Düsseldorf: Höhere Löhne für Busfahrer – jetzt drohen Abstriche beim Fahrplan

Düsseldorf : Höhere Löhne für Busfahrer – jetzt drohen Abstriche beim Fahrplan

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und die privaten Busunternehmen schlagen Alarm: Sie sagen hohe Belastungen für die Kommunen sowie Einschnitte im Busverkehr voraus. Auslöser dieser Befürchtungen ist eine Entscheidung von NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Demnach gilt für Busfahrer vom 1. Februar 2013 an ausschließlich der kostenträchtige Verdi-Tarifvertrag.

Frank Heidenreich, Chef der CDU-Fraktion im VRR-"Parlament", sieht auf die Städte im Gebiet des Verkehrsverbundes pro Jahr zusätzliche Kosten von 35 Millionen Euro zurollen. Denn auf vielen Buslinien fahren zurzeit private Busbetriebe, die ihre Beschäftigten nach dem Tarif des privaten Omnibusgewerbes bezahlen, der deutlich unter dem Verdi-Tarif liegt.

Heidenreich sieht nur drei Möglichkeiten für die Kommunen: Sie finanzieren die Differenz aus der Stadtkasse, sie rationalisieren in ihren eigenen Verkehrsbetrieben (in denen der Verdi-Vertrag gilt) oder sie streichen die Fahrpläne zusammen. Preiserhöhungen aufgrund der Ministerentscheidung schließt Heidenreich für den VRR aus.

Elmar von der Forst ist der Chef des Kraftverkehrs Schwalmtal, dessen Busse unter anderem für die Stadtwerke in Krefeld, Mönchengladbach und Viersen fahren. Der 47-Jährige ist überzeugt, dass die Bürger die Folgen von Schneiders Entscheidung zu spüren bekommen. Er sagt vor allem für das flache Land enorme Einschränkungen im Linienverkehr voraus. Vielen der 400 mittelständischen Busunternehmen drohe der Untergang.

Die Hälfte der Kosten in seinem Gewerbe sind Personalkosten, erläutert von der Forst, deshalb führe eine relativ kleine Differenz bei den Lohnkosten zu einem spürbaren Wettbewerbsvorteil. Genau dieser Vorteil soll jetzt wegfallen. Von der Frost entlohnt seine Fahrer nach einem mit der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und Dienstleistungen (GÖD) ausgehandelten Tarif. Dort steigt der Stundenlohn nicht – wie beim Verdi-Tarif – mit dem Alter auf schließlich 13 oder 14 Euro. Er sehe aber auch nicht ein, warum ein 40-jähriger Fahrer automatisch eine bessere Leistung erbringe als ein 24-Jähriger, sagt von der Forst. Offenbar sei er dennoch ein attraktiver Arbeitgeber, argumentiert er. Als er vor acht Wochen 40 Fahrer gesucht habe, seien die 40 Mitarbeiter binnen vier Wochen gefunden und eingestellt worden.

Schneider teilt offenbar die Bedenken von Verdi, die die GÖD wegen geringer Mitgliederzahlen für gar nicht tariffähig hält. Der Minister verweist darauf, dass nur 4,9 Prozent der bei den privaten Busunternehmer Beschäftigten der GÖD angehören.

(RP)
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