Studieren als Zweitjob In Teilzeit an die Uni – so geht’s

Weil man sich um Kinder kümmern muss, um kranke Familienangehörige, oder weil man schon einen Beruf hat – es gibt viele Gründe, nicht in Vollzeit zu studieren. Der Anteil der Teilzeitstudierenden wächst und ist so hoch wie nie. Allerdings sind viele Hochschulen darauf nicht eingerichtet.

Es gibt viele Gründe für ein Teilzeitstudium. Kinder sind einer davon.

Es gibt viele Gründe für ein Teilzeitstudium. Kinder sind einer davon.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Düsseldorf Jung, kinderlos, mit finanzieller Unterstützung der Eltern oder durch Bafög: So sieht der durchschnittliche Student für das Gros der deutschen Hochschulen aus. Und auch für die Politik. Wer wegen großem Arbeitspensum oder weil er bereits Mama oder Papa ist, in Teilzeit studieren möchte, findet nur wenige Angebote. „Im Berufsalltag sind Teilzeitmodelle bereits flächendeckend etabliert. Davon kann im Bereich der akademischen Aus- und Weiterbildung noch keine Rede sein“, sagt Cort-Denis Hachmeister, Experte zum Thema Hochschulzugang beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). „Wer in Deutschland berufsbegleitend studieren oder sein Studium – etwa wegen familiärer Verpflichtungen – reduzieren möchte, muss Geld oder Glück haben: Entweder Geld für ein kostenpflichtiges Studium an einer privaten Hochschule oder das Glück, an einer staatlichen Hochschule mit großzügigen Teilzeitregelungen zu studieren.“

Denn: Echte Teilzeitangebote gibt es vor allem an privaten Hochschulen, und die kosten Studiengebühren. Und: Wer seinen Anspruch auf BAföG nicht verlieren möchte, darf bislang ohnehin nicht offiziell in Teilzeit studieren – ein Punkt, den die neue Bundesregierung in der aus Sicht des CHE fälligen BAföG-Reform schnellstmöglich ändern sollte. Denn der Anteil der Teilzeitstudierenden in Deutschland ist so hoch wie noch nie: Zum Wintersemester 2019/20 studierten laut Statistischem Bundesamt rund 223.000 Menschen in Deutschland offiziell in Teilzeit. Das entspricht einem Plus von 8.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der Teilzeitstudierenden an allen Studierenden beträgt somit 7,7 Prozent.

Noch fehlen zeitlich flexible Studiengänge an staatlichen Hochschulen, die von den Studierenden auch pragmatisch und unkompliziert in Anspruch genommen werden können, so das CHE. „Zwar bestand im Jahr 2020 auf dem Papier für jedes sechste Studienangebot auch eine Teilzeitoption, diese muss aber bei staatlichen Hochschulen mit unterschiedlich hohem bürokratischen Aufwand beantragt und die Teilzeitberechtigung nachgewiesen werden“, sagt Cort-Denis Hachmeister.

In einem „echten“ Teilzeitstudium ist die Anzahl an Kursen, Prüfungen und Klausuren pro Semester deutlich reduziert. Und die Angebote sind so gelegt, dass sie sich besser mit dem Familien- oder Berufsleben kombinieren lassen. Das können beispielsweise Block- und Wochenendseminare sein, Kurse nach Feierabend oder ein Fernstudiengang. Ein Teilzeitstudium bietet so die Möglichkeit, Studium und Familie oder Weiterbildung und Beruf unter einen Hut zu bringen. Gleiches gilt für Studierende mit körperlichen Einschränkungen oder sonstigen Verpflichtungen wie etwa einem Ehrenamt oder einer sportlichen Karriere.

Die meisten Teilzeitstudiengänge gibt es in den Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, den Gesundheitswissenschaften oder den Sprach- und Kulturwissenschaften. Nordrhein-Westfalen hat absolut gesehen die meisten Teilzeitstudierenden aller Bundesländer. Mit 101.982 Personen studiert knapp die Hälfte aller 223.000 Teilzeitstudierenden an einer Hochschule in NRW. Hiervon entfällt wiederum rund die Hälfte allein auf die Fernuniversität Hagen – sie hat auch bundesweit die meisten Studierenden in Teilzeit. Mit einer Quote von 13,1 Prozent liegt NRW im Ländervergleich auf Rang 2 hinter Hamburg. In Nordrhein-Westfalen gibt es mittlerweile 38 Hochschulen, an denen jeweils mehr als ein Prozent der Studierenden in Teilzeit studiert.

 Die Hochschulen in der Region bieten vereinzelt „echte“ Teilzeitstudiengänge an, die also speziell für Teilzeitstudierende konzipiert sind: Wie etwa der Bachelor-Studiengang „Sozialarbeit / Sozialpädagogik“ an der Hochschule Düsseldorf. Während er in Vollzeit 7 Semester dauert, sind für das Teilzeitstudium 12 Semester angesetzt. Und auch die Hochschule Niederrhein in Krefeld und Mönchengladbach ist auf Teilzeitstudierende eingerichtet. Dort kann man etwa die Bachelor-Studiengänge Soziale Arbeit, Informatik, Wirtschaftsinformatik und Health Care Management auch in Teilzeit belegen. Die FH Aachen bietet Betriebswirtschaft in Teilzeit an, die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen den Bachelor Chemie.

Die meisten echten Teilzeitstudiengänge sind in etwa mit der doppelten Zeit des Bachelor-Studiums angegeben. Das hat aber laut CHE keine negativen Auswirkungen auf die spätere Jobsuche, im Gegenteil, schließlich beweist man mit einem erfolgreich absolvierten Teilzeitstudium möglichen Arbeitgebern eine überdurchschnittliche Motivation, hohe Belastbarkeit und Durchhaltevermögen.

 Übrigens muss man als Teilzeitstudent in der Regel genau die gleichen Semesterbeiträge zahlen wie alle anderen, der Betrag wird nicht halbiert. Dafür kann man aber auch Studi-Rabatte nutzen, hat selbstverständlich Zutritt zur Bibliothek, kann im Wohnheim wohnen oder hat Zugang zu den Betreuungsplätzen der Uni-Kita – letzteres ist vor allem für diejenigen wichtig, die wegen der Kinderbetreuung in Teilzeit studieren. Lediglich beim Semesterticket muss man genauer hinsehen: Einzelne Verkehrsverbünde machen Ausnahmen.