Kommentar : Kinder einfach machen lassen

Wir sollten unsere Kinder einfach machen lassen. Der Rest kommt dann von allein, kommentiert unser Autor.

Wer sich fragt, wieso viele Kinder die einfachsten Handgriffe nicht mehr beherrschen, sollte sich mal die Zeit nehmen und auf einen Spielplatz gehen. Dort wird man in der Regel Eltern antreffen, die besorgt ihren Kinder hinterherjagen und -rufen, weil sie Angst haben, dass ihren Kleinen etwas im Sandkasten passieren könnte. Lauf nicht so schnell! Spiel nicht mit den Stöcken! Für die Rutsche bist du noch zu klein! Pass auf, sonst stößt du dir dein Köpfchen! Und alleine raus? Bloß nicht, viel zu gefährlich. Nur wenn Mama oder Papa mitkommen.

Die Kinder werden aber nicht nur vor allem (dem gefährlichen Klettergerüst) und jedem (dem frechen Nachbarsjungen) geschützt, sondern ihnen wird auch noch alles abgenommen. Das Trinkfläschchen öffnet die Mama, die Laugenbrezel hält der Papa, so dass der Kleine nur noch abbeißen muss. Wenn Kinder so aufwachsen, muss man sich nicht wundern, wenn ihnen gewisse motorische Fähigkeiten abhanden kommen. Aber ganz verdenken kann man den Eltern eine solch überzogene Fürsorge nicht. Bereits in den Geburtsvorbereitungs- und Erste-Hilfe-Kursen werden alle erdenklichen Schreckensszenarien an die Wand gemalt, so dass Eltern sich hinterher ängstlich fragen: Wie sollen wir unser Kind vor all diesen Gefahren nur schützen? Und das Resultat sind dann nicht selten die sogenannten Helikopter-Eltern.

Die Digitalisierung trägt ihr Übriges zur fehlenden motorischen Begabung bei. Sie von den Kindern fern zu halten, wäre jedoch falsch. Wir leben nun mal in einem Zeitalter, in dem Smartphones eine zentrale Rolle spielen. Vielmehr kommt es dabei auf das richtige Maß an. Und dasselbe gilt bei der Fürsorge. Man muss einen gesunden Mittelweg finden. Und unsere Kinder einfach machen lassen. Der Rest kommt dann von allein.

(csh)
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