Viersen: Karnevalisten starten in die neue Session

Brauchtum : Karnevalisten starten in die neue Session

Mit Gardetänzen, Böllerschüssen und Steckenpferden wurde in Alt-Viersen, Dülken und Süchteln am Wochenende die fünfte Jahreszeit liebevoll begrüßt. Viele hundert Karnevalisten feierten mit.

Viele hundert Karnevalisten haben am Wochenende in Alt-Viersen, Dülken und Süchteln den Karnevalsauftakt gefeiert.

Trotz der Regenschauer  hatten sich viele hundert Dülkener am Sonntagabend an der Narrenmühle eingefunden und ließen sich vom Tambour-Corps Dülken und den Musikfreunden Dülken musikalisch auf Karneval einstimmen. Der Rector magnificus der Narrenakademie, Volker Müller, berichtete von der Geschichte der Mühle, die als einzige von vier Windmühlen auch nach 200 Jahren noch steht, und wies auf die bevorstehende Restaurierung hin: „Ob wir im nächsten Jahr den Elften im Elften vor der neu erstellten Mühle feiern können, ist noch ungewiss.“ Dann bedankte er sich bei den scheidenden Tollitäten: „Ihr habt Dülken würdig vertreten.“ Kinderprinz Niels II. fand es  nicht gut, dass er sich „leider endgültig verabschieden“ musste  und dankte allen, vor allem den Crazy Kids, für seine zweite Session. Prinz Andreas I. bedauerte, „sein Amt jetzt niederlegen“ zu müssen. „Alles war fantastisch“, was auch Prinzessin Carina, seine Tochter, bestätigte. Beide verabschiedeten sich mit einem „Gloria tibi Dülken“. Dann nahm der Rector magnificus den nunmehr Ex-Prinzen die Kette ab und ergriff stattdessen den Hammer, mit dem er dreimal an die Tür der Narrenmühle schlug: „Hiermit eröffne ich das närrische Jahr unter dem Motto des Vaterstädtischen Vereins ,Dölke fiert en wett on ru-et met alle Vierscher’.“ Dies war das Zeichen für die Senatoren der Narrenakademie, sich auf ihre holzgeschnitzten Steckenpferde zu begeben und unter dem Jubel der Gäste drei Mal um die Narrenmühle zu reiten.

Sessionsauftakt am Sonntagabend in Dülken mit Ritt um die Narrenmühle. Foto: Knappe, Jörg (jkn)

Auch die Alt-Viersener Karnevalisten ließen es krachen – und zwar pünktlich um 11.11 Uhr. Da zündete die Prinzengarde die Kanone auf dem Sparkassenvorplatz. Drei Böllerschüsse ließen das närrische Publikum zusammenzucken. Knapp fünf Stunden wurde in Alt-Viersen mit allen Karnevalsvereinen gefeiert; Senatspräsident Frank Schiffers führte routiniert durchs Programm. Nach dem Auftritt der Tanzgarde Alt-Viersen stellte er Greta und Oskar vor, das künftige Kinderprinzenpaar. Und auch das designierte große Prinzenpaar feierte seinen ersten öffentlichen Auftritt. Ein wenig nervös, aber durchaus souverän. Kein Wunder: Die künftige Prinzessin Ute I. gehört seit 2014 den Möhnen in Alt-Viersen an, der künftige Prinz Thilo I. hat Elferrat-Erfahrung. „Ich hatte Gänsehaut, als wir uns aufgestellt haben“, räumte der Prinz freimütig ein – und berichtete, dass es schon länger sein Traum gewesen sei, Prinz in Viersen zu werden. Kein Wunder: Seine Eltern Walter und Ingrid Ditges waren ebenfalls Prinzenpaar im Viersener Karneval. Ihre designierte Lieblichkeit Ute I., gelernte Schneiderin, lüftete ein bisschen das Geheimnis um ihr Prinzessinnenkostüm. „Das habe ich selbst entworfen.“ Zwar sei es in den Farben klassisch rot und weiß, aber sonst sei es „anders“. Man darf gespannt sein – bei der Proklamation am 16. November in der Festhalle wird sie es tragen.

Drei Böllerschüsse eröffneten in Viersen die neue Session. Foto: Knappe, Jörg (jkn)
Erster Auftritt fürs designierte Viersener Prinzenpaar. Foto: Martin Röse
Natürlich feierten auch die Dreistadt-Möhnen mit. Foto: Knappe, Jörg (jkn)
Frank Schiffers begrüßt das Kinderprinzenpaar Greta und Oskar. Foto: Knappe, Jörg (jkn)
Proklamation des Süchtelner Prinzenpaares Gregor I. und Daniela I. Foto: Knappe, Jörg (jkn)

Bereits am Samstag ließen sich Gregor Mackes und Daniela Erkes im proppenvollen Josefhaus vom Festausschuss Süchtelner Karneval (FSK) als neues Prinzenpaar Gregor I. und Daniela I. bei einem bunten Rahmenprogramm feiern. Doch bevor es in Amt und Würden kam, wurde das Vorgänger-Prinzenpaar Marc I. und Lara I. verabschiedet. „Die beiden strahlten das ganze Jahr über“, sagte Moderator Detlef Belk. Bürgermeisterin Sabine Anemüller dankte ihnen: „Ihr habt das Prinzenspiel gelebt, das hat man gespürt.“ Ortsbürgermeister Erhard Braun stimmte auf die beiden die Süchtelner Nationalhymne an. Herzlich und lang wurde der Gang des neuen Prinzenpaares durch den Saal auf die Bühne. „Ich habe den Eindruck, Gregor würde jeden Einzelnen per Handschlag begrüßen“, meinte Belk. Anemüller übergab dem Prinzen als Zeichen der Macht den Schlüssel fürs Rathaus: „Um damit auch die Herzen des närrischen Volkes zu öffnen.“ Gregor I. verlas die elf närrischen Punkte: „Süchteln hat viele Vereine, aber das Josefshaus stößt an seine Grenzen. Wir wünschen uns ein neues und modernes Zuhause, damit wir auch in der Zukunft alle Vereine mit Groß und Klein zusammen feiern können.“ An Altweiber sei immer schnell die „Karnevalsluft“ raus. Er plädierte für einen Altweiberball. Die Pflege und Unterstützung kranker Kinder und Tiere liegen dem Prinzenpaar am Herzen. Sie führten das Spendenschwein „Hugo“ mit für Spenden an das Kinderhaus Viersen und Notfelle Süchteln. „Ab heute bricht in Süchteln die Karnevalszeit an. Feiert mit uns und allen anderen diese tolle Zeit“, appellierten sie an ihr Narrenvolk mit dem Motto „In den Vereinsfarben getrennt, aber in der Sache vereint.“