Rosenmontagszüge als politische Großdemos Aufstehen, Flagge zeigen!

Meinung | Düsseldorf · Wer bei den großen Rosenmontagszügen nur an „Helau“ und „Alaaf“ denkt, hat ihre Botschaft verpasst: Sie sind riesige Demonstrationen für Demokratie und Zusammenhalt, gegen Hass und Rassismus. Über einen Festtag, der politischer ist, als viele meinen.

Horst Thoren
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Rosenmontag Köln 2024: Das waren die schönsten Persiflagewagen
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So schön sind die Persiflagewagen des Kölner Rosenmontagszugs 2024

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Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Für Heimatliebende hat das Hochfest des Karnevals eine durchaus gesellschaftspolitische Dimension – als Tag des Wir-Gefühls. Gerade in Zeiten von Konflikten braucht es diese Selbstbestätigung: Das Rheinland steht auf und zeigt Flagge. Wer dabei nur an „Helau“ und Alaaf“ denkt, hat die Botschaft verpasst, die Deutschland seit Wochen bewegt: Wir sind mehr!

So bietet der rheinische Karneval mit den Rosenmontagszügen diesmal die sicher größten Demos auf für Demokratie und Zusammenhalt, gegen Hass und Rassismus. Dass dies eine fröhliche Angelegenheit ist und die Umzüge nicht von Parolen bestimmt werden, entwertet ihre Bedeutung keinesfalls. Im Gegenteil. Entscheidend ist, dass sehr viele Menschen zusammenkommen, die die Freude des Tages und damit das rheinische Bewusstsein teilen: Leben und leben lassen. Kaum ein Feiertag ist so sozial durchmischt, so offen für Vielfalt, so nachhaltig in seinem Angebot an alle. Das klingt zu schön, um wahr zu sein, entspricht aber der Freiheitsliebe der Rheinländer, wie sie seit 200 Jahren am Rosenmontag gefeiert wird.

So schön war der Tunte Lauf 2024 Düsseldorf: Die besten Fotos
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So schillernd war der „Tunte Lauf“ 2024

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Das klare Bekenntnis des Brauchtums zu gegenseitigem Respekt und gegen Rechtsextremismus, in den vergangenen Wochen in Köln wie Düsseldorf beispielhaft zum Ausdruck gebracht, kann am Rosenmontag Millionen Menschen erreichen – auf den Straßen und bei TV-Übertragungen. Dazu trägt sicher die Provokation eines Jacques Tilly bei, dessen Düsseldorfer Wagen (noch geheim!) als rollende Brandmauer gegen Nazis und Faschisten zu verstehen sind.

Richtungsweisend ist der sogenannte Toleranzwagen, den Christen, Juden und Muslime haben, und der für Miteinander wirbt. Denn die Hoffnung der Demokraten geht über die Karnevalstage hinaus. Zusammenhalt und Solidarität mögen auch nach Aschermittwoch bestimmend sein für das Leben am Rhein.

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