Konzern hat in das Steinkohlekraftwerk am Rand des Ruhrgebietes bereits eine Milliarde Euro gesteckt und will das Kraftwerk "schnellstmöglichst" in Betrieb nehmen. Für das weitere Genehmigungsverfahren, mögliche neue Klagen, die Fertigstellung und den Probebetrieb rechnen Fachleute mit bis zu drei Jahren.

Energiepolitisch ist der Kraftwerksstandort wichtig, da dort rund ein Viertel des gesamten deutschen Bahnstroms erzeugt wird. Bahnstrom hat eine besondere Spannung (16,7 Hertz) und kann ohne erhebliche technische Vorkehrungen nicht in anderen Kraftwerken erzeugt werden.

Derzeit laufen in Datteln drei ältere, wesentliche ineffizientere Kohleblöcke mit Sondergenehmigungen bis Anfang 2014, die den Bahnstrom produzieren. Eigentlich hatte Eon sie längst abschalten wollen. Die Kraftwerke produzieren außerdem Fernwärme für rund die Hälfte der 35.000-Einwohner-Stadt.

Das neue Kraftwerk werde trotz der abgestürzten Börsenstrompreise langfristig Gewinn erwirtschaften, hieß es aus dem Eon-Konzern. Nachbarn und Umweltschützer rechnen dagegen vor, dass das Kraftwerk fast 10 000 Tonnen Kohle pro Tag verbrenne und die Emissionen an windarmen Tagen mit einem hohen Anteil bei den Nachbarn landen würden.

(lnw)
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