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Düsseldorf Karneval 2021: Wagenbauer Jacques Tilly spricht gerne Tacheles

Düsseldorfer Satiriker Tilly im Interview : „Ich bin wirklich stolz auf die Jecken“

Der Wagenbauer ist glücklich über die Rettung seines Teams und freut sich auf den Rosenmontagszug in der Arena. Im Interview wagt er zudem Witze über Corona und blickt auf Länder, in denen es normal ist, fürs Zuschauen beim Zug zu bezahlen.

Jacques Tilly (57) ist ein wandelndes Alleinstellungsmerkmal für die Stadt. Nirgends sonst fahren so viele scharfzüngige Mottowagen im Rosenmontagszug wie hier – dank ihm und seinem Team. Dass es in der Corona-Krise nun Alternativen zum klassischen Karneval geben soll, macht den Satiriker auch ein ganz klein wenig stolz.

„Et hätt noch immer jot jejange“ könnte es nun doch für die Karnevalisten heißen. Das Comitee Düsseldorf Carneval (CC) plant Alternativen für den Karneval. Es soll auch einen Rosenmontagszug in der Arena geben. Glücklich?

Jacqes Tilly Ich finde es super. Ich bin total stolz auf die Jecken, sie versuchen das Beste aus der Situation zu machen.

Es sind auch zwölf Mottowagen von Ihnen geplant. Wann legen Sie los?

Tilly Recht kurzfristig, mancher Wagen wird erst kurz vor Rosenmontag fertig. Die politische Lage kann sich bis zum 15. Februar noch 100 Mal ändern. Bis dahin werden noch einige Säue durchs Dorf getrieben. Wir versuchen immer, so aktuell wie möglich zu sein und natürlich, so gepfeffert wie möglich das Weltgeschehen einzufangen.

Anfang dieses Jahres fuhr ein Wagen mit, auf dem ein Narr dem Coronavirus eine lange Nase macht. Lassen Sie diesen Wagen wieder mitfahren? Und macht das Virus dem Narren nun eine lange Nase? Wäre das denkbar, oder ist das pietätlos?

Tilly Prinzipiell ist im Zoch alles möglich. Ich spreche ja auch gerne Tacheles. Natürlich müssen wir diese Krankheit ernst nehmen, heißt aber nicht, dass wir nicht Witze machen können über den Umgang der Gesellschaft damit. Irgendwas werde ich mit dem Wagen sicher machen, ich denke darüber nach.

Es sollen zwar bis zu 17.000 Menschen in der Arena dabei sein dürfen, aber damit auch viel weniger als sonst beim Rosenmontagszug mit fast einer Million Zuschauern. Ist das für Sie ein Problem?

Tilly Nein! Schön wäre, wenn er fährt. In anderen Ländern ist das Feiern in Arenen beziehungsweise abgesperrten Bereichen auch die Normalversion. Der „Gratis“-Zoch auf den Straßen des Rheinlands ist international gesehen eher die Ausnahme. In Rio feiern die Karnevalisten im Hippodrom – einer Arena – und vor ausgewähltem Publikum. Die größten und tollsten Wagen Italiens fahren in Viagreggio, die Züge dort habe ich oft besucht, die Wagenbauer auch. Da fährt man an fünf Wochenenden hintereinander in einem abgesperrten Bereich an der Promenade mehrfach im Kreis, und man muss um die 15 Euro Eintritt zahlen, wenn man die Wagen sehen will. Im berühmten Karneval von Nizza wird es genauso gehandhabt, da gibt es auch einen abgesperrten Bereich für die Umzüge und Eintritt wird verlangt. Insofern kehrt Düsseldorf mit dieser Aktion zu den Ursprüngen des organisierten Karnevals zurück.

Sie plädieren für die berühmte rheinische Gelassenheit?

Tilly Klar. Die vom CC anstrebte Durchführung des Zochs ist weltweit üblich und funktioniert woanders schon wunderbar, und zwar seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrhunderten. Die Leute, die das eher kritisch sehen, weil es mit den hiesigen Traditionen bricht, sollten nicht so stur an Althergebrachtem festhalten, sondern ruhig mal den Blick auf das weltweite Umzugsgeschehen richten.

Was hören Sie so aus Köln?

Tilly Nichts bis jetzt. Da haben wohl die Düsseldorfer – ganz im Sinne des alten Rivalitätsdenkens – die Nase vorn. Die Mainzer wollen ja vielleicht ihre Wagen am Rheinufer aufstellen, und die Zuschauer gehen daran vorbei. Auch eine Idee.

Das CC will und muss beim Hoppeditz-Erwachen mit Livestreaming arbeiten. Sie selber schätzen face-to-face-Begegnungen, wird Ihnen zu Hause vor dem Rechner oder TV nicht was fehlen?

Tilly Das Hoppeditz-Erwachen ist ja keine so lange Veranstaltung. Damit käme ich klar. Und den Rosenmontagszug sehen doch die Leute auch total gerne im TV, ist doch ein Renner. Ich sehe es als Chance. Corona zwingt das Brauchtum auch, Formen zu finden, die es gesellschaftlich aktuell bleiben lässt – auch bei jungen Menschen. Das schadet sicher auch nicht in der Zukunft.

Wie hat Ihr Team auf die Alternative zum klassischen Rosenmontagszug reagiert?

Tilly Alle sind erleichtert. Ich habe schließlich kein Unternehmen für Großplastiken, sondern die zehn Leute im Kernteam sind absolute Spezialisten für die Wagen im Rosenmontagszug. Ich hatte schon große Sorge, dass ich nicht alle halten kann. Das sind tolle Talente, es wäre sehr traurig und auch Verschwendung, wenn ich sie nicht hätte halten können.

Um die Mottowagen wird vor Rosenmontag ein großes Geheimnis gemacht. Warum?

Tilly Die SPD-Frau Marlies Smeets wurde 1999 als Oberbürgermeisterin abgewählt. Ich zeigte sie mit Messer im Bauch, darüber hat sie sich furchtbar aufgeregt, und das sorgte im Vorfeld des Rosenmontagszuges für viel Wirbel. Das CC hat dann beschlossen, die Wagen nicht mehr vorher zu zeigen. Diesen Stress können wir uns sparen. Übrigens: Hätte damals der CDU-Herausforderer Joachim Erwin verloren, ich hätte ihn auch genauso gezeigt.