Koblenz: Gartenschau am Schloss

Koblenz: Gartenschau am Schloss

Bis zu zwei Millionen Besucher erwartet Koblenz ab Freitag zur Bundesgartenschau 2011. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen das kurfürstliche Schloss, das Rheinufer und die Festung Ehrenbreitstein. Wer alles sehen will, sollte allerdings schwindelfrei sein.

Koblenz Das Gebilde auf dem Koblenzer Konrad-Adenauer-Ufer sieht aus, als wäre gerade ein silbrig schimmerndes Ufo auf dem historienträchtigen Gelände zwischen Deutschem Eck und Kastor-Basilika gelandet. Die Aluminiumhaut umhüllt die Talstation der neuen Seilbahn. Ob das "Raumschiff" mit 3500 Passagieren pro Stunde genügend Kapazität hat, die Besucher ohne Verzögerung zur Festung Ehrenbreitstein am jenseitigen Rheinufer zu transportieren, scheint fraglich. Denn die Veranstalter der Bundesgartenschau rechnen ab kommendem Freitag bis zur Schließung im Oktober mit rund zwei Millionen Besuchern.

Sie alle werden das modernistische Nadelöhr am Rheinufer passieren müssen, wollen sie sich nicht mit einem Shuttle-Bus zur Festung Ehrenbreitstein karren lassen. An Wochenenden werden Wartezeiten an der Seilbahn wohl unvermeidlich sein. Fürs Anstehen entschädigt allerdings der Blick in Schwindel erregender Höhe über den Rhein und die tief unten dahingleitenden Schiffe. Und oben erwartet die Buga-Gäste die Hauptfläche der Leistungsschau deutscher Floristen und Landschaftsgärtner.

Ob das von Festungsmauern umschlossene Gelände der attraktivere Teil der Ausstellung sein wird, bleibt abzuwarten. Nicht jedem werden die wie mit dem Lineal gezogenen Wegtrassen, Tulpen-Einöden, Vergissmeinicht-Wüsten und tapfer in Reih' und Glied gepflanzten Baumreihen gefallen. "Wenn ich dran denke, dass wir als Kinder hier mit dem Mountainbike herumgefahren sind und Frösche aus Tümpeln gefangen haben..." sagt ein Koblenzer, dem es vergönnt war, an einer Vorbesichtigung des Geländes teilzunehmen. Lange haben die Koblenzer mit ihrer Bundesgartenschau gefremdelt. Das lag wohl auch daran, dass die Stadt beim Zuschlag nur Nachrücker war. Eigentlich hätte die Schau in Duisburg stattfinden sollen. Doch die finanziell klamme Kommune verabschiedete sich 2003 von dem Projekt. Nun will Koblenz zeigen, dass es keine zweite Wahl ist. Nicht alle Bedenken wurden bislang ausgeräumt: Koblenz ist überschuldet, und von den letzten vier Bugas (Rostock, München, Gera und Schwerin) machten lediglich die Schweriner ein Plus. Die übrigen Kommunen hingegen fuhren ein Defizit ein. Verständlich, dass zu den lautesten Mahnern der Bund der Steuerzahler in Rheinland-Pfalz gehörte. Zudem ist fraglich, ob Koblenz verkehrstechnisch für ein Ereignis dieser Größenordnung gerüstet ist. Tatsächlich gehört zu den schlimmsten Vorstellungen der Einheimischen das Bild Tausender Buga-Besucher, die mit ihrem Pkw bis in die Altstadt fahren, statt die Parkplätze am Stadtrand oder die Bahn zu benutzen. Das Schreckbild half sogar, den Bau eines neuen Bahnhofs in Buga-Nähe durchzusetzen, der mit rund 17 Millionen Euro 50 Prozent teuerer wurde als veranschlagt. Von den Gesamtkosten in Höhe von 102 Millionen Euro entfallen auf die Stadt Koblenz 28, auf das Land 49 und auf die Buga GmbH 25 Millionen Euro.

Bereits jetzt haben die Koblenzer dieser Bundesgartenschau ein Rhein-Ufer-Panorama zu verdanken, wie sie es sich mit Eigenmitteln nie hätten leisten können. Die von dem aus dem Rheinland stammenden preußischen Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné gestalteten Schlossgärten haben ihre alten Gestalt wiedererhalten. Nach dem Krieg waren die Anlagen mit Trümmerschutt zugeschüttet worden. Lenné sind auch zahlreiche Sonderveranstaltungen gewidmet. Vom Deutschen Eck bis zur Pfaffendorfer Brücke hat Koblenz eine Prachtpromenade mit direktem Zugang zum Schlossgarten. Da wird der feierlustige Koblenzer verschmerzen, dass der Genuss alkoholischer Getränke am Rheinufer tagsüber vom Ordnungsamt nach der Renovierung untersagt wurde. Einig sind sich die Koblenzer auch darüber, dass sich die einstmals romantisch-düstere Festung Ehrenbreitstein nie so zugänglich zeigte wie nach den der Buga geschuldeten Rodungen ringsum und der Renovierungen am Gemäuer. Ob der neuen Seilbahn allerdings ungeachtet ihrer tief in den Rheinfels gerammten Träger-Fundamente Dauer beschieden sein wird, scheint fraglich. Vorerst läuft der Vertrag mit dem Betreiben nur bis 2013. Bei einer Dauerlösung müsste möglicherweise auch die UNESCO befragt werden. Schließlich ist das gesamte Mittelrhein-Tal Weltkulturerbe.

(RP)
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