Hommage an Serge Gainsbourg

Hommage an Serge Gainsbourg

Kurz vor dem Konzert von Jane Birkin im Düsseldorfer Savoy-Theater ist die Erwartung des Publikums so groß, dass man die gesteigerte Aufmerksamkeit fast knistern hört. Als die Musiker hereinkommen, liegt die Bühne in tiefer Finsternis. Plötzlich steht sie da wie eine Geistererscheinung: Von einem einzigen kalkweißen Scheinwerfer in kaltes Licht getaucht, erscheint Birkin – sandfarbene Hose, schwarze Strickjacke, kaum Make-up, kein Schmuck – und singt Gainsbourgs "Requiem pour un Con" (Requiem für ein Arschloch).

Wie es sich für ein Enfant terrible gehört, hatte Serge Gainsbourg, als er den Song 1967 für den Gangsterfilm "Le Pacha" geschrieben hatte, mit dem Titel, der nur abgekürzt auf dem Plattencover erscheinen durfte, für einigen Wirbel gesorgt. Heute ist das Stück ein augenzwinkernder Einstieg in seinen musikalischen Kosmos, in dem Sehnsucht eine Rolle spielt, aber auch Humor und der spielerische Umgang mit Sprache. Eine schillernde Welt, deren Doppelbödigkeit niemand besser kennt als Jane Birkin, die frühere Lebensgefährtin Serge Gainsbourgs.

Als wenige Tage nach Serge Gainsbourgs 20. Todestag die Katastrophe in Fukushima geschah, entschloss sich Birkin, nach Japan zu reisen, um an Ort und Stelle mit ihrer Stimme und seinen Liedern zu helfen. Bei einem Benefizkonzert in Tokio traf sie die vier jungen japanischen Musiker, mit denen sie nun um die Welt reist. Manchmal sind es gerade die zarten, brüchigen Stimmen, die das Publikum am meisten anrühren, weil sie an die Verletzlichkeit des Menschen erinnern. Das Publikum erhebt sich, feiert Birkin mit Ovationen und schickt seine Gedanken "Via Japan."

BARBARA STEINGIESSER

(RP)
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