Uni Köln schafft mit neuem Ansatz digitale Chancen für Orchideenfächer

Köln : Digitale Chance für Orchideenfächer

In Fächern wie Skandinavistik ist das Lehrangebot häufig begrenzt. Die Uni Köln ändert das mit einem neuen Konzept.

Eine Professorin für Fennistik, einen Professor für Skandinavistik, dazu etwa 300 Studierende insgesamt, über alle Semester verteilt: Das Institut für Skandinavistik/Fennistik an der Uni Köln ist ein kleines Fach. Wo in Massen-Studiengängen wie BWL gern mal 300 Leute in einer Vorlesung sitzen, kennt man sich auf den Fluren der Skandinavisten persönlich. Einen Bachelorstudiengang und drei Master-Angebote gibt es in Köln. „Mit Finnisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch und Isländisch bieten wir eine breite Sprachenausbildung“, sagt Stephan Michael Schröder, Professor für Skandinavistik. „Schwierig wird es bei der eigentlichen wissenschaftlichen Fachausbildung. Mehrere Studiengänge und Semester zu bedienen, wird dort eng. Und die Interessen der Lehrenden entsprechen dann vielleicht nicht immer dem Interesse der Studierenden.“

Sprich: Die Auswahl der Vorlesungen und Seminare in einem sogenannten Orchideenfach ist nicht groß. „Das ist anders, wenn man sich das gesamte Angebot skandinavistischer und fennistischer Studiengänge in Deutschland, den Nachbarländern und Skandinavien anschaut“, sagt Schröder. „Jede Professur und damit jedes Institut zeichnet sich durch einzigartige Schwerpunkte in Forschung und Lehre aus, deren Zugang aber begrenzt ist.“ Um das zu ändern, ging man an der Uni Köln einen besonderen Weg, machte sich die fortgeschrittene Digitalisierung zu Nutze und entwickelte das so genannte E-Master-Programm: Über das Internet können Studierende der Uni Köln jetzt Vorlesungen und Seminare der Universitäten in Freiburg, Turku, Berlin, Straßburg, Frankfurt und Münster „besuchen“ – und umgekehrt natürlich auch.

So erweitern die kleinen Fächer ihr Lehrangebot im Master und öffnen ihren Studierenden gleichzeitig noch ein barrierefreies Angebot, das räumlich und zeitlich flexibel ist. „Unsere Studierenden können ihr Profil so individuell gestalten und schärfen und lernen vielfältige fachliche Forschungsschwerpunkte kennen. Außerdem schaffen sie sich schon früh ein wissenschaftliches Netzwerk in ihrem Fach“, sagt Stephan Michael Schröder. Im Angebot der sieben kooperierenden Hochschulen sind etwa Seminare wie „Einführung Interkulturalität am Beispiel Skandinavien“, „Old Norse Mythology Transnational“ oder „Scandinavian popular culture“.

Das E-Master-Programm kommt insbesondere Studierenden entgegen, die berufliche Verpflichtungen haben oder ihre Kinder betreuen müssen. Sie können lernen, wann es ihnen am besten passt. „Die Online-Kurse stehen ganz normal in unserem Vorlesungsverzeichnis und werden von den Dozenten der jeweiligen Universitäten moderiert und betreut“, sagt Elena Brandenburg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Skandinavistik/Fennistik in Köln. „E-Vorlesungen können etwa Mitschnitte einer real stattfindenden Vorlesung sein oder aber eigens für den E-Master aufgenommen worden sein. E-Seminare bestehen auch aus Lesephasen, Einzel- und Gruppenarbeit sowie Präsentationen. Dazu gibt es auch Angebote wie Forumsdiskussionen oder Chats, über die sich die Studierenden vernetzen können.“

Hausarbeiten können zu den Seminaren auch geschrieben werden und gehen an den jeweiligen Kursleiter zur Benotung. Das heißt also, ein Student aus Köln erhält womöglich eine Note von der finnischen Uni in Turku, während ein Münsteraner Student von Stephan Michael Schröder benotet wird. „Das war in der Entstehung des Programms auch ein großer Aspekt: Die Frage, wie es sein kann, dass ein Schein von einer anderen Uni kommt“, sagt Schröder.

Ressourcen versammeln, das Angebot erweitern, auf neue Medien setzen und so den Studiengang attraktiver machen und mehr Studierende für den Master begeistern – die Idee der Kölner Skandinavisten und Fennisten interessiert auf Grund ihrer Zukunftsträchtigkeit auch andere Orchideenfächer. In Köln haben beispielsweise die Australian Studies ein ganz ähnliches Modell entwickelt. Seither hat das Team mit Partneruniversitäten ein eigenes Repertoire an digitalen Lehrveranstaltungen entwickelt: das Netzwerk „Australian Studies Online“.

Und auch bei den Studierenden spricht sich das Angebot rum: „Es gab durchaus schon Anrufe von Interessierten, die gezielt nach dem E-Master-Programm gefragt haben“, sagt Elena Brandenburg. Zudem schult dieses auch berufsrelevante Kompetenzen: Die Skandinavisten und Fennisten in Köln studieren nicht nur Kulturwissenschaft, Literatur und Linguistik, sondern trainieren auch eigenverantwortliches Arbeiten, Kooperationsfähigkeit und Zeitmanagement.

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