Tierchützer nennen Abschuss "groben Unfug": Jäger wollen weiter streunende Katzen abschießen

Tierchützer nennen Abschuss "groben Unfug" : Jäger wollen weiter streunende Katzen abschießen

Der Landesjagdverband behält streunende Katzen im Visier. Nach geltendem Recht dürfen Jäger Katzen töten, wenn sich diese 200 Meter vom nächsten Haus entfernt haben. Der Verband aber ist besorgt über die Gesetzesnovelle, die vor dem Sommer vorgelegt wird.

In NRW würden pro Jahr bis zu 11.000 Katzen erschossen, sagte Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW. Deutschlandweit gebe es zwei Millionen verwilderte Katzen, die großen Schaden in der Natur anrichteten.

Auch Hunde dürfen von Jägern erschossen werden, sofern kein Hundehalter auszumachen ist und die Tiere Wild hetzen. Pro Jahr würden etwa 50 Hunde in NRW getötet, so Müller-Scharrenberg. Der Jagdverband NRW (65.000 Mitglieder) befürchtet, dass im Zuge der Jagdgesetz-Novelle den Jägern die Lizenz zum Töten von Katzen und Hunden entzogen wird. Dagegen will sich die Organisation zur Wehr setzen. Lediglich über eine Ausweitung der "Schutzzonen" für Katzen könne man reden.

Eine Ausdehnung auf 500 Meter sei in NRW aber unrealistisch. "Wildernde Katzen gefährden massiv den Schutz wild lebender Tierarten", sagte der Verbandspräsident. Während der Brut und Aufzuchtzeit bis August erbeuteten die "vermeintlich zahmen Stubentiger und Schoßhunde" etwa eine Million Kaninchen und Hasen sowie über sechs Millionen Vögel. Eine streunende Katze könne pro Jahr bis zu 1000 Vögel, Kleinsäuger und Amphibien erbeuten.

Der Jagdverband betonte, der Abschuss von Katzen sei lediglich die letzte Lösung, wenn die Halter nicht ausfindig gemacht werden könnten. Zugleich wurde eingeräumt, dass ein Halsband eine Katze im Zweifelsfall nicht vor dem Abschuss rettet. Der Verband appellierte an die Halter von Katzen und Hunden, ihre Tiere nicht unbeaufsichtigt frei herumlaufen zu lassen. Das sei ohnehin eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden könne. Der Verband spricht sich zudem für eine Chip-Pflicht bei Katzen zur Ermittlung der Besitzer aus. Sinnvoll sei auch die Einführung einer Katzensteuer, die wie die Hundesteuer verhindern solle, dass sich Bürger zu viele Tiere zulegten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) bezeichnet den Abschuss von Haustieren als "groben Unfug". Den Jägern gehe es "um die pure Lust am Töten. Jäger schießen fast keine Hunde, weil sie selbst Hundehalter sind, Katzen schießen sie massenhaft, weil es ihnen Spaß macht", so Bund-Landesvorsitzender Holger Sticht. Gerade von Hauskatzen gehe keine Gefahr für die heimische Tierwelt aus. Als Beispiel nannte er die bodenbrütenden Vogelarten im Siedlungsbereich, wo es die höchsten Hauskatzendichten und keine Jagd gebe. Der Bestand an Rotkehlchen und Zilpzalp sei hier seit Jahrzehnten konstant hoch. Das Argument, mit dem Haustierabschuss etwas für den Naturschutz tun zu wollen, sei "Jägerlatein".

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) kündigte an, noch vor der Sommerpause den Entwurf für ein "neues ökologisches Jagdgesetz" vorzulegen. Ziel sei eine "zeitgemäße Modernisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Jagd in NRW". Künftig sollten Tierschutz, Naturschutz und naturnahe Waldwirtschaft "Hand in Hand gehen", so der Minister. Einzelheiten nannte er nicht.

(RP)
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