Jecken werden auf den Karnevalszügen mit Gegenständen beworfen

Rosenmontag: Karnevalisten unter Beschuss

Immer wieder werden Jecken auf den Karnevalszügen mit Gegenständen beworfen. In Opladen werden Zugteilnehmer von Mitgliedern eines Familienclans bedroht, in Duisburg werden Pferde im Rosenmontagszug absichtlich erschreckt.

Michael Jansens Sorge gilt besonders den Pferden, die am Duisburger Rosenmontagszug teilnehmen. „Es gibt immer wieder Idioten, die die Tiere absichtlich mit Bonbons bewerfen und versuchen, sie zu erschrecken“, sagt der Präsident des Hauptausschusses Duisburger Karneval. „Solche Leute sollen zu Hause bleiben. Die wollen wir nicht haben“, sagt er.

Landesweit klagen Karnevalisten über Chaoten und Betrunkene, die entlang der Zugstrecken Gegenstände auf die Narren und ihre Wagen werfen. Hans-Peter Suchand ist selbst schon einmal getroffen worden. „Das kommt leider immer wieder vor“, sagt der Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval (CC). „So ein Verhalten ist schon sehr enttäuschend“, sagt er. In Moers ist während des Nelkensamstagszuges vor ein paar Jahren sogar die Karnevalsprinzessin von einer Bierflasche getroffen und schwer verletzt worden. Ein Flaschenverbot soll in Moers nicht nur Scherben verhindern, sondern auch das Werfen von Flaschen.

„Seit es das Verbot gibt, wird jedenfalls nicht mehr mit kleinen Schnapsflaschen nach uns geworfen“, sagt Hans Kitzhofer, Präsident des Kulturausschusses Grafschafter Karneval (KGK). In Moers, sagt ein weiterer Karnevalist, der auf einem Wagen mitfährt, müsse man vor allem ab Bahnhofshöhe aufpassen, nicht von einem Gegenstand getroffen zu werden. Auch deshalb ist dort mittlerweile eine Hundertschaft der Polizei postiert. „Die Beamten achten natürlich in erster Linie auf Krawallmacher, aber auch darauf, dass nichts auf uns geworfen wird“, sagt Kitzhofer.

Monika Franke* fährt seit Jahren auf einem Gesellschaftswagen einer Quettinger Gruppe in Opladen mit. Sie werde von Besuchern mit Bonbons beworfen, beleidigt und sogar bedroht. „Besonders Nicht-Markenprodukte werden schnell zurückgeworfen“, sagt sie. „Es kommt sogar vor, dass Erwachsene ihre kleinen Kinder in unsere Wagen heben, damit diese die Süßigkeiten selbst rausholen können. Es ist unfassbar, wie respektlos die sind“, sagt Franke. Besonders gefährlich werde es in dem Viertel, in dem ein berüchtigter Familienclan lebt und ganze Straßenzüge kontrolliert. „Die werfen alles zurück, was sie nicht gebrauchen können. Zudem bedrohen sie uns massiv und schüchtern uns ein, wenn sie nicht bekommen, was sie fordern“, sagt sie. Die Beleidigungen gingen tief unter die Gürtellinie, auch Schläge hätten Mitglieder dieses Clans ihr angedroht. „Es wird leider immer schlimmer statt besser“, sagt sie.

Ulrich Ziegler, Karnevalist und Teilnehmer eines Zuges im Bergischen Land, hat seinen Unmut über das Verhalten einiger Zugbesucher nun auf Facebook kundgetan. Es sei traurig, wenn undankbare Menschen am Zugweg stehen und sich beschwerten, dass „nur Müll“ geworfen werde. „Den Dreck kannst du behalten, wirf mal lieber Chips“, habe mal einer zu ihm gesagt und ihn auch noch beworfen. Diesen Leuten sagt er: „Wir bezahlen das Wurfmaterial aus eigener Tasche. Seid doch einfach mal dankbar, dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind, ihr hart verdientes Geld für euch auf die Straße zu werfen.“

Die Polizei warnt Chaoten davor, die Karnevalisten zu bewerfen. „Das ist Körperverletzung. Wir achten darauf. Wer von einem Gegenstand am Kopf getroffen wird, kann schwere Verletzungen erleiden“, sagt Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Damit möglichst wenig zurückgeworfen wird, setzt man in Moers auf hochwertige Süßigkeiten. „Wir haben gemerkt, dass die nicht zurückgeworfen werden“, sagt Kitzhofer. Allerdings würden hochwertige Produkte ein anderes Problem hervorrufen. „Es kommt zu Gerangel. Das ist zum Teil ganz schön heftig“, sagt er. Selbst auf Kinder werde dabei kaum Rücksicht genommen. „Die Erwachsenen sind manchmal echt schlimm. Und das nur wegen ein paar Süßigkeiten“, sagt er.

*Name von der Redaktion geändert. Die Karnevalistin will ihren Namen nicht öffentlich machen, weil sie eine Reaktion des Clans befürchtet.

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