Tipps für Abiturienten Schritt für Schritt ins Studium

Düsseldorf · Wer in diesem Jahr Abitur macht, sollte sich langsam aber sicher mit der Frage beschäftigen, wie es danach weitergehen soll. Direkt ins Studium? Und wenn ja: In welches Fach? Diese Schritte sollten Abiturienten gehen, um eine Entscheidung zu treffen.

 Erstsemester Veranstaltung an der Heinrich-Heine-Universität.

Erstsemester Veranstaltung an der Heinrich-Heine-Universität.

Foto: Anne Orthen (orth)

Was soll ich bloß nach dem Abitur machen? Eine Frage, die sich viele Abiturienten stellen – und auch von Eltern und Verwandten gestellt bekommen. Die Antwort zu finden erfordert Zeit und einen genauen Plan, wie Lea Galinski aus der Studienberatung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie die Studien- und Berufsberaterin Karin Wilcke aus Düsseldorf betonen. Sie empfehlen folgende Schritte auf dem Weg zur Studienentscheidung:

Bevor es losgeht

Vor allem anderen empfiehlt Karin Wilcke, sich Gedanken über die eigene Selbstständigkeit zu machen: Wie selbstständig bin ich denn? Möchte ich direkt nach dem Abi ausziehen? In einer weit entfernten Stadt wohnen? „Diese Frage stellte sich früher bei vorherigen Studierendengenerationen überhaupt nicht. Heute ist es aber ganz selbstverständlich geworden, nach dem Abitur erst einmal noch bei den Eltern wohnen zu bleiben“, sagt Karin Wilcke. Wer nicht ausziehen möchte und keine Hochschulstadt in der Nähe habe, also auch nicht pendeln könne, dem stehe der Weg in eine Ausbildung offen. „Das empfehle ich denjenigen, die sich als noch nicht so selbstständig einschätzen, auch ausdrücklich: Nach einer Ausbildung sind die jungen Erwachsenen oft reifer, wissen, was sie wollen, studieren mit mehr Biss, sind stärker auf ein Ziel fokussiert“, so Wilcke.

Erster Schritt

Auch in diesem Schritt geht es darum, sich mit der eigenen Person auseinanderzusetzen: Was sind meine Interessen? Meine Stärken? Hinter welchen Werten stehe ich? Bei welchen Themen bleibe ich hängen? „Die eigene Motivation zu hinterfragen, ist ein Schritt, der oft vernachlässigt wird“, sagt Lea Galinski. Und Karin Wilcke ergänzt: „Tatsächlich können viele junge Erwachsene schlecht formulieren, was sie eigentlich außerhalb der Schule interessiert.“ Um die eigenen Stärken herauszufinden, gibt es online so genannte Selbsterkundungstools, wie etwa „Check U“ von der Agentur für Arbeit. Außerdem bietet etwa die Heinrich-Heine-Universität Studienwahl-Workshops an, in denen die eigene Person im Mittelpunkt steht. „Ein guter Tipp ist auch, dass Umfeld, also Familie und Freunde zu befragen“, sagt Lea Galinski. „Wie schätzen die mich eigentlich ein, wo sehen sie mich? Und stimmt das mit meiner Selbstwahrnehmung überein?“

Zweiter Schritt

Habe ich eine Tendenz, in welche Richtung meine Interessen gehen, heißt es: Informationen sammeln. Welche Studiengänge passen zu meinen Stärken, wo kann ich diese studieren und welche Alternativen interessieren mich? „Diese Recherche läuft hauptsächlich online: Alle Studiengänge in Deutschland finde ich auf der Internetseite www.hochschulkompass.de, oder ich recherchiere direkt an Hochschulen, die mich interessieren“, sagt Lea Galinski. Auch Studienwahl-Messen oder Orientierungs-Wochen, die viele Unis regelmäßig abhalten, sind eine gute Informationsmöglichkeit. Die Uni Bochum hat das so genannte „Borakel“ entwickelt, einen Studienwahltest, den man online machen kann, und der ebenfalls bestimmte Studiengänge passend zu den eigenen Interessen empfiehlt. Karin Wilcke rät an diesem Punkt auch, sich selbst zu befragen, ob man ein Studium bevorzugt, dass auf einen klaren Beruf hinführt. Oder komme ich damit klar, ohne definiertes Berufsziel zu studieren? „Kann ich das nicht, wird es mit den Geisteswissenschaften eher schwer. Und vielleicht ist dann ein duales Studium in Kombination mit einer Berufsausbildung, für mich besser.“

