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Karneval im TV: So war die Düsseldorfer Fernsehsitzung 2020

Karneval im TV : Erst mit dem Düsseldorfer Prinzenpaar kam Stimmung auf

Deutschlandweit war für Jecke und Karenevalsinteressierte am Mittwochabend die Sitzung des CC zu sehen. Gute Reklame für den Düsseldorfer Karneval war die kaum. Die Aufzeichnung aus dem Januar hatte ihre Schwächen.

Man kann leicht den Eindruck gewinnen, dass der Düsseldorfer Sitzungskarneval versucht, sich irgendwo im Spannungsfeld zwischen etwas steifer Mainzer Politsatire und feucht-fröhlicher Kölscher Leichtlebigkeit zu positionieren. Das Ergebnis war in diesem Jahr eine Fernsehsitzung, die den Jecken nicht so recht vom heimischen Sofa reißen konnte.

Schon die Eröffnungsnummer zeigte, wohin die ARD mit der Sendung gehen würde: In Anzug und Fliege trug Sänger Tom Gaebel eine Swing-Version des Hosen-Hits „An Tagen wie diesen“ vor – gefällig anzuhören, aber nicht mit einem der jecken Ohrwürmer zu vergleichen, mit denen man eine Karnevalssitzung durchaus auch eröffnen könnte.

Bei der ersten Rede wurde das große Problem einer aufgezeichneten Sendung deutlich: Wolfgang Trepper – vom auf hochdeutsch moderierenden Stefan Kleinehr als „Eisbrecher“ angekündigt – zog über Annegret Kramp-Karrenbauers Kandidatur für das Kanzleramt her, obwohl das Thema am Tag der Ausstrahlung bereits seit neun Tagen vom Tisch war.

Es ist kein Geheimnis, dass die Fernsehsitzung zusammengeschnitten ist, die eigentliche Veranstaltung war beinahe doppelt so lang wie die Übertragung. Aber der Schnitt muss auch passen, und als Zuschauer konnte man ab und an den Eindruck gewinnen, dass die in Großaufnahme gezeigten, herzhaft lachenden Gäste gerade etwas anderes gehört hatten als die mäßig witzige Zote, die gerade auf der Bühne von Markus Krebs erzählt wurde.

Generell gelang es den wenigsten Rednern, wirklich zu begeistern. Markus Krebs präsentierte seine gewohnt zotigen Kalauer, von denen die Zuschauer schon recht früh ahnten, wo sie enden würden – nämlich unter der Gürtellinie. Parodist Jörg Knör brachte Prominente wie Dieter Bohlen und Karl Lagerfeld auf die Bühne, unterhaltsam, aber kaum karnevalistisch – ein Manko, unter dem sämtliche Wortbeiträge litten. Jürgen Hilger sprach zwar in Reimform und lästerte über die Umweltspur, Annette Esser alias Achnes Kasulke versuchte sich am rheinischen Dialekt, dennoch waren sämtliche Beträge mehr oder weniger weit von der Textgattung Büttenrede entfernt und wirkten wie eine Show, die man vor nicht kostümiertem Publikum auch an jedem anderen Tag des Jahres hätte aufzeichnen können.

Insofern mussten die Reden mit ihrer humoristischen Qualität überzeugen – und auch das gelang nur zum Teil, etwa bei John Doyle, der sich als die US-Version von Kaya Yanar präsentiert. Dennoch – die Fernsehsitzung hätte dringend den ein oder anderen klassischen Büttenredener mit Lokalbezug gebraucht.

Ebenfalls ungewöhnlich, aber deutlich unterhaltsamer waren die musikalischen Auftritte. Düsseldorf fehlen seit jeher die ganz großen Namen unter den Karnevalsbands, dennoch gelang es den Fetzern, Alt Schuss und den Rhingschiffern zumindest, den Saal zum Schunkeln zu bringen. Erfrischend waren auch die Auftritte der wenig karnevalsfokussierten Bands, etwa der Bonner Formation Druckluft, der Swinging Funfares und der Newcomer der Rythmussportgruppe. In der Summe wurde die Sitzung mit dieser Auswahl jedoch sehr bläserlastig. Zudem litten die musikalischen Beiträge unter technischen Mängeln, mehrmals waren die Stimmen der Sänger kaum zu verstehen, wenn sie gegen Posaunen und Trompeten ankommen mussten. Gleich mehrmals wurde zudem auffällig – also nicht besonders gut – zu Playback gesungen. Das hatte zudem den Nachteil, dass die Stücke klangen wie von der CD – fehlerfrei gesungen zwar, aber eben ohne das „Live-Erlebnis“. Somit gelang es auch meist nicht, die Atmosphäre in den Saal zu transportieren.

Traditioneller Höhepunkt war der Besuch des Prinzenpaares, und auch wenn man seinem Auftritt angemerkt hat, dass er nur der Höhepunkt einer langen Reihe von Pflichtterminen ist. So wurde die Stimmung der Sendung doch in den letzten Minuten endlich dem Düsseldorfer Karneval würdig, als sich neben den Tollitäten auch deren Garden samt Tanzgruppe sowie die Swinging Funfares auf der Bühne drängten. Die Jecken wurden mit der wohl besten Nummer des Abends, dem Ohrwurm „Düsseldorfer Nächte“, aus der Sitzung entlassen.