1. NRW
  2. Karneval in NRW

Karneval 2020 in NRW: Altweiber in Düsseldorf und Köln - Straßenkarneval

Start des Straßenkarnevals : So feierten die Jecken in NRW Altweiber

In den jecken Hochburgen in NRW haben Zehntausende Altweiber gefeiert. Überschattet wurden die Feiern vom Anschlag in Hanau. Die Festkomitees in Düsseldorf und Köln kündigten Mottowagen im Rosenmontagszug an.

Zehntausende Menschen haben im Rheinland den Start in die tollen Tage gefeiert. In Düsseldorf, Neuss und Mettmann stürmten die Möhnen wie in zahlreichen anderen Städten das Rathaus, in Köln schunkelten sich die Jecken auf dem Alter Markt in Stimmung. Die Waschweiber übernahmen in Bonn, einem der Ursprungsorte der Weiberfastnacht, die Macht.

 Doch ganz so ausgelassen wie sonst waren die Feiern nicht. Die Nachricht vom Anschlag in Hanau, bei dem ein Rechtsextremist zehn Menschen erschossen hat, löste Betroffenheit bei vielen Karnevalisten und Feierfreudigen aus. In Düsseldorf nahm Michael Laumen, Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval, in einer kurzen Ansprache auf dem Rathausbalkon Bezug auf das Attentat. „Wir Düsseldorfer Karnevalisten sind in dieser dunklen Stunde bei den Menschen von Hanau“, sagte Laumen. „Unser Düsseldorfer Karneval ist multikulturell.“ Er kündigte an, das Geschehen werde am Rosenmontag mit einem Mottowagen beantwortet. Wagenbauer Jacques Tilly sagte: „Es wird kein Wagen, über den man lachen kann, aber es wird ein Statement der Narren sein.“ Der Karneval in Düsseldorf sei politisch, „wir sind nicht nur für Friede-Freude-Eierkuchen zuständig.“ Auch in Köln wird ein Wagen an die Ereignisse angepasst, sagte die Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, Tanja Holthaus.

Bevor die Möhnen das Rathaus in Düsseldorf stürmten, machte es Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) spannend: Schelmisch winkte er mit dem einen Meter großen goldenen Schlüssel vom Balkon. „Der ist doch viel zu groß für zarte Frauenhände“, rief er Venetia Jula zu. Am Ende siegten natürlich doch die Damen, die um 11.11 Uhr bei leichtem Regen das Rathaus stürmten. Im September wird in Düsseldorf ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Das war auch beim Empfang im Rathaus spürbar, wo sich neben Amtsinhaber Geisel mehrere Herausforderer tummelten: CDU-Kandidat Stephan Keller, verkleidet als Steampunk, posierte mit zwei verkleideten Boxern, die den „Big Fight“ gegen Geisel ausriefen. FDP-Kandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kam verkleidet als Umweltspur – gegen die sie öffentlich schon seit Monaten Stimmung macht. Der grüne OB-Kandidat Stefan Engstfeld kam als „frohe Natur“ in Grün.

Draußen vor dem Rathaus ging die Party weiter: Aus Ostfriesland, Karlsruhe oder Aachen waren die Jecken angereist, auch internationale Gäste aus Frankreich, Australien, Japan oder Indonesien waren dabei. Unter den wenigen Männern stach einer hervor: Tom aus Düsseldorf hatte sich als Karnevalsprinz verkleidet. Die falsche Tollität hat ihr Kostüm nach eigenen Angaben von einem Schneider in Korschenbroich, „der auch echte Prinzen ausstattet – und zwar sowohl aus Düsseldorf als auch aus Köln.“ Am Abend gab es eine Sturmwarnung, der Altstadtkarneval wurde zwischenzeitlich unterbrochen.

In Köln wurde zum Sessions-Motto „Et Hätz schleiht em Veedel“ gefeiert. Schon am Morgen machten sich Tausende Jecke auf den Weg in die Altstadt, ins Kwartier Latäng und in die Südstadt. Bevor um 11.11 Uhr auf dem Alter Markt der Startschuss fiel, hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) im Historischen Rathaus mit dem Kölner Dreigestirn in einer Schweigeminute der Opfer von Hanau gedacht. „Dass solche schrecklichen Vorfälle sich häufen, ist ein Zeichen dafür, dass sich unsere Gesellschaft verändert“, sagte sie. „Das dürfen wir auf keinen Fall zulassen.“ Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sagte: „Im Leben und vor allen Dingen im Karneval sind die Momente der überschäumenden Freude und des Feierns und die stillen Momente immer nah beieinander“.

Die Polizei war in Köln mit 1000 Beamten im Einsatz, bis zum Nachmittag wurde laut einer Sprecherin fast überall in der Stadt friedlich gefeiert. Am Mittag wurde der Alter Markt wegen Überfüllung gesperrt, zwei Stunden später war auch das Zülpicher Viertel so überlaufen, dass Stadt und Polizei alle Zugänge sperrten. Am Nachmittag verschwanden die Jecke in den Kneipen. Vor beliebten Lokalen wie dem „Unkelbach“ in Köln-Sülz hatten die Gäste schon seit dem frühen Morgen angestanden. (mit dpa)

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die schönsten Fotos von Altweiber 2020 in Düsseldorf