Keine Panik vor schlechtem Abi - auch damit kann man studieren

Hälfte der Studiengänge zulassungsfrei : Auch mit schlechtem Abi studieren

Keine Panik bei schlechten Noten – über die Hälfte der Studiengänge in Deutschland sind zulassungsfrei.

  Die Konkurrenz um Studienplätze ist groß. Und wer sich über mögliche Studiengänge informiert, bekommt schnell den Eindruck, dass vor allem Überflieger eine Chance auf einen Platz an der Hochschule haben. Schüler mit eher ausbaufähigem Abitur-Schnitt zweifeln dann schnell, ob die Noten überhaupt zum Studieren reichen.

Was im ersten Moment für Unwohlsein sorgt, ist aber kein Grund zur Panik. „Wer Abitur hat, darf studieren. Mit dem Abi erwirbt man die so genannte Hochschulzugangsberechtigung“, erklärt Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Diese Berechtigung erlaubt jedem Abiturienten an jeder staatlichen Universität, Hochschule für Angewandte Wissenschaften oder Dualen Hochschule jeden grundständigen Studiengang aufzunehmen.

Schwierig wird es für diejenigen, die ein Fach studieren wollen, bei dem es mehr Bewerber als Plätze gibt – das ist vor allem in der Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie in der Pharmazie und mit Einschränkungen auch in der Psychologie der Fall. Hier kommt dann der Numerus Clausus (NC) ins Spiel – sprich: Der Studiengang ist zulassungsbeschränkt, und  die   Abiturnote und andere Faktoren werden bei der Auswahl der Kandidaten als Kriterien hinzugezogen.

„Für über die Hälfte der rund 10.000 in Deutschland angebotenen grundständigen Studiengänge gibt es jedoch keinen NC. Man kann sich also unabhängig von seiner Note einschreiben“, erklärt Cort-Denis Hachmeister. In diesen zulassungsfreien Studiengängen sei gewissermaßen der Studienplatz bei Vorliegen einer entsprechenden Zugangsberechtigung garantiert, erläutert Martin Scholz, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Information, Beratung und Therapie an Hochschulen. Ausnahmen gibt es bei künstlerischen Studiengängen. Hier muss man meist eine besondere Eignung nachweisen. Außerdem können die Hochschulen in manchen Fällen etwa ein Vorpraktikum oder einen Sprachnachweis fordern.

Grundsätzlich sollten Studieninteressierte immer möglichst frühzeitig beginnen, sich mit dem Thema Studienwahl zu befassen. „Das große Angebot an studienvorbereitenden Maßnahmen sowie die Studienberatung unterstützen dabei, einen nötigen Abgleich der individuellen Interessen und Fähigkeiten mit den Anforderungen und Erwartungen von Studiengängen zu gewährleisten“, sagt Jörn Alphei, stellvertretender Leiter der Abteilung Studium und Lehre an der Georg-August-Universität Göttingen. Die Uni Göttingen bietet neben Informationsveranstaltungen beispielsweise mit einem Self-Assessment-Tool eine virtuelle Studienorientierung an. Im Allgemeinen dienen Studienberatungen als erste Anlaufstelle bei allen Fragen rund um Fächerwahl, Bewerbung, Zulassung oder Studienstart.

Klappt es mit dem Erst-Wunsch für das Studienfach nicht, ist das kein Beinbruch. Cort-Denis Hachmeister empfiehlt, bei der Bewerbung „mehrgleisig zu fahren, um am Ende nicht ohne Studienplatz dazustehen“. Man sollte sich nicht nur für den einen absoluten Wunsch-Studiengang an einer Hochschule bewerben, sondern zumindest eine zulassungsfreie Alternative im Blick haben.

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