Kapriolen vor dem RRX-Start

Nahverkehr in NRW: Kapriolen vor dem RRX-Start

Kurz vor Inkrafttreten des neuen Fahrplans am kommenden Sonntag knirscht es bei den Vorbereitungen offenbar mehr, als bislang bekannt war. Hinter den Kulissen kam es zu einem merkwürdigen Verwirrspiel - aber warum?

Bis 24 Uhr hatte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr am 4. Dezember Zeit (VRR), um der DB Regio mitzuteilen, ob sie zum 9. Dezember weiter für die Linie RE11 zuständig sei oder Abellio wie geplant den Betrieb übernimmt. In fast allerletzter Sekunde, exakt um 23.59 Uhr und 51 Sekunden, erreichte die Bahn-Tochter eine E-Mail des Verkehrsverbundes mit dem Betreff „Kündigung RE11“. Enthalten war ein Schreiben der beiden VRR-Vorstände, Martin Husmann und José Luis Castrillo, in dem sie dem DB-Regio-Chef von NRW, Andree Bach, offiziell das Vertragsverhältnis beenden.

So weit so eindeutig. Doch eine halbe Stunde später blinkte erneut bei DB Regio der E-Mail-Eingang auf. Wieder eine Mail vom VRR. Betreff diesmal nur „RE 11“. In dem enthaltenen Schreiben stellt der VRR fest, „dass wir diese Erklärung nicht fristgerecht abgegeben haben. Wir halten ausdrücklich auch nicht daran fest.“ Also die Kündigung der Kündigung. „Wir halten am Verkehrsvertrag fest“, heißt es weiter.

Und um das Verwirrspiel perfekt zu machen, kam dann am Mittwoch – nun nicht mehr fristgemäß – doch noch die Kündigung. DB Regio verliert also zum 9\. Dezember die Zuständigkeit für die RE 11 an den Konkurrenten Abellio. Ein VRR-Sprecher wollte die Vorgänge auf Anfrage nicht kommentieren. Die DB wollte sich ebenfalls nicht näher äußern.

Wieso aber all dieses Hickhack? Dazu muss man zunächst das Vergabesystem des Verkehrsverbundes kennen, als dessen Architekt VRR-Chef Martin Husmann gilt. Anders als lange üblich, schafft der VRR inzwischen selbst die Züge an und verpachtet diese dann an die beauftragten Verkehrsunternehmen. Das ermöglichte es auch der weniger gut ausgerüsteten Bahn-Konkurrenz, für die Aufträge mitzubieten. De facto befindet sich DB Regio inzwischen in NRW und weiteren Bundesländern auf dem Rückzug. Größter Anbieter hierzulande ist das niederländische Unternehmen Abellio. Dieses erhielt auch den Zuschlag für einen Teil der RRX-Strecken und hätte ab Sonntag auf der Strecke RE 11 mit dem Vorlaufbetrieb starten sollen.

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Allerdings gab es im Vorfeld Bedenken, dass Abellio überhaupt rechtzeitig in der Lage sein würde, den Auftrag auch auszuführen. Die Gründe sind vor allem technischer Natur. So lag trotz des näher rückenden Starttermins die Betriebszulassung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) für die neuen RRX-Züge von Siemens nicht vor. Das Eisenbahnbundesamt hatte Ende November mitgeteilt, es gelte, noch einzelne offene Punkte zu klären, die den Unternehmen bekannt seien. Inzwischen ist die Genehmigung aber da.

Die Züge seien einsatzbereit und würden pünktlich am 9\. Dezember auf die Strecke gehen, sagte der VRR-Sprecher. Allerdings räumte er ein, dass eine Abnahme vonseiten des VRR noch nicht erfolgt sei. „Die Züge sind noch nicht in unser Eigentum übergegangen“, sagte der Sprecher. Es gebe noch ein paar Qualitätsanforderungen, die nicht den Ansprüchen des VRR entsprächen. „Es geht nicht um sicherheitsrelevante, sondern vor allem um ästhetische Dinge.“

Aus Bahnkreisen heißt es, DB Regio hätte für den Fall der Fälle genügend Züge vorgehalten, um Notfalls einzuspringen. Dass die Bahn nun aufgrund des Verwirrspiels auf Vertragserfüllung pochen wird, ist unwahrscheinlich. Einen erneuten Krieg mit dem VRR will sich der Berliner Konzern nicht leisten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht es in den neuen RRX-Zügen aus