Neue Statistik Zahl der Studierenden ohne Abi seit 2011 mehr als verdoppelt

Gütersloh · Die Zahl der Studierenden ohne Abitur hat einen neuen Höchstwert erreicht. Woran das liegen kann und welche Hochschulen besonders beliebt sind.

Die Zahl der Studierenden, die kein Abitur haben, hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt (Archivbild).

Die Zahl der Studierenden, die kein Abitur haben, hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt (Archivbild).

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Mit rund 70.000 hätten 2021 so viele Menschen wie noch nie in Deutschland die Möglichkeit genutzt, sich über den beruflichen Weg für ein Hochschulstudium zu qualifizieren, erklärte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) am Dienstag in Gütersloh unter Berufung auf aktuelle Statistiken. Das seien etwa 4.000 mehr als im Jahr davor gewesen. Der Anteil an der gesamten Studierendenschaft betrug 2021 demnach 2,4 Prozent.

Seit 2011 gibt das CHE jährlich Zahlen zum Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife heraus. Datengrundlage sind jeweils die Angaben des Statistischen Bundesamtes. Seitdem hat sich die Zahl der Studierenden ohne Abi den Angaben zufolge von 32.200 auf 70.338 mehr als verdoppelt.

Auch bei der Zahl der beruflich qualifizierten Erstsemester sei mit rund 16.000 ein neuer Höchststand zu verzeichnen, hieß es. Die meisten davon haben sich laut Studie in Thüringen eingeschrieben. Dort beträgt ihr Anteil an allen Studienanfängerinnen und -anfängern 13,5 Prozent. Dahinter folgen Hamburg (5,1 Prozent) und Bremen (4,9 Prozent). Nordrhein-Westfalen liegt mit einem Anteil von 3,2 Prozent im Mittelfeld. Schlusslichter sind Brandenburg und das Saarland (beide 1,4 Prozent).

Neben der IU Internationalen Hochschule in Erfurt gehören die staatliche Fern-Universität in Hagen und die private Diploma Hochschule mit Sitz im nordhessischen Bad Sooden-Allendorf zu den drei am stärksten nachgefragten Hochschulen bei Erstsemestern ohne Abi. Private Hochschulen boomen laut Sigrun Nickel, Leiterin Hochschulforschung beim CHE. Den Trend führt sie darauf zurück, dass private Hochschulen in der Regel ein flexibles Studium mit hohen Anteilen von E-Learning anbieten. „Dies kommt berufserfahrenen Studierenden oftmals entgegen, die mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren rund 7,5 Jahre älter sind als ihre Kommilitonen mit Abitur und häufig schon Familie haben“, erläuterte Nickel.

Rund neun von zehn der beruflich qualifizierten Studierenden absolvieren den Angaben zufolge ein Bachelorstudium. Bei den Erstsemestern entschieden sich 2021 mehr als die Hälfte für die Fächer Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wie es hieß. Aber auch in zulassungsbeschränkten Fächern wie etwa Medizin habe jeder 100. Studienanfänger kein Abitur gehabt.

Voraussetzungen für die Bewerbung um einen Studienplatz ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife sind in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie der Nachweis von Berufserfahrung oder der Abschluss einer beruflichen Aufstiegsfortbildung.

(toc/epd)