Holland verschiebt Bau von AKW

Holland verschiebt Bau von AKW

Borssele (anh) Der niederländische Energiekonzern Delta verschiebt den Bau seines umstrittenen Atomkraftwerks (AKW) in Borssele. Grund sei die schlechte Stimmung an den Märkten. Diese würde es derzeit nicht erlauben, ein solches Projekt umzusetzen, teilte der Staatskonzern gestern mit. Deshalb werde sich der Bau des neuen Kernkraftwerks am Ufer der Westerschelde in der Provinz Zeeland um zwei bis drei Jahre verschieben.

Delta betreibt bereits ein Atomkraftwerk in Borssele, an dem die Niederländer mit 70 Prozent und der deutsche Energiekonzern RWE mit 30 Prozent beteiligt sind. Für den geplanten, milliardenschweren Bau des Blocks Borssele 2, der im Jahr 2018 ans Netz gehen sollte, ist Delta seit längerem auf der Suche nach einem finanzstarken Partner. Der französische Konzern EdF hat bereits abgewinkt. Auch der RWE-Konzern hat derzeit weder Geld noch Interesse, sich an Borssele 2 zu beteiligen.

Die Verschiebung durch Delta habe aber nichts mit dem Widerstand der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zu tun, heißt es in der Branche. Die Landesregierung hatte im Rahmen der vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfung Einspruch gegen den Bau des neuen Meilers eingelegt.

Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte dies mit den Risiken für die Menschen in Nordrhein-Westfalen begründet. Käme es zu einem Reaktor-Unfall in Borssele, könnte eine radioaktive Wolke die Landeshauptstadt Düsseldorf innerhalb von sechs Stunden erreichen, hatte Remmel gewarnt. Dann müsste der Katastrophenschutz Jodtabletten an die Bevölkerung verteilen. Auch der Kreis Kleve hatte Einspruch gegen den Bau des zweiten Meilers erhoben. Das EU-Recht macht die Beteiligung der Bürger aus Nachbarstaaten möglich.

(RP)
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