Düsseldorf: Jäger blasen zum Angriff

Düsseldorf : Jäger blasen zum Angriff

Gegen die Reform des Jagdrechts in Nordrhein-Westfalen haben etwa 300 Jäger öffentlich protestiert. Am Samstag trafen vor dem Düsseldorfer Landtag bei zwei Demonstrationen Jäger und Tierrechtler aufeinander. Etliche Tierschützer hatten sich als Füchse oder Rehe verkleidet.

So ein Halali kann vieles sein. Für Klaus Gummersbach ist es heute ein Symbol "für das Ende der Jagd". Es solle aber auch wachrütteln, dieses Halali, sagt er. Die Politiker natürlich und die anderen Jäger, die heute nicht den Weg zum Landtag gefunden haben, weil der Landesjagdverband bei den Kreisjägerschaften dafür gesorgt habe, dass es eben keine Busse nach Düsseldorf gab. Und all die anderen, denen etwas an der Natur gelegen ist, soll es auch erreichen, "unser Halali".

Die Jäger blasen in ihre Hörner. Sie werden es noch einige Male tun an diesem Tag, und im Nachhinein sieht das ein bisschen wie der klägliche Versuch aus, die fehlende Mannstärke eben durch häufiges Blasen zu ersetzen.

"1000 Hörner — Finger weg vom Jagdrecht" ist das Motto der Demonstration vor dem Landtag, und Gummersbach ist der Organisator. Es geht gegen die Novellierung des Jagdrechtes in Nordrhein-Westfalen, ein Gesetz, das von der Landesregierung mit Schlagworten wie "ökologische Reform" beworben und mit dem Tierschutz begründet wird. Die Jäger vor dem Landtag sprechen von einer schrittweisen Abschaffung des Jagdwesens aus ideologischen Gründen, das die Situation in Wäldern und auf Feldern vollkommen verkenne, davon, dass der grüne Umweltminister Johannes Remmel nur Wählerstimmen naturferner Städter einsammeln will und nebenbei die offiziellen Funktionäre einlullt. Deshalb unterstütze der Jagdverband Gummersbach auch nicht. Menschen, die sich "Tierrechtler" nennen, haben ihm Morddrohungen geschickt und von den etwa 300 Jägern, die sich hier versammelt haben, hat nicht einmal jeder Zweite ein Horn dabei. "Noch ein Halali", sagt Gummersbach von seiner Bühne, die "mit freundlicher Unterstützung von Beutehaus — Fleisch aus erster Hand" errichtet wurde. Jagdhunde heulen den Dreiklang mit.

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Doch auch sie übertönen nicht den Radau der Gegendemonstranten, die sich in Rehbockspringweite aufgestellt haben. Mit Lautsprechern, mit Rasseln, als Füchse verkleidet und Schilder vor sich hertragend, die zerfetzte Waschbären und sterbende Kitze zeigen. Oder schlicht die Aufschrift: "Jäger sind Mörder." Auch sie sind nicht viele, 350 mögen es sein, doch sie sind besser organisiert, kennen sich mit den Neuen Medien aus, und letztlich brauchen sie ja auch nur einen gemeinsamen Nenner: Irgendwas mit Tiere mögen, denn gegen die Jagd ist ja jeder, der Tiere mag. Sonja Wende etwa hat einen Hund. Und die Angst, dass jemand ihren Hund töten könnte, machte die 25-Jährige so wütend, dass sie sich während der Fußball-EM in der Ukraine für die dortigen Streuner einsetzte und schließlich zu einer Tierrechtlerin wurde, die Tieren die gleichen Rechte wie Menschen einräumen will. Etwa das Recht, im Wald nicht von "alten Männern in Grün" erschossen zu werden. "Wer ein Tier tötet, sollte genauso bestraft werden wie ein jemand, der einen Menschen tötet", sagt sie. Lebenslänglich? "Ja, lebenslänglich." Doch so ganz überzeugt ist sie dann doch nicht, zumindest härter als bisher, sagt sie.

Eine Auffassung, die auch Daniela Wachsmut, Stephanie Linnemann und Anja Weidner teilen. Sie haben sich als Rehe verkleidet, Warnwesten angezogen, Tiere hätten eine Seele, man müsse nur einem Rehkitz in die Augen schauen, die gleichen Augen seien das wie die eines Mädchens. Ein Aufschrei über den Mord müsse eigentlich durch das Land gehen.

Massentierhaltung, Legehennen, Pelze, Tierversuche, der Angelsport, die Milchindustrie, das Metzger-Handwerk und vor allem die Jagd. Es gibt viele Möglichkeiten, sich für Tierrechte einzusetzen. Irgendwann marschiert die Gruppe Richtung Innenstadt, wo eine Kundgebung am Reiterstandbild Jan Wellems geplant ist.

Die Jäger bleiben noch. Zum einen müssen sie noch auf den Referenten des Ministers warten, der eine Unterschriftenliste entgegen nehmen soll, zum anderen redet noch Georg Jacobs, Chefjäger aus Luxemburg, wo bereits seit 2010 ein ähnliches Jagdrecht besteht, sehr zum Missfallen von Jacobs. Er gibt seinen Freunden aus Deutschland Tipps. Dazu gehört etwa nicht zu versuchen, die sogenannten Tierschützer zu überzeugen. Das ginge eh nicht. Auch solle man den Schulterschluss mit den Grundbesitzern suchen. "Das Gesetz ist eine Vergewaltigung des gesunden Menschenverstandes", sagt Jacobs. Letztlich brauche man die Jagd aber nicht verteidigen, man müsse sie vor allem erklären, fügt er hinzu. Ob mit oder ohne Halali, das spiele eigentlich keine Rolle.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Jäger demonstrieren vor Landtag gegen Jagdrecht

(RP)
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