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Duisburg: In Duisburg kommt der Bus auf Bestellung

Duisburg : In Duisburg kommt der Bus auf Bestellung

In Duisburg ist es ab sofort möglich, einen Bus per Smartphone zu bestellen. Die Anwendung sei aber keine Konkurrenz zum ÖPNV. Andere Verkehrsbetriebe schauen interessiert nach Duisburg, Taxiunternehmer kritisieren das Projekt.

In Duisburg läuft heute ein Nahverkehrsprojekt an, das in Deutschland bislang beispiellos ist. Ab sofort verkehren im Innenstadtbereich sogenannte On-Demand-Busse, also Busse auf Abruf. Das Angebot ist als Ergänzung zum Fahrplanangebot der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) gedacht und soll helfen, die Nahverkehrsversorgung im Stadtgebiet zu verbessern. "Zum einen wollen wir mit dem Angebot Mybus neue Kunden für den ÖPNV gewinnen", sagt Projektleiterin Birgit Adler, "zum anderen kann das Angebot helfen, die Verkehrsleistung in Randgebieten oder zu Schwachverkehrszeiten zu erhöhen und an die individuelle Nachfrage anzupassen."

Dafür sind nun in der Duisburger Innenstadt in den Wochenendnächten und sonntags On-Demand-Busse unterwegs. Diese Kleinbusse folgen keinem Fahrplan, sondern verkehren auf Basis der Nachfrage der Fahrgäste. Diese übermitteln ihre Fahrtwünsche per App und teilen sich die Fahrten.

So funktioniert es: Ein Nutzer bestellt sich über die Mybus-App einen Bus, gibt einen Abholort und ein Ziel an. Der Zustieg ist überall in dem von der DVG festgelegten Gebiet möglich. Die App nennt Verfügbarkeit und die Wartezeit, bis der Bus den Abholort erreicht. Die Anfahrt lässt sich über eine interaktive Karte in Echtzeit verfolgen. Ist der Fahrgast zugestiegen, errechnet die App unter Berücksichtigung anderer Nutzeranfragen den kürzesten Weg zum Ziel. Wer in einen Mybus einsteigt, nimmt also Umwege in Kauf, da der Fahrer auch andere Nutzer einsammelt. Um längere Wartezeiten und weite Umwege zu verhindern, setzt die DVG bis zu fünf Busse gleichzeitig ein.

Entwickler der App und Projektpartner ist das Unternehmen "Door2Door", das sich auf innovative Nahverkehrsangebote spezialisiert hat. "Das Fahrgemeinschaft-Konzept basiert auf dem Vorbild von Uber und Lyft. Im Gegensatz dazu wollen wir allerdings Synergien erzeugen", sagt Geschäftsführer Tom Kirschbaum. Mybus solle keine Konkurrenz zum ÖPNV sein. Die Ticketpreise in Duisburg richten sich nach den Tarifbestimmungen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Demnach wird eine einfache Fahrt im Stadtgebiet 3,20 Euro kosten. Zeitkarteninhaber, Abokunden und Kinder fahren für 2,50 Euro.

Das Pilotprojekt ist auf drei Jahre angesetzt, Mittel im unteren sechsstelligen Bereich werden investiert. Erweist sich Mybus als interessant, wird der Service dauerhaft in das Angebot der Verkehrsbetriebe aufgenommen. "On-Demand-Busse sind vor allem im ländlichen Raum nützlich", sagt Stephan Kritzinger, Verkehrsexperte beim Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos. Denn dort sei die Nachfrage für den Nahverkehr nach festen Linienplänen nicht hoch genug.

Andere Verkehrsbetriebe aus der Region schauen mit Interesse nach Duisburg. "Das ist eine spannende Geschichte. Wir haben ein ähnliches Modell für Düsseldorf bereits diskutiert, allerdings ist der Funke zur Politik noch nicht übergesprungen", sagt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Gerade mit Blick auf die Zukunft werde es immer wichtiger, autonome Mobilität zu stärken. "Daher kann es nur hilfreich sein, wenn es in anderen Städten funktioniert." Im Gebiet der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe (Niag), das die Kreise Wesel und Kleve umfasst, gibt es bereits ein ähnliches Angebot namens Anrufsammeltaxi. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge von kooperierenden Taxi-Unternehmen, die nach Anruf bestimmte Sammelpunkte anfahren und die Fahrgäste zum Wunschziel transportieren. "Vielleicht ist es aber eine Überlegung wert, ob man das DVG-Modell übernimmt und Fahrgäste demnächst von Tür zu Tür transportiert", sagt Niag-Betriebsleiter Stephan Kreth.

Der Taxi-Verband NRW ist nicht begeistert von den Plänen der DVG. "Wir sehen das Angebot als direkte Konkurrenz", sagt Michael Hook, Geschäftsführer des Verbands. Es sei nicht vertretbar, dass ein subventionierter Betrieb wie die DVG unabhängige Taxiunternehmen derart aushöhle. "Taxis sind Teil des ÖPNV, und so sollten Verkehrsbetriebe und Taxis diesen gemeinsam verbessern", so Hook. Anrufsammeltaxis etwa seien eine gute Lösung. Zudem liefen derzeit Gespräche zwischen Taxi-Düsseldorf und der Rheinbahn, um eine Kooperation auszuhandeln.

(RP)