Wuppertal: Kind verliert Finger auf Rolltreppe

Wuppertal : Kind verliert Finger auf Rolltreppe

Bei dem Unfall in einem Wuppertaler Kaufhaus wurde ein fünfjähriges Mädchen schwerverletzt. Wie genau das Unglück am oberen Ende der Treppe zustande kam, ist bislang unklar. Es zeigt jedoch: Fahrtreppen sind gefährlich und sollten nicht unaufmerksam genutzt werden.

Lediglich ein zur Seite geschobenes rot-weißes Absperrband an der Rolltreppe zum ersten Stock erinnerte gestern noch an das Unglück vom Vorabend. In dem Warenhaus TK Maxx in Wuppertal-Elberfeld endete ein Einkaufsbummel für ein fünf Jahre altes Mädchen am Mittwochabend tragisch. Bei einem Unfall auf der Rolltreppe verlor das Kind den Zeigefinger der rechten Hand.

Das Kind benutzte die Rolltreppe des Geschäfts mit seinen Eltern, berichtet die Polizei. Fast oben angekommen, geriet das Mädchen mit dem rechten Zeigefinger zwischen die oberste Stufe und die Kammschiene am Ende der Rolltreppe. Dabei wurde der Finger abgetrennt. Die Eltern, Mitarbeiter des Geschäftes und Zeugen leisteten Erste Hilfe, bis die Rettungskräfte eintrafen. Das Mädchen wurde in ein Krankenhaus gebracht, die Treppe gesperrt. Die Suche nach dem Finger blieb erfolglos, obwohl die Treppe laut Polizei teilweise auseinandergebaut wurde. Wie der Unfall genau zustande kam, konnten die Beamten gestern noch nicht sagen. Die Ermittlungen dauern an.

TK Maxx äußert sich zu dem Unfall in der Filiale in Wuppertal förmlich: "Die Sicherheit unserer Kunden hat bei TK Maxx höchste Priorität. Im Hinblick auf den bedauerlichen Unfall in unserer Wuppertaler Filiale kooperieren wir derzeit mit den zuständigen Behörden. In Gedanken sind wir bei dem verletzten Kind und dessen Familie." Zur Unfallursache wollte die Firma gestern nichts sagen. Das Warenhaus war gestern wieder regulär geöffnet, gut besucht und auch die Rolltreppen fuhren alle.

Häufig passieren derartige Unfälle durch Unachtsamkeit, weiß Peter Keilholz. Er beschäftigt sich seit 15 Jahren für die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mit Unfällen auf Rolltreppen. "Die Hand ist noch vor Knie und Knöchel das auf Rolltreppen am häufigsten verletzte Körperteil", bestätigt der Ingenieur. 38 Prozent der bei der DGUV registrierten Verletzungen auf Rolltreppen sind Handverletzungen. "So ein Unfall kann nur passieren, wenn man hinfällt und mit der Hand in die Nähe des Kamms gerät, das ist die Stelle, wo die Stufen im Boden verschwinden", sagt Keilholz. Erwachsene verletzen sich dabei kaum. Kinder seien jedoch gefährdet, weil ihre Finger in den Spalt zwischen Stufe und Bodenplatte geraten könnten. Jede Rolltreppe müsse aber an genau dieser Stelle eine Notabschaltung haben. "Der Mechanismus sitzt direkt hinter den Zähnen, die man am Boden sehen kann", sagt der Ingenieur. "Sobald da ein Widerstand registriert wird, reagieren die Bremsen", sagt Keilholz. Das Problem sei der Nachlauf der Stufen. "Das ist praktisch wie der Bremsweg beim Auto." Dadurch komme die Rolltreppe nicht sofort zum Stillstand, sondern bewege sich immer noch einige Zentimeter weiter. "Und deswegen kommt es an dieser Stelle immer wieder zu Unfällen", so Keilholz. "Alle Rolltreppen dieser Welt haben dieses Problem. Das lässt sich technisch kaum anders lösen", sagt der Ingenieur und rät zu mehr Vorsicht auf Rolltreppen. "Viele Menschen scheinen zu vergessen, dass sie auf Maschinen stehen. Null Gefährdung, das gibt es nicht."

Um auf diese Gefahren aufmerksam zu machen, schreibt die EU-DIN-Norm an Rolltreppen Piktogramme vor. Diese Symbolbilder müssen seit 2010 an jeder Rolltreppe kleben. Sie weisen darauf hin, sich am Handlauf festzuhalten, Kinder an die Hand zu nehmen und Tiere auf den Arm. Zudem verbieten sie, Rolltreppen mit Rollstühlen, Kinderwagen und langen Kleidern zu benutzen.

"Lange Kleider oder Schnürsenkel können leicht in den bis zu vier Millimeter breiten Spalt zwischen den beweglichen Stufen und dem feststehenden Sockel geraten", sagt Jörg Demmer, Prüfsachverständiger der Dekra. So können sie sich in den Zahnrädern des Kettenantriebs verfangen. Spätestens wenn die Stufen in die Waagerechte übergehen oder in den Schacht einfahren, wird es gefährlich; im schlimmsten Fall könne man sich dann strangulieren. Gefahr drohe auch Trägern von Kunststoff-Sandalen, Turnschuhen oder Plastikstiefeln. Wenn man mit dem Schuh an der Wand entlang schleift, entsteht durch die Reibung Wärme. Das Material könne weich werden, und der Schuh sich in die schmale Ritze ziehen, warnt der Experte.

Bei drohender Gefahr solle man so schnell wie möglich einen der roten Notausschalter drücken, die in regelmäßigen Abständen an jeder Treppe montiert sind, rät Demmer.

(RP)
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