Cyber Campus NRW Studieren für den Kampf gegen Kriminelle im Netz

Um sich vor Cyber-Kriminellen zu schützen, benötigen Unternehmen speziell geschulte Absolventen. An der Hochschule Niederrhein und an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg können Studierende nun am neuen Cyber Campus NRW passende Angebote finden.

 An der Hochschule Niederrhein kann man jetzt Cyber Security Management studieren.

An der Hochschule Niederrhein kann man jetzt Cyber Security Management studieren.

Foto: Hochschule Niederrhein

Cyberkriminalität zählt zu einer der größten Bedrohungen für die Wirtschaft. Richtig realisiert haben viele die Bedrohung vor allem durch den Fall an der Uniklinik in Düsseldorf im Herbst 2020: Eine Schadsoftware hatte dort 30 Server verschlüsselt und weite Teile der Systeme stillgelegt. In Folge des anhaltenden IT-Ausfalls konnten etwa nur die Hälfte aller Patienten versorgt werden, eine Frau ist verstorben. Es dauerte Wochen, bis die Uniklinik wieder normal arbeiten konnte. Um sich vor Cyber-Kriminellen zu schützen, benötigen Unternehmen speziell geschulte Absolventen. Am Cyber Campus NRW, den die Hochschule Niederrhein und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gemeinsam gegründet haben, werden genau diese ausgebildet.

 Sicherheitsambitionierte und gestaltungsfreudige junge Köpfe, die ein innovatives und zukunftsorientiertes Studium suchen, um die technische Welt von morgen mit ihren digitalisierten und automatisierten Grundelementen effektiv und effizient zu gestalten: So beschreibt das Team des Cyber Management Campus an der Hochschule Niederrhein seine Studierenden. Vor einem Jahr ist der Bachelor „Cyber Security Management“ erfolgreich gestartet, zusammen mit dem aktuellen Semester haben sich über 250 junge Menschen neu eingeschrieben. Dabei sind nahezu ein Drittel der „Ersties“ junge Frauen. Und es ist eine bunte Mischung Studierender, die sich für das Thema Cyber-Sicherheit interessiert – bunter als in manch anderem Fach. „Die Gruppe ist sehr heterogen, sowohl was die Vorbildung angeht, als auch von den persönlichen Schwerpunkten her“, sagt Gudrun Stockmanns, die gemeinsam mit René Treibert und Thomas Meuser das Leitungsteam des Cyber Management Campus an der Hochschule Niederrhein bildet.

 So seien unter den Studierenden klassische Schulabsolventen genauso wie solche, die bereits über ein abgeschlossenes Bachelorstudium verfügen. Die einen seien mehr an IT-Sicherheit interessiert beziehungsweise sehr technik-affin, während andere primär Management-orientiert seien. „Um der gesamten Gruppe gerecht zu werden, haben wir uns deshalb für ein innovatives Lehrkonzept, das problembasierte Lernen, entschieden. Dabei kann jede und jeder ihre und seine Stärken ausspielen“, sagt Thomas Meuser, Experte für Netzwerksicherheit am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik. Das funktioniert, indem die Studierenden an praxisnahen Projekten aus dem Bereich der Cyber-Sicherheit arbeiten. So profitiert die Gruppe von den unterschiedlichen Vorerfahrungen einzelner Mitglieder, außerdem wird wissenschaftliches Arbeiten im Team von Beginn des Studiums an eingeübt. „Wir befähigen die Studierenden so, weitgehend selbständig eine Lösung für ein vorgegebenes Problem zu finden und stehen als Lehrende eher in der Rolle eines Coaches an ihrer Seite“, sagt Gudrun Stockmanns, Professorin für Praktische Informatik.

 Mit diesem Lehrkonzept werden die Studierenden optimal auf ihren späteren Einsatz in Unternehmen oder bei Behörden vorbereitet, wo sie als Cyber Security Managerinnen und Manager sicherheitsrelevante und bereichsübergreifende Projekte planen und leiten sowie die Steuerung und Umsetzung der prozessualen und organisatorischen Informationssicherheit im IT-Betrieb und in der Informationstechnik übernehmen. „Der Bedarf an Cyber Security-Spezialisten ist sehr viel höher, als momentan Absolventen zur Verfügung stehen“, sagt René Treibert, Professor für Wirtschaftsinformatik und Leiter des Instituts für Informationssicherheit Clavis. „Unsere Studierenden werden realitätsnah und praxisbezogen ausgebildet und können genau diese Stellen besetzen.“

Wer nach dem Bachelor-Studium nicht sofort in den Beruf einsteigen, sondern sich an der Hochschule weiterqualifizieren möchte, dem steht seit dem vergangenen Sommersemester auch der Master „Cyber Security Management“ offen. „In diesem sind bisher noch nicht unsere eigenen Bachelor-Absolventen gestartet, weil die ja nun erst das dritte Semester beginnen, sondern beispielsweise Absolventen eines Bachelors in Informatik oder Wirtschaftsinformatik“, erläutert Thomas Meuser.

 Für die neuen Studiengänge hat die Hochschule Niederrhein den Cyber Management Campus im Monforts Quartier in Mönchengladbach geschaffen. Die Studierenden lernen im Industrie-Charme der ehemaligen A. Monforts Textilmaschinenfabrik, zwischen Maschinenbauern und Modedesignern, zwischen Eventagenturen und Rechtsanwälten.

 Im kommenden Jahr, zum Wintersemester 2022/23, startet am Cyber Management Campus im Monforts Quartier – dessen Räume und Infrastruktur übrigens nach neuesten technischen Standards ausgestattet wurden – der Bachelor-Studiengang „Digitale Forensik“. „Während es beim Cyber Security Management um Prävention, Schutzmaßnahmen, die Aufmerksamkeit für etwaige Datenlecks geht, nimmt die Digitale Forensik den Sicherheitsvorfall in den Blick – also wenn tatsächlich IT-Systeme kompromittiert oder Daten entwendet wurden“, erklärt Thomas Meuser. Dann rücken Fragen wie „Wo war die Schwachstelle?“, „Welche Daten wurden entwendet?“ sowie rechtliche Fragestellungen in den Fokus. „Forensiker werden händeringend gesucht, der Markt ist quasi leer“, sagt René Treibert.

 In diesem Jahr hat das Team des Cyber Management Campus an der Hochschule Niederrhein außerdem die Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg intensiviert: Beide Hochschulen bilden gemeinsam den Cyber Campus NRW und bündeln beim Thema Cyber-Sicherheit ihre Kompetenzen. „Wir werben gemeinsam für das Thema, verzahnen unsere Lehre und schaffen so gemeinschaftlich ein größeres Angebot“, sagt René Treibert. „So bieten wir etwa Lehrveranstaltungen am jeweils anderen Standort an, sprechen Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam an und können so voneinander profitieren.“