Dritter Schritt

Nun folgt die Information vor Ort, an den Hochschulen selbst. „Was viele nicht wissen: Man kann in der Regel immer in Vorlesungen hineinschnuppern“, sagt Lea Galinski. „Ich schaue also auf der Internetseite des Studiengangs, der mich interessiert, ins Vorlesungsverzeichnis und setze mich dann beispielsweise in eine Biologie- oder in eine BWL-Vorlesung. Oft klärt sich durch so einen Besuch der Studienwunsch ganz schnell. In der Studienberatung der Heinrich-Heine-Universität bieten wir interessierten Schülerinnen und Schülern außerdem an, ihnen für einen Tag oder sogar eine ganze Woche einen Stundenplan individuell zusammenzustellen, mit dem sie in verschiedene Fächer hineinschnuppern können. Abiturienten haben ja nach den Prüfungen in der Regel Zeit, und die kann man prima zum Schnupperstudium nutzen.“ Ein weiterer Vorteil: Man kann auf dem Campus mit Studierenden sprechen, höhere Fachsemester befragen und so den Studienwunsch festigen – oder eben nicht. „Auf dem jeweiligen Campus bekommt man auch ein gutes Gefühl dafür, ob man sich selbst dort sieht“, sagt Karin Wilcke.

Vierter Schritt

Nun steht die Entscheidung an: Für welche Fächer bewerbe ich mich? Dabei gilt: Für die allermeisten zulassungsbeschränkten Studiengänge in Deutschland muss man sich bis zum 15. Juli bewerben. Lea Galinski empfiehlt, einen Plan B einzubauen, falls es mit dem Wunschstudium nicht klappt – etwa, weil der NC nicht passt. „Wenn ich etwa Psychologie studieren möchte, weil mich der therapeutische Bereich interessiert, weil ich Menschen in Krisen unterstützen möchte, wenn das meine Motivation aus Schritt eins ist, dann ist meine Alternative vielleicht ein Studium der Sozialen Arbeit.“ Die Studienberaterin rät, eine persönliche Liste mit Prioritäten anzulegen und sich intensiv mit den jeweiligen Bewerbungsverfahren und deren Priorisierungssystem zu beschäftigen: „Nehme ich beispielsweise den angebotenen Medizin-Studienplatz in jedem Fall an, auch wenn ich dafür weit weg wohnen muss? Oder ist es mir doch wichtiger, in der Nähe der Familie zu bleiben, und ich schwenke um auf Jura in meiner Heimatsstadt, verabschiede mich dafür aber von dem Medizinstudium. Nur wenn ich das im Vorfeld für mich klar priorisiert habe, erspare ich mir Entscheidungs-Stress in der Phase, in der die Zu- und Absagen ins Postfach flattern.“

Und dann?

Habe ich mich für ein Fach entschieden und eingeschrieben, gibt es oft immer noch Zweifel. Karin Wilcke beruhigt: „Die Wahl, die ich nach dem Abitur treffe, betrifft die nächsten drei Jahre meines Lebens. Sie bestimmt weder mein gesamtes Berufsleben, noch ist sie unumkehrbar. Sie ist nur ein erster Schritt.“ Die Studienberaterin empfiehlt außerdem, das Studium von Beginn an ernstzunehmen und hinter der getroffenen Entscheidung zu stehen. „Auch wenn die ersten Wochen vielleicht schwer sind, man sich nicht direkt wohl fühlt: Dem einmal gewählten Studium sollte man eine Chance geben. Und am besten alle Erstsemester-Veranstaltungen mitnehmen. Dabei lerne ich Leute kennen, denen es allen ähnlich geht. Und ich komme an im neuen Lebensabschnitt.“

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