Irische Punker spielen im Geschwindigkeitsrausch

Irische Punker spielen im Geschwindigkeitsrausch

Wenn im Foyer der Mitsubishi Electric Halle gestandene Männer in karierten Röcken um Bier anstehen und junge Frauen in hautengen T-Shirts reichlich tätowierte Haut zeigen, dann in Erwartung von Rocksounds, die von irischer Folkmusik inspiriert sind. Die Dropkick Murphys kommen zwar nicht von der grünen Insel, sondern aus Neu-England, genauer gesagt aus Boston, doch ihre Mischung aus Irish Folk und punkigem Schrammelrock begeistert eine stetig größer werdende Fangemeinde, die ansonsten auch The Pogues oder Floggy Molly hören würde.

"Let's go Murphys" skandieren die gut 5000, heben Bierbecher und Fäuste und treiben die sieben Musiker immer wieder zu neuen musikalischen Geschwindigkeitsrekorden an. Uillean Pipes und Drums, dazu Tin Whistle, Banjo und Akkordeon dienen als folkloristischer Klanghintergrund für den schnellen, gitarrendominierten Celtic Punk. Vorsänger Al Barr singt mit derart heiserer Stimme, dass man fürchten muss, er könne das Konzert nicht durchhalten. Der meist mehrstimmige Gesang, der kampftrink-erprobt klingt, intoniert die nostalgische Solidarität alter Gewerkschaftslieder ebenso leidenschaftlich wie etwa mit "Deeds Not Words" vom aktuellen "Going Out In Style"-Album den Protest gegen gesellschaftliche Zustände der Gegenwart. Vor der Bühne tanzen Fans ausgelassen und brennen bengalisches Feuerwerk ab, das die Szenerie wie aus einer keltischen Fantasy-Geschichte erscheinen lässt. Zwischendurch nehmen die "Murphys" mit einem akustischen Intermezzo und Songs wie "Take 'em Down" oder "Never Alone" etwas aus ihrem Hals-über-Kopf-Tempo heraus. Doch bald darauf herrscht wieder das pure Ungestüm irisch musikalischer Ausgelassenheit. Unter den Zugaben ist auch der AC/DC-Klassiker "Dirty Deeds Done Dirt Cheap". Wenn die Dropkick Murphys so weiter machen, ist die Halle beim nächsten Konzert mit Sicherheit wieder ausverkauft.

(RP)
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