Düsseldorf: In NRW zaubern 44 Sterneköche am Herd

Düsseldorf : In NRW zaubern 44 Sterneköche am Herd

Nach dem Restaurantführer "Guide Michelin" ist die gastronomische Qualität ungebrochen hoch. Das "Vendôme" in Bergisch Gladbach bleibt aber das einzige Drei-Sterne-Haus. Bundesweit gibt es so viele Sterne-Lokale wie nie zuvor.

Michael Dyllong sitzt auf der Couch und bindet sich gerade die Schuhe zu. Es ist kurz nach halb zwölf gestern Mittag. Der 26-jährige Chefkoch des Dortmunder Restaurants "Palmgarden" macht sich fertig für die Arbeit. In einer halben Stunde fängt seine Schicht an. Plötzlich klingelt das Telefon. Am Apparat ist sein Beikoch, der ihm erzählt, dass Dyllong soeben seinen ersten Michelin-Stern gewonnen hat. "Ich konnte es nicht glauben, als ich das gehört habe", sagt der junge Koch später. "Damit hatte ich nicht gerechnet."

Dyllong ist einer von fünf neuen Köchen, die es in NRW in die Sterne-Liga geschafft haben. Insgesamt wurden im Land 44 Restaurants für ihre herausragende Küche ausgezeichnet, eines mehr als vor einem Jahr. Mit einem Stern hat der "Guide Michelin" 38 Restaurants prämiert, fünf Häuser führen zwei Sterne. Einsam an der Spitze in NRW bleibt Joachim Wissler vom "Vendôme" in Bergisch Gladbach. Vier Gasthäuser haben ihre Sterne verloren, teils, weil sie geschlossen haben, teils, weil sie sich mit neuen Konzepten von der Sterneküche verabschiedeten.

Spitzenreiter bei den prämierten Lokalen ist Düsseldorf mit acht Häusern. Neu mit einem Stern dabei ist etwa das "Agata's". Dort steht Jörg Wissmann seit einigen Jahren am Herd. Der 25-Jährige erhielt die Nachricht, dass er einen Stern bekommen hat, über die Kommunikationsplattform Facebook. "Dort wurden die Gewinner auf den Seiten der Szeneportale veröffentlicht", sagt er. "Ich freue mich total." An zweiter Stelle der Gourmet-Städte in NRW folgt Köln mit sieben Spitzengastronomen. Dort schaffte es Chefkoch Raphael Saloum Doucouré, für das "Le Patron" einen Stern zu holen. Wie Wissmann bekam er die Nachricht über das Internet.

Aber auch abseits der großen Städte stehen in NRW große Talente am Herd. Dazu gehört Sascha Stemberg vom "Haus Stemberg" in Velbert, der auch zum ersten Mal einen Stern erkochte. "Das ist ein erhebendes Gefühl", sagt der 34-Jährige – Abheben kommt bei ihm aber nicht in Frage. "Wir sind ein familiengeführter Landgasthof und werden es auch bleiben", sagt Stemberg. Preise und Gerichte, zu denen auch Deftiges gehört, sollen sich nicht verändern. Stemberg freut sich vor allem darüber, dass er und sein Team dafür belohnt werden, dass sie sich viel Mühe geben, ihre Speisen ständig zu verbessern.

Als Ideen- und Köcheschmiede versteht sich das Hotel "Jagdhof Glashütte" in Bad Laasphe. Dort hat der erst 26-jährige Chefkoch Marcus Bunzel für das Gourmetrestaurant "Ars Vivendi" einen Stern geholt. "Wir geben jungen Köchen die Möglichkeit, sich zu entfalten", sagt Hotel-Eigentümer Edmund Dornhöfer. "Wir haben dafür extra eine neue Küche gebaut. Dort tanzen heute die Köche um den Herd."

Dazu haben die deutschen Küchenchefs auch allen Grund. Mit elf Drei-Sterne-Köchen und 274 Sterne-Restaurants insgesamt im deutschen "Michelin"-Führer untermauert Deutschland seinen Anspruch, in der Spitzengastronomie ganz vorne mitzumischen. "Die deutsche Küche ist so ungeheuer vielseitig, man kann sie gar nicht in eine Schublade stecken", urteilt "Michelin"-Chefredakteur Ralf Flinkenflügel. "Das ist ja gerade ihr großes Plus." In den vergangenen Jahren habe sich eine ungeheure Dynamik entwickelt – auch in der Art, wie sich Top-Restaurants präsentieren. 274 Restaurants seien ein Rekord und bedeuten innerhalb von fünf Jahren eine Steigerung um mehr als 25 Prozent. Das neue, elfte Drei-Sterne-Haus ist das "Überfahrt" in Rottach-Egern. In der Rangliste der Bundesländer kann sich Baden-Württemberg mit 67 Sterne-Lokalen schmücken – gefolgt von Bayern mit 45 und NRW mit 44.

Chefkoch Michael Dyllong hofft, dass durch den Stern mehr Gäste in sein Restaurant "Palmgarden" kommen. "Werktags ist es schon recht leer bei uns", sagt er. "Der Stern ist zwar schön, aber für mehr Leute zu kochen wäre noch viel schöner."

(RP)