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Fliedner Fachhochschule Düsseldorf führt Studiengang Hebammenkunde ein

Neuer Studiengang : Für einen guten Start ins Leben

Der Beruf der Hebamme ist ein besonderer – und gefragt. Die Ausbildung wurde reformiert, so dass nun ein duales Bachelorstudium Theorie und Praxis verbindet. Der Studiengang Hebammenkunde startet an der Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf am 1. Oktober.

Ohne sie wären die meisten Mütter und Familien ganz schön aufgeschmissen: Denn die Hebamme steht Frauen nicht nur bei der Geburt und im Wochenbett bei, sondern hilft auch beim Start in ein völlig neues Leben, dem als Familie nämlich. Und so geht es bei ihrer Ausbildung nicht nur um Geburtshilfe, sondern eben auch um soziologische und psychologische Aspekte. „Genau diese kamen bei der bisherigen Ausbildung zu kurz“, sagt Therese Werner-Bierwisch, gelernte Hebamme und Studiengangsleiterin des neuen Studiengangs „Hebammenkunde dual“, der an der Düsseldorfer Fliedner-Fachhochschule am 1. Oktober startet. „Zum 1. Januar 2020 ist das neue Hebammengesetz in Kraft getreten, das die Akademisierung der Hebammenausbildung regelt. Damit wird die bisherige Ausbildung an einer Berufsfachschule durch ein Bachelor-Studium ersetzt.“ Grund dafür: Die Aufgaben, die Hebammen heute übernehmen, sind vielfältiger und komplexer geworden. „Die Anforderungen im Gesundheitssystem sind gestiegen, das eigenständige Arbeiten hat sehr stark zugenommen. Die heutigen Arbeitsinhalte, die gesetzlichen Anforderungen sowie die große Verantwortung erfordern ein Ausbildungsniveau auf der Bachelorebene“, so Werner-Bierwisch.

Eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit geburtshilflichen komplexen Fragestellungen ist daher Ziel des neuen Studiengangs, der zudem im europäischen Ausland anerkannt wird. „Alle europäischen Länder bieten seit einigen Jahren eine hochschulische Hebammenausbildung an. Deutschland ist da bisher Schlusslicht gewesen“, sagt die Studiengangsleiterin. Das neue Studium soll zu einem selbstständigen und umfassenden Hebammenhandeln im klinischen wie auch außerklinischen Tätigkeitsbereich befähigen. „Die Studierenden werden befähigt, ihr professionelles Handeln zu hinterfragen und zu reflektieren. So können sie die Versorgungsmöglichkeiten im Sinne der Frauen und ihren Familien weiterdenken und Geburtshilfe weiterentwickeln.“

Das Studium an der Fliedner-Fachhochschule dauert sieben Semester. Dabei wechseln sich Theorie und Praxis ab. Die Studierenden erlernen alle wichtigen physiologischen Prozesse, um später selbstständig eine Geburt leiten zu können, ebenso um die Mutter im Wochenbett und in der Stillzeit betreuen zu können. „Darüber hinaus setzen sich die Hebammenstudierenden mit der Förderung der Frauen- und Familiengesundheit auseinander. Die Autonomie der Frau ist dabei richtungsweisend. So können sie als betreuende Hebammen dazu beitragen, dass der Übergang eines Paares in die Elternschaft gut gelingt“, sagt Werner-Bierwisch. Außerdem würden die Studierenden dazu befähigt, Risiken im Betreuungsverlauf zu erkennen und notwendige Maßnahmen für die Gesundheit von Mutter und Baby einzuleiten.

Da die Fliedner-Fachhochschule Teil der Kaiserswerther Diakonie ist, werden die Studierenden auch im dortigen Florence-Nightingale-Krankenhaus mit seiner großen und über Düsseldorf hinaus bekannten Geburtsstation praktisch ausgebildet – aber nicht nur. „Wir haben acht verschiedene Kliniken, mit denen wir kooperieren“, sagt Werner-Bierwisch. Zudem sind die Studierenden auch bei freiberuflichen Hebammen, in Geburtshäusern oder Hebammenpraxen im Einsatz, um ihr theoretisches Wissen angeleitet umzusetzen. Zusätzlich finden in den Praxisphasen Reflexionsseminare an der Fachhochschule statt, in denen die Studierenden ihre Praxiseinsätze oder besondere Erlebnisse aus dem Kreißsaal reflektieren.

Auch wenn die angehenden Hebammen nun mindestens das Fachabitur brauchen, um das Studium aufnehmen zu können (für die bisherige Ausbildung reicht die Mittlere Reife), ist mit der Reform der Ausbildung auch die Hoffnung verbunden, dass sich mehr junge Menschen für den Beruf interessieren. Denn die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist gut, Hebammen in Kreißsälen und in der Vor- und Nachsorge sind begehrt. Den akademisierten Hebammen steht zudem der Weg in ein Masterstudium und damit zu einer Promotion offen, vor allem, weil noch mehr Studienstandorte deutschlandweit geschaffen werden sollen. „Das Schöne am Hebammenberuf ist, dass er sehr flexibel ist. Ich kann in der Vorsorge, der Wochenbettbetreuung oder in der Klinik arbeiten, aber durchaus auch den Kreißsaal mit einer freiberuflichen Arbeit verbinden“, sagt Werner-Bierwisch. Auch Leitungsfunktionen im Kreißsaal oder Geburtshaus sind möglich.

Übrigens: Schon während des Studiums verdienen die angehenden Hebammen Geld. Für den praktischen Studienteil schließen die Studierenden der Fliedner-FH mit den Praxispartnern einen Vertrag über akademische Ausbildung und erhalten von Beginn bis Ende des Studiums eine monatliche Vergütung.

Die Nachfrage nach dem neuen Hebammen-Studium ist in Düsseldorf hoch: „Wir hatten schon die erste Bewerbung, als sich der Studiengang Ende des vergangenen Jahres noch in einer konzeptionellen Entwicklung befand“, so die Studiengangsleiterin. „Unsere 35 Studienplätze haben wir bereits seit Ende April belegt.“