Mehr Hausärzte für ländliche Regionen: NRW-Quote für das Medizinstudium

Neuer Vorstoß in NRW : Quoten im Studium gegen Landarztmangel

NRW führt eine Quote im Medizinstudium ein, um mehr Hausärzte für ländliche Regionen zu gewinnen.

 (dpa) Das Bewerbungsverfahren für die neuen Landarzt-Studienplätze in Nordrhein-Westfalen startet Ende März. In einem zweistufigen Verfahren können sich Studierende für einen Medizinstudienplatz mit Landarztquote bewerben.

An welchen Unis wird der Studiengang angeboten?

An der RWTH Aachen, der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Bonn, dazu kommt eine Kooperation der Universitäten Bonn und Siegen, sowie Plätze an den Universitäten Düsseldorf, Duisburg-Essen, Köln und Münster. Die Bewerber können Präferenzen für die möglichen Studienorte angeben.

Welche Verpflichtungen gehen die Studierenden ein?

Die Studierenden verpflichten sich, nach der Ausbildung zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Wer den Vertrag nicht erfüllt, muss mit einer Strafzahlung in Höhe von 250.000 Euro rechnen – so viel kostet das Land ein Medizinstudienplatz. Die Grünen kritisierten es als unverantwortlich, „dass junge Menschen eine langfristig bindende Entscheidung treffen müssen, deren Folgen sie noch nicht klar abschätzen können“. Auch die SPD hat rechtliche Bedenken, dass Abiturienten bereits in jungem Alter auf einen bestimmten Berufsweg festgelegt werden sollten. „Mit Anfang 20 oder noch jünger weiß niemand, wie sein Berufsleben viele Jahre später aussehen wird.“

Wieviele Ärzte werden in NRW pro Jahr ausgebildet?

In NRW werden nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) pro Jahr etwa 2000 Ärzte ausgebildet. Das Problem: Nur etwa 200 von ihnen entscheiden sich für eine Weiterbildung in Allgemeinmedizin. Darüber hinaus wurden nach Angaben Laumanns allein im vergangenen Jahr rund 1500 ausländische Ärzte in NRW anerkannt. Aber auch mit ihnen werde das Problem des Ärztemangels nicht gelöst.

Wie steht es aktuell um die Hausärzte auf dem Land?

Immer mehr Hausärzte gehen in den Ruhestand. Von rund 11 000 Hausärzten haben fast 60 Prozent das 60. Lebensjahr überschritten. Rund jeder achte Hausarzt in NRW arbeitet über das 65. Lebensjahr hinaus – in Westfalen-Lippe ist es sogar jeder fünfte. Jedes Jahr gehen Laumann zufolge in NRW mehr als 400 Allgemeinmediziner in Rente – und nicht einmal halb so viele neue kommen aus der Ausbildung.

Wie sieht die Landarztquote aus?

7,6 Prozent der Medizinstudienplätze werden künftig im Rahmen der Landarztquote vergeben – unabhängig vom üblichen Numerus clausus. Insgesamt stehen damit zunächst jährlich rund 170 Studienplätze zur Verfügung – davon im kommenden Wintersemester 145 Plätze, im Sommersemester 2020 kommen dann 25 hinzu.

Wie sind die Bewerbungsfristen?

Wer zum Wintersemester einen Medizinstudienplatz über die Landarztquote bekommen will, kann sich vom 31. März bis 30. April 2019 online und dann in Papierform beim Landeszentrum für Gesundheit (LZG) in Bochum bewerben. Vom 1. bis 30. September läuft die Bewerbungsfrist für das Sommersemester.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab?

Das Verfahren ist zweistufig. Zuerst werden die Abiturnote und der Test für Medizinstudiengänge mit je 30 Prozent und eine Ausbildung oder berufliche Tätigkeit mit 40 Prozent gewichtet. Dann folgen Auswahlgespräche. Aus den Ergebnissen beider Bewerbungsstufen wird eine Gesamtrangliste gebildet.

Wann kommen die ersten „Quoten-Landärzte“?

Laumann räumt ein, dass die Landarztquote erst spät Wirkung zeigen wird. Wer 2019 anfange zu studieren, werde erst in etwa zehn Jahren mit Studium und Ausbildung fertig sein. Es gebe aber weitere Instrumente, um mit dem Problem des Hausärztemangels fertig zu werden, etwa der Quereinstieg für ältere Klinikärzte. Zudem seien die Studienplätze in Witten-Herdecke auf 170 verdoppelt worden, weil dort rund ein Drittel der Absolventen in die Allgemeinmedizin gehe. Mit Hochdruck werde auch am Aufbau der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen in Bielefeld mit 300 Studienplätzen ab 2022 gearbeitet.

Gibt es die Landarztquote auch in anderen Bundesländern?

Auch Bayern und Rheinland-Pfalz sind dabei, die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen.

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