Hochschule Auf Probe beim Roboter

Krefeld · An manchen Hochschulen können Abiturienten ein Semester lang ausprobieren, ob ihnen ein MINT-Studienfach liegt.

 Im Robotiklabor der Hochschule Niederrhein können vor allem Studentinnen mögliche Berührungsängste mit der Technik abbauen.

Im Robotiklabor der Hochschule Niederrhein können vor allem Studentinnen mögliche Berührungsängste mit der Technik abbauen.

Foto: HS Niederrhein

Eigentlich war Hannah Rankers schon beim Eintritt in die Oberstufe klar, dass sie Maschinenbau studieren möchte, um Ingenieurin zu werden. „Aber ich wollte mir wirklich sicher sein, zumal ich bis dahin natürlich noch kein Wissen über die Berufspraxis einer Ingenieurin sammeln konnte.“ Da erfuhr die 20-Jährige vom Programm „MINT dual“ der Hochschule Niederrhein: Wer darüber nachdenkt, ein naturwissenschaftlich-technisches Studium zu belegen, kann das erst einmal ein Semester lang ausprobieren.

Hintergrund des Programms ist, dass sich Mädchen seltener als Jungen für ein Studium im MINT-Bereich entscheiden – und das, obwohl sie in der Schule nicht weniger begabt sind. „Diese Mädchen sind aber oft unsicher, ob ein technisches Fach wirklich etwas für sie ist. Schließlich studieren dort ja vor allem Jungs“, sagt Beate Brungs, die an der Hochschule Niederrhein ein spezielles Programm für technikinteressierte Mädchen entwickelt hat. Dieses sieht vor, ein Semester auf Probe in einem einschlägigen Fach zu studieren. Zur Auswahl stehen Studiengänge in den Fachbereichen Chemie, Elektrotechnik und Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik. Parallel dazu absolvieren die jungen Frauen drei Tage in der Woche in einem Betrieb ein Praktikum. Durch die Mischung von Theorie und Praxis sollen die Studentinnen erfahren, welches Wissen später einmal im Job gefordert ist.

„Während des Semesters habe ich zwei Praktika absolviert und gleichzeitig an der Hochschule studiert“, sagt Hannah Rankers. „Super war natürlich, dass man schon mit den ,richtigen‘ Studierenden zusammen lernt und sich austauschen konnte. Für mich wurde in der Zeit auch klar, dass ich das Studium auf jeden Fall mit einer Ausbildung flankieren, also dual studieren wollte.“ Denn handwerkliche Erfahrungen seien im Beruf später sehr wichtig, „damit man auch umsetzen könnte, was man so plant“. Und: Gerade als Frau müsse man etwas können und sich beweisen.

Hannah Rankers macht deshalb parallel zum Maschinenbaustudium eine Ausbildung als Industriemechanikerin. „Meinen Ausbildungsbetrieb habe ich auch über MINT dual gefunden. Es ist nämlich genau der Betrieb, den mir die Hochschule als Praktikumsbetrieb vermittelt hatte.“ Das Orientierungsstudium findet die Studentin aber nicht nur für junge Frauen gut: „Eigentlich ist das für jeden nützlich, der noch keine Erfahrungen im technischen Bereich hat, aber sich dafür interessiert. Und dadurch, dass man schon viele Vorlesungen besucht hat, ist es dann im ersten Semester deutlich leichter.“

An der RWTH und der Hochschule Aachen gibt es ein ähnliches Programm, das aber nicht nur jungen Frauen, sondern allen Interessierten offensteht. So kann man unter dem Motto „Guter Studienstart“ in Fächern wie Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Elektrotechnik oder Bauingenieurwesen ein sogenanntes „Nulltes Semester“ vor dem regulären Studium absolvieren. Dies dient außerdem dazu, sich grundsätzlich zwischen Fachhochschule und Universität zu entscheiden. Die Teilnehmenden besuchen Kurse und Veranstaltungen mit Fächern wie Mathematik und Physik sowie aus den beteiligten Ingenieurstudiengängen und können so schauen, wie sie mit den unterschiedlichen Anforderungen zurecht kommen. Außerdem werden viele offenen Fragen geklärt, außerdem gibt es ein Patenprogramm mit Studierenden aus höheren Semestern.

Ein Orientierungsstudium in einer ganz anderen Fachrichtung bietet die private Universität Witten/Herdecke unter dem Motto „Kultur und Gesellschaft“ an der Fakultät für Kulturreflexion an. Dabei können die Studierenden auf Probe aus dem gesamten Lehrangebot der Fakultät wählen: Etwa 100 Seminare aus den Bereichen Kulturmanagement und Kulturwissenschaften, Philosophie, Politik- und Sozialwissenschaften sowie aus den Literatur- und Kunstwissenschaften stehen ihnen offen.

Neben der fachlichen Orientierung geht es darum, das Studieren auszuprobieren: Unter realen Bedingungen können die Abiturienten herausfinden, ob ein Hochschulstudium überhaupt das Richtige für sie ist, wie sie mit der Organisation und dem Lernpensum zurechtkommen, und natürlich das Campus-Leben kennenlernen.

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